Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

So bekommen Welpen eine gute Kinderstube

Welpen lernen innerhalb der ersten Wochen fürs Leben. Läuft es gut, können die Tiere später besser mit Reizen und Stress umgehen. Für Züchter und Besitzer bedeutet das allerdings viel Arbeit.



Im Gehege
Die sechs Wochen alten Lagotto-Romagnolo-Welpen tummeln sich im Spielgehege von Züchterin Margit Kunzelmann im hessischen Bensheim.   Foto: Fabian Busch/dpa-tmn » zu den Bildern

Es gibt ein Bällebad, einen Tunnel, Flatterband und reflektierende CDs: Was Margit Kunzelmann in ihrem Garten aufgebaut hat, ist Spielwiese und «Kinderstube» in einem. Sie züchtet Lagotto Romagnolos - das sind italienische Trüffelsuchhunde - und zieht ihren dritten Wurf groß.

Fünf lockige Welpen tummeln sich in dem abgesteckten Gehege in ihrem Garten im hessischen Bensheim. Kunzelmann achtet darauf, dass die Hunde schon früh eine möglichst abwechslungsreiche Umgebung haben. «Die ersten 16 Wochen sind lebensentscheidend», sagt sie.

Hunde machen in dieser «sensiblen Phase» sehr tiefgreifende Lernerfahrungen, erklärt Marie Nitzschner, Verhaltensbiologin aus Leipzig. «Wenn ein Hund in dieser Phase angemessen viele Erfahrungen gemacht hat, wird er sein Leben lang darauf zurückgreifen», so Nitzschner.

Ohne Erfahrung ordnen Hunde Eindrücke falsch ein

Habe der Hund dagegen bestimmte Dinge nicht kennengelernt, werde er entsprechende Eindrücke nicht richtig einordnen können. Dann erhöht sich die Gefahr, dass er Ängste oder andere Verhaltensauffälligkeiten entwickelt. Das sollten zukünftige Halter wissen, wenn sie einen Züchter suchen - aber auch wenn sie das Tier zu sich geholt haben.

Wann genau sich der Hund in dieser Sozialisationsphase befindet, ist umstritten - meistens verorten Experten sie in der sechsten bis 16. Lebenswoche. Doch schon die Wochen davor seien «superwichtig», sagt Celina del Amo, Fachautorin und Tierärztin mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie aus Neuss. «Mit jeder Lebenswoche lernen die Welpen besser, Vertrautes und Unvertrautes zu unterscheiden.»

Bei Margit Kunzelmann wachsen die Welpen in der Wohnung auf. Dort sollen sie Gerüche, Berührungen und Geräusche kennenlernen: den Staubsauger, das Telefon oder die Türklingel. Doch auch der Kontakt zu Menschen spiele eine große Rolle, betont die Züchterin: «Ganz wichtig ist es, die Welpen anzufassen und hochzunehmen, sie lecken oder knabbern zu lassen - nur das Beißen in die Hand ist tabu.»

Geräusche von Kindern und Rasenmähern kennenlernen

Ab der vierten Lebenswoche lässt die Züchterin die kleinen Lagottos auch in den Garten, damit sie das Gras und die Geräusche draußen kennenlernen. Später bekommen die Welpen zudem Besuch: von Kindergruppen oder ihren zukünftigen Haltern. Außerdem unternimmt Kunzelmann mit dem Wurf Ausflüge zu Fuß oder im Auto.

Im Gehege suchen sich die kleinen Hunde zu diesem Zeitpunkt passenderweise gerade einen Platz, um zu dösen. Doch selbst so lernen sie hinzu: In der Ferne ist das Surren eines Rasenmähers zu hören - ein Geräusch, das die Hunde später als ganz normal empfinden werden.

Für Züchter bedeutet es viel Arbeit, den Hunden eine gute Kinderstube zu bieten. Zukünftige Besitzer sollten deshalb genau hinschauen, wenn sie sich einen Welpen anschaffen wollen. Da die Aufzucht von Welpen nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell anspruchsvoll ist, verdienen seriöse Hobbyzüchter kaum Geld damit.

Aufwachsen in dunklem Zwinger kann sich rächen

Anders ist das bei sogenannten Vermehrern, die populäre Rassen in großem Stil züchten und häufig keinen Wert auf eine gute Sozialisation legen. Werden die Welpen in einem dunklen Zwinger groß, kann sich das im späteren Leben rächen.

Häufig geben Züchter den Nachwuchs in der achten bis zehnten Lebenswoche an die künftigen Halter ab. Diese müssen die Arbeit dann weiterführen. «Die Besitzer sollten den Junghund mit allem vertraut machen, was dem Tier bevorsteht», sagt Marie Nitzschner. Kontakte zu anderen Hunden sind etwa wichtig. Lebe man in einer größeren Stadt, könne auch Straßenbahnfahren dazugehören. Wichtig sei aber, das Tier nicht im Hauruck-Verfahren an neue Dinge zu gewöhnen.

Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
05:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Gefahren Haushunde Rassen Streitereien Stress Tiere und Tierwelt Tierärztinnen und Tierärzte Welpen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Impfung

23.08.2019

Wie finde ich einen Mischlingswelpen?

Wer einen jungen Mischling ins Haus holen möchte, kann nicht einfach zum Züchter gehen. Über den Tierschutz können Interessenten jedoch fündig werden. Auch private Kleinanzeigen gibt es im Internet zur Genüge - dort ist ... » mehr

Der Hund in der Pubertät

01.11.2019

Der Hund in der Pubertät

Unsicherheit, Abenteuerlust und Überheblichkeit prägen ihren Alltag: Pubertären Hunden geht es nicht anders als Menschen. Besitzer sollten in der sensiblen Zeit mit ihren Hunden geduldig sein. » mehr

Ankunft

31.05.2019

So klappt der Umzug mit Katzen

Katzen fühlen sich in ihrer gewohnten Umgebung am wohlsten. Muss der Besitzer umziehen, sollte er den Stress für sein Tier so gering wie möglich halten und ihm im neuen Domizil viel Zeit zum Ankommen geben. » mehr

Katja Krauß

17.05.2019

So finde ich die Berufung meines Hundes

Sind Hunde nicht ausgelastet, entwickeln sie manchmal komische Vorlieben. Dagegen hilft ein Hobby. Viele Tiere entdecken durch Hundesport oder Nasenarbeit eine richtige Berufung - für uns Menschen mitunter ein riesiges K... » mehr

Clickertraining

03.05.2019

Spielerisches Clickertraining mit Kleintieren

Clickertraining kennt man vor allem von Hunden. Doch auch Meerschweinchen, Kaninchen und Co. können mit diesem Hilfsmittel gut trainiert werden. Sie lernen damit etwa, Männchen zu machen und Hindernisse zu überwinden. » mehr

Bei-Fuss-gehen

28.06.2019

Was gegen das Hunde-Halsband spricht

Für viele Hundeexperten ist ein Brustgeschirr die bessere Alternative zum Halsband. Es schont den empfindlichen Halsbereich des Hundes - und es kann helfen, unerwünschtes Verhalten zu bekämpfen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
05:19 Uhr



^