Lade Login-Box.
Topthemen: Kommunalwahl 2020Bilder vom WochenendeHof-GalerieBlitzerwarner

 

Der Hund in der Pubertät

Unsicherheit, Abenteuerlust und Überheblichkeit prägen ihren Alltag: Pubertären Hunden geht es nicht anders als Menschen. Besitzer sollten in der sensiblen Zeit mit ihren Hunden geduldig sein.



Der Hund in der Pubertät
Konflikte zwischen zwei Vizslas sollten beide nicht unter sich regeln. Manchmal ist es besser, den Hund an der Leine zu lassen.   Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn » zu den Bildern

Richard weiß nicht so recht wie ihm geschieht. Gestern stand der acht Monate alte Labrador noch kleinlaut erwachsenen Rüden gegenüber, heute sucht er Stress.

Ein Hunde-Greis knurrt ihn genervt an. Richard ist das egal - er nervt weiter, bis es eine klare Ansage gibt. Wie ein echter Teenager eben. Die Diagnose lautet: Pubertät.

Wie Menschenkinder ereilt auch Hunde die schwierige Phase des Erwachsenwerdens. Der Zeitpunkt ist unterschiedlich. «Bei Rüden variiert der Pubertätsbeginn zwischen fünf und 18 Monaten, bei der Hündin zwischen sechs und zwölf Monaten», weiß Prof. Sandra Goericke-Pesch von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Bei großen Hunden und Riesenrassen könne es in Einzelfällen sogar 24 Monate dauern, bis die Pubertät beginnt.

Rüden in der Rüpel-Phase

Bei Hündinnen ist der Zeitpunkt einfach zu erkennen: Er geht mit der ersten Läufigkeit einher. So ein handfestes Indiz gibt es bei Rüden nicht. Hier ist man auf Hinweise angewiesen: Heben sie ihr Bein neuerdings und markieren ihr Revier? Entfernen sie sich plötzlich weiter von ihrem Herrchen, als diesem lieb ist, um alles ganz genau zu erkunden? Sind sie plötzlich sehr am anderen Geschlecht interessiert, jedoch nicht mehr so verträglich mit Ihresgleichen?

Das alles sind Hinweise auf den veränderten Hormonstatus. «Beinheben beim Rüden bedeutet aber nicht gleich, dass der Rüde in der Pubertät ist», weiß Hundetrainerin Katja Krauß von der Hundeschule Greh in Berlin. Das könne auch schon vor der Geschlechtsreife vorkommen. Das veränderte Verhalten ist, was Hundehalter aufmerksam machen sollte. Das ist bestimmt von Veränderungen im Gehirn und geht mit sehr viel Unsicherheit einher.

«Regelrechte Spukphasen gibt es da», so Krauß. «Plötzlich wirkt etwas bedrohlich, was vorher nie störte. Oder die Hunde reagieren sehr sensibel auf neue Reize. Sie rennen weg, hören vermeintlich nichts mehr, vergessen alles.»

Gefahren muss der Mensch einschätzen

Labrador Richard lernte neulich ein Pferd kennen. Mit Selbstbewusstsein war es da schlagartig vorbei. Das riesige Tier machte ihm derart Angst, dass er zunächst das Weite suchte. Doch dann überkam ihn schlagartig die Neugier und er wagte sich doch ran. Schließlich forderte er es zum Spielen auf. Das Pferd staunte nicht schlecht. Die Besitzerin konnte ihn gerade noch vor den bedrohlichen Hufen in Sicherheit bringen. Richard ahnte nicht, wie gefährlich die sind.

Für Krauß ist das Verhalten ein Klassiker. «Das Gehirn ist im Wachstum, die emotionale Bewertung bildet sich erst aus, Dinge werden neu verschaltet», sagt sie. Besitzer sollten die Pubertät des Tieres zum Anlass nehmen, sich in Geduld zu üben, rät sie. «Lassen Sie dem Tier Zeit. Überfahren Sie es nicht mit übermäßiger Strenge.»

Nervenaufreibend wird es oft, wenn die Hunde scheinbar Erlerntes wie «Sitz», «Platz» oder «Bleib» plötzlich vergessen haben. «Sie ignorieren es nicht», sagt Krauß. «Sie erinnern sich nur nicht.» Und: «Keine Angst, das kommt wieder.» Etwa um den zwölften Monat ist bei einem mittelgroßen Hund die kritische Zeit beendet.

Da es sich um eine prägende Phase handelt, müssen Besitzer jetzt besonders aufpassen. «Früher hat man gesagt, lasst die Hunde den Konflikt einfach unter sich regeln. Heute weiß man, dass das nicht zielführend ist», sagt Krauß. Auch sie rät dazu, Konflikte zu meiden. Den Hund öfter an der Leine zu lassen. Denn wird das Tier in der Pubertät gebissen, merkt es sich das oft ein Leben lang.

Veröffentlicht am:
01. 11. 2019
05:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angst Erwachsene Erwachsenwerden Gefahren Haushunde Herrchen Hundehalter Teenager Tiere und Tierwelt Überheblichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Anna Falkenhorst und Inge Wanken

23.01.2020

Immer mehr Hunde werden zu Problemfällen

In deutschen Tierheimen sitzen immer mehr schwer vermittelbare Hunde. Viele Besitzer haben sie im Internet gekauft - und kommen dann nicht mehr klar. Tierschützer raten daher: Finger weg von Online-Hunden! » mehr

Hundekot

10.10.2019

Was Bello braucht und macht: Ein H-U-N-D-E-Alphabet

«Wuff, wuff!» macht es in beinahe jedem fünften Haushalt. Für kein anderes Haustier geben die Menschen in Deutschland so viel Geld aus wie für ihre Hunde. Reinrassig muss Bello nicht unbedingt sein. » mehr

Auf der Spielewiese

18.10.2019

So bekommen Welpen eine gute Kinderstube

Welpen lernen innerhalb der ersten Wochen fürs Leben. Läuft es gut, können die Tiere später besser mit Reizen und Stress umgehen. Für Züchter und Besitzer bedeutet das allerdings viel Arbeit. » mehr

Katze

21.02.2020

So wird aus der Katze keine Kratzbürste

Sie ist das beliebteste Haustier - doch die Katze reagiert sensibel auf Veränderungen oder Familienzuwachs. Kommt ein Baby ins Haus oder ein neuer Partner, kann sie schon mal garstig werden. » mehr

Katze im Tierheim

16.12.2019

Tierheime stoppen Vermittlung in der Weihnachtszeit

Alle Jahre wieder landen Hunde oder Katzen unter dem Christbaum. Der Trubel an den Feiertagen ist aber ungeeignet, um ein Tier an eine neue Umgebung zu gewöhnen. Was sind die Alternativen? » mehr

Projekt auf vier Beinen

13.12.2019

Mein erster Hund zieht zu Hause ein

Streicheln, ab und zu Gassi gehen und fertig? Ein Hund ist nicht nur ein süßes Fellknäuel, sondern ein Haustier mit Ansprüchen. Aber weiß ein Neu-Besitzer, was alles auf ihn zukommt? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
01. 11. 2019
05:04 Uhr



^