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Interview

Sarah Connor hat 2015 mit ihrem ersten deutschsprachigen Album ein fulminantes Comeback gefeiert. Auch der Nach- folger entert Platz eins der deutschen Charts.



Mit mehr als 1,2 Millionen verkauften Exemplaren und drei ausverkauften Live-Tourneen gilt Sarah Connors deutsch-sprachiges Debütalbum"Muttersprache" als Meilenstein in der Pop-Musik.	Foto: Nina Kuhn
Mit mehr als 1,2 Millionen verkauften Exemplaren und drei ausverkauften Live-Tourneen gilt Sarah Connors deutsch-sprachiges Debütalbum"Muttersprache" als Meilenstein in der Pop-Musik. Foto: Nina Kuhn  

Sarah, die erste Zeile Ihrer Single "Vincent" lautet: "Vincent kriegt keinen hoch, wenn er an Mädchen denkt." Wie haben Ihre Kinder darauf reagiert?

Sarah Connor auf Tour

Die Sängerin geht auf "Herz Kraft Werke"-Tour und tritt am 8. November um 20 Uhr in der Arena in Leipzig auf sowie am 9. November um 20 Uhr in der Olympiahalle in München. Karten gibt es bei uns.


Wir hören neue Songs meist im Auto, wenn ich sie von der Schule abhole. Zuerst hatten sie den Anfang verpasst, weil sie gequatscht haben. Ich habe dann vorsichtig nachgefragt, ob sie den Anfang auch mitbekommen hätten und ihn noch mal gespielt. Dann war natürlich erst mal Gekicher und auch ein wenig Empörung. Ich habe ihnen erklärt, dass der Song für einen Kumpel von ihnen ist, der sich wenige Tage zuvor vor seiner Mutter, einer Freundin von mir, geoutet hatte. Ich wollte einen Song machen, der ihm Mut macht und ihn bestärkt, zu sich zu stehen. Das haben sie verstanden.

Auch Ihr 15-jähriger Sohn Tyler?

Er meinte einfach nur: "Ach echt? Er ist schwul? Aha... cool." Das war’s. Thema beendet. Ich war beeindruckt, wie lässig er reagiert.

Ihre Kinder scheinen recht entspannte Zeitgenossen zu sein.

Ich war tatsächlich ein bisschen stolz über Tylers Reaktion und dass er sich scheinbar mit dem Thema schon mal auseinandergesetzt und eine klare Haltung dazu hat. Jetzt, wo der Song draußen ist, merke ich, dass er unter Erwachsenen viel mehr polarisiert. Natürlich hat sich die Situation gebessert, in Berlin kann man sein, wer man will und niemanden stört das. Aber ich komme vom Land, ich weiß, wie dort viele Menschen denken. "Vincent” sagt einfach sehr direkt, dass es auch ihr Sohn sein könnte. Oder meiner. Aber noch wichtiger: Dass Vincent geliebt wird, egal wie, was oder wer er ist.

Sie haben den Song mit Peter Plate und Ulf Sommer geschrieben, die selbst beide schwul sind. Gab es Diskussionen über den Text?

Sie haben sich riesig gefreut, als ich mit der Idee kam für einen Song über einen 15-jährigen Jungen, der sich outet. Beide konnten mir viel zu dem Thema erzählen. Ulf kommt aus dem Osten. Für ihn war es besonders krass. Wir hatten übrigens auch eine etwas sanftere Version. "Vincent wird nicht rot, wenn er an Mädchen denkt." Aber wir waren uns einig, dass die nicht so intensiv ist.

"Du bist mein Fels, mein Licht und mein Frieden" singen Sie in "Unendlich". Wen sprechen Sie da an?

Meine kleine Tochter Phini (7). Ich saß in meinem Büro am Laptop, als sie reinkam und sagte: "Heute schreibst du einen deutschen Song für mich." Alle anderen in der Familie hätten schon einen. Also habe ich geschrieben, wie sie auf mich wirkt. Als wenn die Sonne aufgeht, sobald sie ins Zimmer kommt. Der Refrain fiel mir in der Kirche ein. Zu Weihnachten gehen wir zum Krippenspiel und da sprach der Pfarrer über das Licht, die Liebe und den Frieden - und ich hatte meine Zeile (lacht).

Sie erzählen in Ihren Songs schon gerne über Ihre Familie, oder?

Natürlich. Alles dreht sich um meine Kinder. Sie sind meine größte Inspiration. Bei vier Kindern passiert halt auch so viel. Ich liege abends neben meinem Teenagersohn im Bett, sehe die Haare an seinen Beinen und denke: "Der war doch gerade noch mein kleiner Junge." Am liebsten würde ich gerade die Zeit anhalten, weil es oft so wild und lustig und klar, manchmal auch anstrengend ist. Aber auch, weil ich merke, dass der erste so langsam erwachsen wird.

