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American Saddlebreds: Feine Pferde für Kenner

American Saddlebreds sind in Deutschland kaum verbreitet. Vielleicht liegt dies am Image als völlig überspannte Showpferde. Dabei haben die Tiere gute Nerven und sind vielseitig einsetzbar. Allerdings sind sie keine Tiere für jedermann.



Katharina Heidenreich beim Training
American Saddlebreds sind extrem vielseitig - Katharina Heidenreich reitet die Tiere auf Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsturnieren sowie auf TREC-Wettkämpfen. Foto: Sabine Maurer/dpa-tmn   » zu den Bildern

Sie sind bildschön und intelligent, bewegen sich elegant, haben exzellente Nerven - in Deutschland haben viele aber ein falsches Bild von ihnen. 

«Wenn die Leute an American Saddlebreds denken, dann sehen die meisten die Pferde in den amerikanischen Shows vor sich, die immer panisch wirken», sagt Martin Wingenfeld aus Kierspe, der seit 20 Jahren diese Gangpferde züchtet. Dabei seien es feine und vielseitig einsetzbare Tiere mit einem guten Charakter.

In den amerikanischen Shows liefen sie jedoch mit durchgedrücktem Rücken und extrem hohen Kopf, kritisiert er. Für einen spektakulären Gang würden ihnen schwere Hufeisen aufgenagelt. «Die Pferde haben eine unheimlich hohe Schmerztoleranz», sagt er. Früher sei ihnen bis kurz vor Showbeginn ein Sack über den Kopf gezogen worden, damit sie sich noch ausdrucksvoller präsentierten. In Deutschland finden diese amerikanische Art des Reitens und die künstlichen Bewegungen der Pferde dagegen wenig Anklang. 

Nach Angaben der American Saddlebred Horse Association in Europa entstand die Rasse im 18. Jahrhundert in den Südstaaten der USA. Die Pferde wurden schon im Unabhängigkeitskrieg von der amerikanischen Kavallerie eingesetzt. Zunächst wurden sie als ausdauernde und vielseitig einsetzbare Reit- und Kutschpferde gezogen, bevor sich die Zucht immer mehr in Richtung Showpferd entwickelte. Gezüchtet werden sie auch heute vor allem in den USA. Auch einige berühmte vierbeinige Fernsehstars waren American Saddlebreds, wie etwa Black Beauty. In Filmen wie «Vom Winde verweht» sind ebenfalls Vertreter dieser Rasse zu sehen. 

Seit etwa 30 Jahren gibt es American Saddlebreds auch in Deutschland, mittlerweile sind es zwischen 200 bis 250. Es gibt sie in allen Farben, in Deutschland sind vor allem Füchse verbreitet. 

Ihre Fans schwärmen nicht nur von der Schönheit, sondern auch vom guten Charakter der Pferde. «Sie lernen sehr schnell, sind sehr sensibel, lieb, menschenbezogen und wollen alles richtig machen. Eben so richtige Musterschüler», erzählt Katharina Heidenreich aus Usingen, Besitzerin von drei American Saddlebreds. 

Die vierjährige Cara wird gerade angeritten, die beiden älteren Tiere Star und Bonnie werden von der Familie bereits vielseitig genutzt. Heidenreichs Mutter reitet mit ihnen gerne gemütlich ins Gelände, ihr Vater hat Distanzritte absolviert. Heidenreich selbst reitet die Tiere auf Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsturnieren sowie auf Trec-Wettkämpfen und Prüfungen für Gangpferde. Denn American Saddlebreds haben auch eine Veranlagung zum Tölt - eine nach Schritt, Trab und Galopp weitere Gangart, die für den Reiter sehr bequem zu sitzen ist.

Diese Vielseitigkeit der Pferde hebt auch die Internationale Gangpferdevereinigung (IGV) bei ihrer Wesensbeschreibung hervor. Die Saddlebreds seien außerdem perfekte Wagenpferde, heißt es. Auch die Show liegt ihnen im Blut, das ist im Umgang mit diesen Pferden deutlich zu spüren. «Da springen sie beim Führen schon mal oder machen eine Kapriole. Aber dabei spannt sich noch nicht einmal der Strick, weil es eben nur Show ist», berichtet die langjährige Besitzerin Heidenreich. Im Umgang mit Kindern seien die temperamentvollen Tiere dagegen extrem brav. 

Allerdings sind American Saddlebreds keine Pferde für jedermann und erst recht nicht für Anfänger. «Sie geben sich unheimlich Mühe, den Menschen zu lesen und verstehen es einfach nicht, wenn ihr Reiter Fehler macht», berichtet Wingenfeld. Sie brauchen erfahrene Besitzer, die fein mit ihnen umgehen. Grober Umgang verunsichert sie. Dann bekommen sie Angst, verlieren rasch ihr Vertrauen und werden hektisch. «Wenn man sie nicht richtig behandelt, sind sie schnell über der Uhr», ist auch die Erfahrung von Heidenreich.

Sehr geeignet sind diese meist 1,50 bis 1,70 Meter großen Tiere für anspruchsvolle und gut ausgebildete Freizeitreiter, die außerdem ein gut gefülltes Portemonnaie haben. Denn American Saddlebreds sind alles andere als günstig. Bereits ein Fohlen kostet mindestens 5000 Euro, für ein erwachsenes Pferd mit einer guten Ausbildung müssen mindestens 25 000 Euro bezahlt werden. Außerdem ist das Angebot begrenzt. So sind auf der Internetseite der American Saddlebred Horse Association nur drei Züchter in Deutschland aufgeführt. 

Veröffentlicht am:
24. 02. 2017
05:10 Uhr

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dpa

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24. 02. 2017
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