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Interview

Alice Cooper: "Ich mache Musik für alle"

Rock-Ikone Alice Cooper ist zurück. Er hat 2017 sein 27. Album „Paranormal“ auf den Markt gebracht – mit weltweitem Erfolg. Wir haben mit ihm über sein Werk gesprochen.



Alice Cooper
 
Mr. Cooper, Sie haben Ihr Album in den Anarchy-Studios in Nashville aufgenommen. Herrschte im Studio kreative Anarchie?
 
Alice Cooper: Zuerst einmal ist Nashville keine reine Country & Western-Stadt mehr, dort wird heute viel Rock'n'Roll gespielt. Fast jeder Rockproduzent arbeitet mittlerweile in Nashville. Als ich bei meiner letzten Platte nach einem geeigneten Gitarristen suchte, stellte ich fest, dass Vince Gill in der Stadt war. Alle verbinden mit ihm Country-Musik, aber er war auch mal in einer Rockband. Also bat ich ihn, auf einem meiner Songs Gitarre zu spielen. Und wissen Sie was: Er spielte wie der Teufel! Country-Musiker und Rocker haben viel mehr gemeinsam als man denkt. Nashville ist die neue Rock-Hauptstadt. Mein Produzent Bob Ezrin arbeitet dort.
 
Wie sind Sie und Bob Ezrin an die neue Platte rangegangen?
 
Cooper: Eigentlich sollte es gar kein Konzeptalbum werden. Wir hatten ein gutes Dutzend Songs fertig geschrieben, und als ich sie mir alle noch einmal zu Gemüte führte, stellte ich fest, wir hatten unbeabsichtigt ein Konzeptalbum geschrieben. Denn jeder Charakter in jedem Song hatte irgendwelche übersinnlichen oder abnormalen Probleme. Es geht hier aber nicht um Geisterjäger oder so, sondern um Dinge jenseits des Normalen. Genau wie meine Karriere.
 
Welches ist Ihre gruseligste paranormale Erfahrung?
 
Cooper: Mir passieren ab und zu Dinge, die ich beim besten Willen nicht erklären kann. Ich war mal mit Joe Perry (Aerosmith, die Red.) in einem Haus oben in New York. Ich weiß noch genau, wie ich meine Diätcola auf dem Tisch abstellte und in den Nebenraum ging. Als ich dort ankam, war meine Cola schon da. Und Joes Gitarrensaiten waren plötzlich verschwunden. Das passierte nicht nur einmal, sondern jeden Tag. Solche Dinge lassen dich deinen Geisteszustand infrage stellen. Eines Abends saßen wir zusammen beim Essen in diesem Spukhaus. Plötzlich hörten wir im Keller Geräusche, als würde jemand Möbel rücken. Es waren aber nicht irgendein Rascheln oder Rumpeln, es war richtig laut.
 
Wie haben Sie sich in dem Moment verhalten?
 
Cooper: Keiner von uns besaß den Mut, einmal nachzuschauen, was dort unten los war. Bald darauf verließen wir dieses Haus. Später fanden wir heraus, es war das Haus, in dem der Geisterroman "The Amityville Horror" geschrieben wurde. Was mich betrifft, mag ich es nicht, mit dem Paranormalen herumzuspielen.
 
Glauben Sie an eine Welt neben der realen Welt?
 
Cooper: Ich bin mir ziemlich sicher, das da noch irgendeine andere Dimension existiert. Ich denke da eher an Engel und Dämonen als an Geister. Aber bis jetzt haben sie mir nichts Schlimmes angetan. Ich kenne eigentlich niemand, der je von einem Geist verletzt wurde.
 
Im Rockzirkus gibt es viele durchgeknallte Existenzen. Hilft die Musik Ihnen, nicht durchzudrehen?
 
Cooper: Oh ja, denn Musik ist ein kreativer Prozess. Wenn du etwas erschaffst, arbeitet dein Gehirn auf Hochtouren und dein Blut kommt in Wallung. Kreativität ist der Gipfel des Menschseins. Diese Platte hier existierte letztes Jahr noch gar nicht, inzwischen aber sind Ideen zu richtigen Songs geworden, die jeder sich anhören kann. Songschreiber und Künstler bringen Dinge zur Welt, ob nun gut oder schlecht. Ja, dieses Album war eine Schöpfung. Aus mir hätte auch ein Maurer werden können, dann würde ich heute Häuser bauen. Aber Musik zu kreieren ist viel obskurer.
 
Auf Ihrem Album ist die original Alice Cooper Band wieder zu hören. Mit dieser allerersten Schockrock-Gruppe fing Ihre Karriere vor 50 Jahren an. Wie kam es zu der Reunion?
 
