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Ein unterirdischer Bunker für seltene Fledermäuse

In einem Wald bei Colbitz (Landkreis Börde) ist eine ganz besondere Wohngemeinschaft eingezogen. Ihr «Haus» liegt tief im Wald und rund fünf Meter unter der Erde. Besuch ist unerwünscht, denn die Bewohner sind sehr scheu.



Fledermausquartier bei Colbitz
Das Fledermausquartier in einem ehemaligen Bunker der Sowjetarmee. Hier wohnen seltene Fledermaus-Arten wie Rauhaut-, Mücken-, Fransenfledermaus und Kleines Mausohr.   Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Ein früherer Munitionsbunker der Sowjetarmee in der Colbitz-Letzlinger Heide ist zum Domizil für seltene Fledermausarten geworden. Die artgerechte Behausung für die Flattertiere wurde extra von Menschenhand geschaffen.

«Vermieter» ist die Bundeswehr, Bauherr die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalts, um die Betreuung kümmert sich die untere Naturschutzbehörde des Landkreises. Für das Umfeld ist der Bundesforstbetrieb zuständig.

Autobahnbau und Fledermausschutz

«Kurios aber wirkungsvoll», nennt Stefan Kauert das Objekt. Die Tiere hätten das Ende 2016 geschaffene Quartier sofort angenommen, freut sich der Bauleiter der A14-Nordverlängerung, die wenige Kilometer entfernt Gestalt annimmt. Die Idee zur Umnutzung des Bunkers sei bei den Planungen für die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen durch die Straßenbaubehörde entstanden.

Baukosten für die unterirdische Fledermaus-Villa: Rund 34.000 Euro. Der Bunker besteht aus mehreren Räumen und Gängen. Die sanierte Gesamtfläche beträgt etwa 170 Quadratmeter. Eingebaut wurden Hangplätze für die Fledermäuse, zusätzlich eine Luft-Befeuchtungsanlage sowie Ein- und Ausflugsschlitze.

Ein Zuhause für geschützte Fledermäuse

«Rauhaut-, Mücken-, Fransenfledermaus und Kleines Mausohr», zählt Forstrevierleiter Holger Wille einige der streng geschützten Arten auf, die in dem Bunker ein Winterquartier gefunden haben. Insgesamt sind mehr als ein Dutzend Arten auf dem Truppenübungsplatz «Altmark» heimisch. Sie finden hier optimale Bedingungen. Da das Gelände für die Öffentlichkeit tabu ist, bleiben die scheuen Tiere ungestört.

Und: «Der Tisch ist für die Tiere reich gedeckt», weiß Wille. Insekten, wie Mücken, Fliegen und Nachtfalter oder Käfer tummeln sich im Wald. Für sie bot der trockene Sommer optimale Bedingungen.

Bedrohte Tierarten in der Colbitz-Letzlinger Heide

In der gesamten Colbitz-Letzlinger Heide hat sich im Schatten jahrzehntelanger militärischer Nutzung eine einmalige Flora und Fauna entwickelt. Viele bedrohte Tierarten finden hier trotz des laufenden Übungsbetriebes einen Rückzugsort. Nicht nur Wolf und Wildkatze streifen über das Gelände, auch selten gewordene Vogelarten wie Wiedehopf, Ziegenmelker und Steinmätzer sind hier zu finden. In den Gehölzen fühlen sich Eremit, Heldbock und andere Käferarten, wie der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer, wohl.

Allein 850 Käferarten sind in Eichen zu finden, in Buchen kann man nach bis zu 650 Arten suchen. Hinzu kommen Insekten, Schmetterlinge oder wie die Blauflügelige Ödlandheuschrecke, Reptilien und anderes Getier. «Die Bandbreite der Natur ist auf diesem Areal besonders groß», sagt Rainer Aumann, Leiter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt, zu dem die Heide gehört.

Weite Teile seien als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Der Bundesforstbetrieb sehe sich als Dienstleister der Bundeswehr für den Erhalt und die Pflege der Landschaft. Der Schutz von Flora und Fauna sei dabei eine zentrale Aufgabe, betont Aumann.

Veröffentlicht am:
03. 10. 2018
05:03 Uhr

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Autor

dpa

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03. 10. 2018
05:03 Uhr



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