Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

 

Wie werde ich Immobilienmakler/in?

Viele formale Hürden gibt es nicht, möchte man Immobilienmakler werden. Wer vom leicht verdienten Geld träumt, sollte seine Erwartungen an den Beruf aber kritisch prüfen.



Sven Keussen
Immobilienmakler wie Sven Keussen brauchen viel Fachwissen, wenn es etwa um Energieausweise, Miet- oder Eigentumsrecht geht.   Foto: Tobias Hase/dpa-tmn » zu den Bildern

Immobilienmakler? Viele haben falsche Vorstellungen von dem Beruf. Sie glauben, dass Maklerinnen und Makler vergleichsweise mühelos viel Geld verdienen. Das sieht doch im Fernsehen immer so einfach aus: Ein paar Gespräche mit Verkaufswilligen führen, ein paar Fotos online stellen, bei Besichtigungen nett mit den Interessenten plaudern und nach Vertragsabschluss die Provision kassieren.

Doch mit dem Berufsalltag haben diese Vorstellungen nicht viel zu tun: «Zwischen den Bildern in den Köpfen der Leute und der Wirklichkeit klaffen Welten», findet Sven Keussen von Rohrer Immobilien in München.

Viel teils mühevolle Kleinarbeit bestimme den Alltag, sagt er. Makler besichtigen angebotene Objekte oder Grundstücke, kalkulieren auf Basis von Vergleichsobjekten Preise und checken Marktanalysen. Dann arbeiten sie sich in Unterlagen ein: Sie sichten etwa Grundrisse und Lagepläne, prüfen, welche Sanierungen es gab und stellen Energiewerte eines Objektes zusammen. Dafür kontaktieren sie zum Beispiel das Bauordnungsamt. Sie entwerfen ein Exposé, dann eine Marketing-Strategie.

Immobilienmakler haben in aller Regel eine Kundenkartei, die es zu pflegen gilt. Es gibt eine ganze Reihe von Verkaufswilligen, die es ablehnen, an ihrem Haus das Schild «zu verkaufen» stehen zu haben, sagt Dirk Wohltorf, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland IVD. «Sie setzen auf Diskretion und wollen, dass ein Makler ihnen einen passenden Kaufinteressenten präsentiert.»

Immobilienmakler kann sich erstmal jeder nennen

Immobilienmakler ist allerdings keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Was bedeutet: Jeder kann sich so nennen - und jeder kann es werden, ob nun direkt nach einem Studium, als Berufsanfänger nach einer dualen Ausbildung oder als Quereinsteiger. «Im Idealfall haben diejenigen, die Makler werden wollen, Ahnung von der Branche und eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann absolviert», findet Wohltorf. Nach seinen Angaben interessieren sich häufig Frauen und Männer aus anderen kaufmännischen Berufen für den Makler-Job.

Ebenso kann ein immobilienwirtschaftliches Studium gute Grundlage für die Tätigkeit sein. Daneben gibt es viele verschiedene Ausbildungsträger, die Kurse oder Seminare für Quereinsteiger zu unterschiedlichen Preisen anbieten.

Eine Erlaubnis der Behörde ist Voraussetzung

Generell brauchen Makler eine Erlaubnis nach Paragraf 34c der Gewerbeordnung, um tätig werden zu dürfen. Anlaufstelle ist dafür meist das Gewerbe-, das Ordnungsamt in der Stadtverwaltung. Anwärter müssen Zuverlässigkeit und geordnete Vermögensverhältnisse nachweisen. Dafür legen sie unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Auskunft vom Amtsgericht vor, aus der hervorgeht, dass sie in den zurückliegenden Jahren rechtlich nicht belangt wurden.

Eine behördliche Erlaubnis ist das eine, aber: «Ohne ein breites Fach- und Praxiswissen sind Immobilienmakler auf kurz oder lang zum Scheitern verurteilt», sagt Keussen. Nicht nur, dass ein Profi den Markt vor Ort und dessen Preise im Detail kennt. Er muss auch im Miet-, Vertrags-, Grundbuch-, Notar- und Baurecht fit sein und über Gesetzesänderungen und aktuelle Urteile Bescheid wissen. Ferner sollte er in der Lage sein, Kunden in Finanzierungs- und Steuerfragen zu beraten.

Nicht immer wird die viele Arbeit belohnt

Neben Fachwissen sind auch persönliche Eigenschaften wichtig. «Makler müssen ein freundliches Wesen haben, kommunikativ sein und auf Leute zugehen können», erklärt Wohltorf. Auch sollten sie vermitteln können, wenn Verkäufer und Kaufwillige unterschiedliche Meinungen vertreten.

Nicht nur für diesen Fall lohnt sich ein dickes Fell: «Ein Makler kassiert nur eine Provision, wenn ein Miet- oder Kaufvertrag zustande kommt», erklärt Keussen. Es kann auch passieren, dass man viel Arbeit in die Vermittlung eines Objektes steckt und am Ende veräußert der Besitzer es an einen Bekannten.

© dpa-infocom, dpa:201106-99-239211/2

Veröffentlicht am:
09. 11. 2020
04:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bauordnungsämter Beruf und Karriere Berufsstarter Gewerbeordnung Grundstücke Immobilien Immobilienmakler Kaufmännische Berufe Kaufverträge und Kaufvertragsrecht Makler Polizei
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Aktenausgabe

16.11.2020

Wie werde ich Justizfachangestellte/er?

Es gibt mehrere Wege, am Gericht eine Ausbildung zu machen: als Justizfachangestellte oder Justizsekretär sorgt man dafür, dass Verfahren ihren geregelten Gang gehen. Wo liegen die Unterschiede? » mehr

Komponisten für Wort und Bild

13.01.2020

Wie werde ich Mediengestalter/in?

Fotos bearbeiten, Webgrafiken erstellen, einen Onlineshop aufhübschen: Mediengestalter brauchen kreative Ideen. Gleichzeitig müssen sie verstehen, was ein Produkt beim Beobachter auslösen soll. » mehr

Mit dem Teppichmesser

23.11.2020

Wie werde ich Raumausstatter/in?

Ein schönes Zuhause ist für viele wichtig. Gerade in Corona-Zeiten will man es sich in den eigenen vier Wänden gemütlich machen. Genau darum kümmern sich Raumausstatter. » mehr

Fisch messen

02.11.2020

Wie werde ich Fischwirt/in?

Fischwirte kümmern sich in verschiedenen Gewässern um die Bestände. Sie begleiten die Fisch-Aufzucht vom Brütling bis zur Vermarktung. Und müssen genau wissen, wann sich Aal oder Forelle wohlfühlen. » mehr

Schrifthauen

15.10.2020

Wie werde ich Steinmetz/in?

Der Steinmetz ist ein Beruf mit langer Tradition. Und noch immer werden die handwerklichen Fähigkeiten gebraucht. Über einen kreativen Beruf für Ästheten. » mehr

Auf der Jagd

10.12.2018

Wie werde ich Revierjäger/in?

Sie kennen mehr als 250 Pflanzen, waten bei Minusgraden durch Flüsse und gehen Wildunfällen nach: Revierjäger machen weit mehr als mit der Büchse durch den Wald zu laufen. Und der Beruf wandelt sich: Auch Wild- und Waldp... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
09. 11. 2020
04:53 Uhr



^