Cooper: Mit dieser Band schrieb und spielte ich jetzt wieder zwei Songs. Das Tolle an ihr ist, dass wir uns damals nicht im Streit getrennt haben. Normalerweise bricht eine Band auseinander und die Musiker beginnen sich gegenseitig zu hassen. Zwischen uns gab es jedoch keine Prozesse, keine Wut, wir sind still und leise auseinandergegangen - und blieben die ganze Zeit über in Kontakt. Jeder entwickelte seine eigenen Projekte und ich machte seitdem als Alice Cooper weiter. Als ich die Jungs jetzt wieder anrief und vorschlug, ein paar Songs zusammen zu schreiben, waren sie nicht überrascht. Sie haben dann auch einen wirklich guten Job gemacht.
 
Stimmt es, dass Jimi Hendrix Sie ursprünglich zusammenbrachte?
 
Cooper: Jimi Hendrix sprach damals mit meinem Manager, Shep Gordon. Jimi kannte uns als diese Band ohne Plattenvertrag, die irgendwo in LA am Hungertuch nagte. Er erzählte Shep von uns. Seitdem ist Shep Gordon mein Manager, seit nunmehr 48 Jahren! Wir haben bis heute keinen Vertrag gemacht. Uns genügte ein Handschlag, was sehr ungewöhnlich ist in der Musikwelt. Ich vertraue ihm hundertprozentig in sämtlichen Geschäftsangelegenheiten. Und er stellt nichts von dem infrage, was ich als Musiker mache. Das nenne ich eine gute Beziehung.
 
Auf dem Album sind auch ein paar legendäre Gitarristen zu hören, Steve Hunter und Billy Gibbons, der Boss von ZZ Top. Wie kam es dazu?
 
Cooper: Billy Gibbons dabei zu haben war sehr cool. Der Song "Fallen In Love" klang für mich von Anfang an wie eine ZZ-Top-Nummer. Also rief ich Billy an und sagte zu ihm: "Du musst unbedingt auf diesem Song mitspielen!" Nachdem er ihn sich angehört hatte, war er sofort Feuer und Flamme. Und Steve Hunter ist für mich einer der besten Gitarristen in Amerika. Er war schon bei meiner "Welcome To My Nightmare"-Show dabei.
 
Schreiben Sie eigentlich alle Ihre Songs aus der Sicht der Alice-Cooper-Figur?
 
Cooper: Ja, ich schreibe immer für Alice in der dritten Person. Denn er ist schließlich nur eine Figur, die ich darstelle. Alles, was ich singe, gibt seine Meinung und nicht meine wider. Er tickt schon ein bisschen anders als ich, aber wir haben den selben Humor. Alice bringt Dinge anders ans Publikum heran als ich.
 
Es gab Zeiten, da hätte Alice Cooper Sie beinahe umgebracht ...
 
Cooper: Es war wohl eher so, dass ich ihn um ein Haar umgebracht hätte. Als ich noch Alkohol trank und Drogen nahm - damals in den späten 60ern und frühen 70ern - habe ich das Monster Alice erschaffen. Anfangs dachte ich immer, er sei daran Schuld gewesen, dass ich zu einem Alkoholiker und Drogenabhängigen wurde. Bis mich eines Tages mein Therapeut fragte: "Wie viel trinkt Alice auf der Bühne?" Ich antwortete: "Alice trinkt nicht auf der Bühne". Mein Therapeut fuhr fort: "Welche Drogen nimmt Alice auf der Bühne?" Ich: "Alice nimmt keine Drogen auf der Bühne". Er ließ nicht nach: "Und wie viel trinkt Alice im Aufnahmestudio?" Ich: "Nichts". Dann sagte mein Therapeut: "Alice ist nicht das Problem. Sie sind es! Alice ist nämlich niemals high. Aber Sie sind es immer". Deswegen habe ich ihn fast umgebracht und nicht er mich. Andernfalls wäre ich nämlich nie clean geworden. (lacht)
 
Wie schwer war der Neuanfang nach Ihrer Therapie?
 
Cooper: Nun, ich musste Alice neu erfinden. Vor meiner Therapie war Alice der Prügelknabe der Gesellschaft, ein Ausgestoßener. Deswegen habe ich ihn auf der Bühne auch immer geköpft. Wenn du trinkst und Drogen nimmst, fühlst du dich psychologisch als Opfer. Als ich dann aber als cleaner Künstler ins Rampenlicht zurückkehrte, war ich durch und durch positiv eingestellt. Doch wie sollte ich Alice fortan spielen? Irgendwann beschloss ich, ihn als arroganten Bösewicht zu spielen. Er sollte fortan für alles, was er tut, selbst verantwortlich sein, weshalb er heute kein Prügelknabe mehr ist. Ich bin ja auch kein Opfer mehr.
 
Wie hat Ihr Arbeitsethos sich seitdem verändert?
 
Cooper: Früher graute es mir immer davor, Alice zu spielen. Deshalb trank ich vor den Konzerten immer so viel. Heute hingegen freue ich mich auf jede Show. Ich kann es kaum erwarten, wieder aufzutreten - und ihn zu spielen. Es macht mir inzwischen richtig Spaß, böse zu sein.
 
