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Interview

Früher feierte er mit der Kelly Family große Erfolge, nun ist er solo unterwegs. Michael Patrick Kelly erklärt im Interview, warum er nicht beim Revival der Kellys dabei ist.



Interview
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Nach nicht mal einem Jahr schieben Sie einen Nachfolger zu Ihrem Album "Ruah" nach. Wie kommt das?

Konzerte in der Region

Nach seinem Debüt im vergangenen Sommer kehrt Michael Patrick Kelly am Samstag, 29. Juli, um 20.30 Uhr auf die Bühne des "Tambacher Sommers" im Coburger Land zurück. Im Winter ist er noch einmal in der Nähe zu erleben: am Samstag, 25. November, 20 Uhr, in der Stadthalle Zwickau. Karten sind im Ticketshop unserer Zeitung erhältlich.


In meiner Klosterzeit habe ich keine Platten aufgenommen. Dafür sprudelt meine Kreativität derzeit geradezu. In einem schönen Brief von Rainer Maria Rilke heißt es: "Wenn Du die Notwendigkeit in dir spürst, etwas sagen zu müssen, dann bist du berufen." Diese Notwendigkeit spüre ich im Moment sehr stark, und ich bin froh, dass ich sie ausleben kann.

Das Album heißt "iD". Welche musikalische Identität besitzen Sie? Was muss alles raus aus Ihnen?

Meine Urmusik ist Folk, die habe ich mit der Muttermilch aufgesogen. In den 90er Jahren habe ich dann angefangen, Popsongs zu schreiben. Privat habe ich viel Rockmusik wie Pearl Jam, Led Zeppelin und Metallica gehört. In unserem Familienband-Konzept war es aber weniger möglich, diese Seite auszuleben. Textlich habe ich autobiografische Elemente verarbeitet: Erfahrungen, Hoffnungen, Sehnsüchte. Ich habe mich aber auch mit den Identitäten von anderen Menschen beschäftigt. In dem Song "How do you love" geht es darum, wie jemand liebt. Das sagt viel über seine Identität aus. Wie jemand stirbt, ist auch bezeichnend: Was sagt er zum Beispiel in seiner letzten Stunde? Darum geht es in "Last Words". Das sind Zitate von berühmten Persönlichkeiten wie Frank Sinatra, Marie Antoinette oder James Dean.

Welche autobiographischen Züge finden sich in dem Song "Free"?

Ich würde mich als freien Menschen bezeichnen, aber im Kopf befinden sich eben doch alte Bremsen und Unsicherheiten. Als Künstler ist es manchmal schwer, diese Bremse zu lösen. Dann muss man sich in den Hintern treten und sagen: "Junge, genieße und lebe einfach. Suche nicht nach dem Haar in der Suppe, mache dir nicht so viele Gedanken über die Details."

Für viele Menschen ist Freiheit eng mit dem christlichen Glauben verbunden. Wie sind Sie zum Glauben gekommen?

Das war ein Prozess. Mit Anfang 20 habe ich begonnen, mich mit Glaubensfragen und Spiritualität zu beschäftigen. Es gibt eben nicht nur das Materielle, das man sehen kann, sondern auch eine unsichtbare Ebene. Von außen betrachtet, hatte ich ein sehr gutes Leben. Ich lebte auf einem Schloss, spielte Stadiontourneen, und es kamen immer mehr Goldene Schallplatten. Innerlich fühlte ich mich aber leer, war nicht glücklich. Das innere Glück habe ich dann im Kloster und im Glauben gesucht und gefunden. Ich habe einen Lifestyle gewählt, bei dem ich mich 24 Stunden, sieben Tage die Woche versucht habe, auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Wie viele Jahre haben Sie im Kloster gelebt?

Sechs Jahre. 2004 fing das an. Ich habe Pilgerfahrten gemacht, habe mehrere Klöster besucht, war in Kalkutta bei den Mutter-Teresa-Schwestern oder in London bei den Bronx-Brothers. Letztendlich habe ich mich für einen Orden im Burgund in Frankreich entschieden.

Warum haben Sie das Klosterleben beendet?

Das Leben dort ist schon anstrengend, dafür fehlte mir die Fitness. Das hatte auch mit meinem Entzug von der Musik zu tun. Ältere Mitbrüder haben mir empfohlen, wieder Musik zu machen. Sie sagten mir: "Wir glauben nicht, dass Du für dieses Leben berufen bist." Das Leben ist dort so anders: Das Zölibat, die Studien, die Gebete. Ich bin aber Künstler und habe diese Notwendigkeit in mir, meine Kreativität auszuleben. Musik ist meine Natur. Weil sich das mit dem Leben im Kloster nicht vereinbaren ließ, hat mein Körper am Ende nicht mehr mitgemacht.

Vielleicht hat Sie Gott auch dazu berufen, Musik zu machen?

Ich bin sehr vorsichtig, wenn es darum geht, was Gottes Wille ist. In Gottes Namen wird auch viel Scheiß gemacht. Ich glaube schon, dass die gegebenen Talente wie eine Berufung sein können. Ich glaube aber auch, dass wir uns Vieles erarbeiten müssen. Ich denke, Gott will, dass die Menschen glücklich sind. Und was uns am glücklichsten macht, ist die Liebe: Liebe erfahren und Liebe geben.

Warum sind Sie beim Kelly-Family-Revival nicht dabei?

Ich habe als Solokünstler ein anderes Lebenskonzept als früher, als wir noch alle zusammen wie die Orgelpfeifen mit Mama und Papa unterwegs waren. Wenn das Ganze ein Jahr später stattgefunden hätte, wäre ich vielleicht dabei gewesen. Meine neue Platte, die anstehenden Festivals, Promotion, die Tournee im Herbst, ich habe im Moment andere Prioritäten.

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Veröffentlicht am:
21. 06. 2017
12:39 Uhr

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21. 06. 2017
12:39 Uhr



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