Sie sind die Älteste von acht Geschwistern. Haben Sie sich selbst immer eine Großfamilie gewünscht?

Das hat sich so ergeben. Nach meiner Tochter Summer, die mit einem Herzfehler geboren wurde, habe ich nicht gedacht: "Jetzt unbedingt noch mal." Aber mein Partner wollte unbedingt ein weiteres Kind, und so ist dann Phini zu uns gekommen. Und auch Jax, der jetzt zweieinhalb ist, ist ein echter Sonnenschein. Doch jetzt ist es genug. Andererseits: Bei uns weiß man nie.

Ihr vor vier Jahren veröffentlichtes Album "Muttersprache" war ein riesiger, auch überraschender Erfolg. Was haben Sie jetzt mit "Herz Kraft Werke" erreichen wollen?

Ich wollte vor allem richtig große Melodien machen, die haben mir im Rückblick bei "Muttersprache" ein bisschen gefehlt, weil ich mich erst mal mit Deutsch als Singsprache anfreunden musste - damit, die richtigen Worte zu finden, statt mich um meine Stimme und den Soul zu kümmern. Bei "Herz Kraft Werke" tobe ich mich stimmlich mehr aus und in den Texten kommt man mir noch ein Stück näher. Ich habe dieses Mal noch öfter ganz allein gearbeitet.

Wie haben Sie den Triumph mit "Muttersprache" erlebt?

Abgespalten von mir selbst. Ich sitze hier in meinem "Dörfchen" etwas außerhalb von Berlin, habe kein Spotify und versuche zwischen zwei Alben so unberühmt wie möglich zu sein. Nur wenn ich auf die Bühne gehe und da unten stehen 15 000 Leute und singen meine Lieder mit, merke ich: "Wow, krass, diese Platte hat echt viele Leute berührt." Besonders glücklich hat mich der Erfolg gemacht, weil das meine eigenen Texte sind und offenbar eine Menge Menschen eine Beziehung zu meinen Geschichten, Ängsten, Sorgen, Freuden und Fragen aufbauen können.

In "Vincent" singen Sie über den Tag, an dem Sie zum ersten Mal verknallt waren. In wen?

Das erste Mal verknallt war ich in Michael Jackson. Noch Jahre bevor ich im Kinderchor mit ihm auf der Bühne in Bremen stand. Sondern schon mit fünf oder sechs. Ich hatte mein ganzes Zimmer mit ihm tapeziert.

Und wann haben Sie sich zum ersten Mal in einen erreichbaren Jungen verliebt?

Mit 14. In den Anführer einer Jungs-Clique in Delmenhorst. Das waren so Breakdancer, die immer auf dem Marktplatz abhingen. Freitags war bei uns Dorfdisco, und immer spielten sie "Always" von Bon Jovi. Ich war aufgeregt und ahnte, dass er mich an diesem Abend auffordern würde zum Tanzen. Das war dann auch so, und am Ende des Songs hat er mich geküsst. Das war mein erster Kuss, und es war wahnsinnig schön. Er war viel größer als ich, das ist mir danach nicht mehr so oft passiert (lacht).

In "Keiner pisst in mein Revier" sagen Sie über Ihren Mann
und Manager Florian Fischer:
"Er ist der, bei dem ich bleibe." Ist das so?

Wer weiß schon, was in 20 Jahren ist, ich glaube nicht an dieses "für immer", aber ich glaube an uns. Er ist jetzt meine Liebe, die hält. Seit zehn Jahren schon entscheide ich mich immer wieder für diese Beziehung. Ich denke jeden Morgen, wenn wir uns zum Abschied küssen, was für ein Glück ich habe mit diesem wohlwollenden und liebevollen Mann.

Sie warnen im Songtext die
anderen Frauen, Ihren Mann
anzumachen. Sind Sie schnell
eifersüchtig?

Nein, dazu hat er mir noch nie einen Grund gegeben. Aber er ist ein schöner und interessanter Mann und ich bin mir darüber bewusst, dass er auch auf andere Frauen anziehend wirkt. Der Song ist eine Ansage an die Frauen, die meinen, sie könnten mit ihrem Hintern in seine Richtung wackeln.

Das Gespräch führte Steffen Rüth

Das ganze Interview findet sich unter

—————

frankenpost.de/veranstaltungstipps

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Steffen Rüth
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Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
17:10 Uhr

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Steffen Rüth

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16. 08. 2019
17:10 Uhr



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