Machen Sie heute Musik für nüchterne Menschen?
 
Cooper: Ich mache Musik für alle. Ich habe ja auch gar keine Kontrolle darüber, wer sie hört. Ich bekomme regelmäßig Emails von Menschen, die alkohol- oder drogenabhängig waren und mir erzählen, dass ihnen ein bestimmter Song von mir oder ein Statement geholfen hat, davon loszukommen. Das zu hören ist für mich wirklich toll. Ich bin stolz, dass ich jemandem helfen kann, seine Probleme zu lösen. Das ist aber eigentlich nicht mein Job, ich bin Entertainer. Aber dieser Nebeneffekt macht meinen Job noch schöner. Ich habe das ja alles selbst erlebt. Inzwischen bin ich seit 35 Jahren nüchtern.
 
Haben Sie auch schon anderen Musikern helfen können?
 
Cooper: Oh ja. Dave Mustaine von Megadeth. Er war heroinabhängig und ich habe ihm geholfen, von dem Stoff loszukommen. Andere Musiker und Filmstars sind zu mir gekommen und baten mich, ihnen anonym zu helfen. Sie wollten es wirklich.
 
Welchen Rat haben Sie ihnen gegeben?
 
Cooper: Ich sagte ihnen: Die Tatsache, dass du um Hilfe bittest, ist schon die halbe Heilung. Damit gestehst du dir ja ein, abhängig zu sein. Viele Menschen in dieser Lage neigen nämlich dazu, ihre Sucht zu verteidigen. So kommst du aber nicht an sie ran. Ich kenne auch viele Leute, die meinen, sie könnten langsam aussteigen. Ich glaube aber, dass man es auf diese Weise nicht schaffen kann. Denen sage ich: Wenn du nicht sofort damit aufhörst, siehst du mich nie wieder!
 
Warum sind Künster so empfänglich für Drogen?
 
Cooper: Das hat etwas mit ihrer Kreativität zu tun. Viele Kreative sind nicht zwangsläufig extrovertierte Menschen. Aber dann werden sie auf einmal ins Rampenlicht gestoßen, was sie als sehr unnatürlich empfinden. Also fangen sie an zu trinken, damit sie sich in der Öffentlichkeit sicherer fühlen.
 
War es in Ihrem Fall genauso?
 
Cooper: Ich war irgendwann an einem Punkt angelangt, wo ich Alkohol als Medizin betrachtete. Wenn wir dieses Interview vor 35 Jahren gemacht hätten, hätte ich mir vorher auf meinem Zimmer erst noch ein paar Drinks genehmigt. Aber nicht, weil sie mir so gut schmeckten, sondern weil ich von ihnen abhängig war. Wenn du so denkst, hast du ein echtes Problem. Ich könnte heute kein einziges Bier mehr trinken, dann würde ich nämlich mit dem Saufen nicht mehr aufhören.
 
Was ist heute Ihre Kreativdroge?
 
Cooper: Ich brauche zum Schreiben weder Kaffee noch Coca Cola, ich habe ein kreatives Gehirn. Wenn mir jemand sagt, es wird wieder Zeit, eine Platte zu machen, kann ich mich hinsetzen und unmittelbar Songs schreiben. Ich brauche keine Inspiration von außen. Wenn Sie jetzt einen Song über eine Giraffe und einen Elefanten auf der Spitze des Empire State Buildings bei mir in Auftrag geben würden, würde ich Ihnen antworten: "Okay! Soll es ein Liebeslied werden oder eher etwas Lustiges? Hardrock oder Pop?" Ich kann alles schreiben.
 
Haben Sie vor, Ihr "Paranormal"-Konzeptalbum auf die Bühne zu bringen?
 
Cooper: Nicht in voller Länge, ich werde Ausschnitte daraus spielen. Die Alice Cooper Show ist eine fette Produktion zwischen Chaos, Rock und Vaudeville. Auf dem Programm stehen Songs aus allen Phasen meiner Karriere.
 
Sie werden bald 70, touren aber immer noch unablässig um die Welt. Wie kommt es, dass Sie sich auf der Bühne immer noch so wohl fühlen?
 
Cooper: Ich mache dies jetzt seit 50 Jahren. Ich glaube, ich wurde für die Bühne geboren. Ich kenne Musiker, die haben Zeit ihres Lebens Angst vorm Publikum. Für mich hingegen ist die Bühne der Ort, wo ich mich am wohlsten fühle.

Alice Cooper auf Tour
Unter dem Motto „Spending the Night with Alice Cooper“ kommt der amerikanische Rocksänger am 24. November um 20 Uhr in die große Jurahalle nach Neumarkt in der Oberpfalz. Karten gibt es in unserem Ticketshop.
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Veröffentlicht am:
30. 10. 2017
06:00 Uhr

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