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Interview

Klaus Meine: "Wir spielen für drei Generationen"

Die Scorpions sind die gefragteste deutsche Rockband weltweit. Wir sprachen mit Sänger Klaus Meine über den „Scorpions Day“ in Amerika, Bon Jovi und Altern in Würde.



Scorpions
  Foto: Jovan Nenadic
Die Zusammenstellung „Born To Touch Your Feelings“ zeigt die Scorpions von ihrer ruhigeren Seite. Sie gelten als die Miterfinder der so genannten Powerballade. Worauf legen Sie besonderen Wert, wenn Sie eine Ballade wie „Still Loving You“ oder „Send Me An Angel“ schreiben?
Man hofft immer, eine starke Nummer zu schreiben, die die Fans hoffentlich mitten ins Herz trifft. Labels wie „Powerballade“ spielen in dem Moment keine Rolle. Entweder schreibst du einen geilen Rocksong, weil du eine tolle Idee für ein Riff hast, oder eine Ballade wie „Follow Your Heart“. Bei unserem MTV-Unplugged-Gig in Athen habe ich das Stück nur mit Stimme und Gitarre performt und gehofft, dass daraus irgendwann einmal eine starke Rockballade mit Band wird. Das ist jetzt geschehen. Ich freue mich, dass es die erste Single von unserem neuen Album ist.
 
Ist das Album der Vorbote einer Studioproduktion mit gänzlich neuen Songs?
In absehbarer Zeit planen wir nicht, ins Studio zu gehen. Wir sind nach wie vor weltweit unterwegs. Wir müssen erst das Gefühl haben, dass da genügend Songs entstanden sind, die es verdient haben, veröffentlicht zu werden. Diesmal war es überschaubar und wir haben eine Best-Of-Platte mit drei neuen Titeln umgesetzt. Sie bündelt unsere stärksten Balladen, darunter Songs, darunter Songs, die schon immer Fan-Favorits waren, aber darüber hinaus nicht so bekannt sind. 
 
Der neue Song „Melrose Avenue“ ist eine Hommage an die berühmteste Meile von Los Angeles und das Lebensgefühl Kaliforniens. Was fasziniert Sie an diesem Lifestyle?
 Uns faszinieren die USA als Touring-Land, weil die Rockkultur dort so stark ausgeprägt ist. In den USA erlebten wir von 1979 bis Ende der 1980er Jahre hinein eine unserer stärksten und erfolgreichsten Phasen. Vom amerikanischen Rock’n‚Roll-Business haben wir als Liveband viel gelernt. Wir standen jeden Abend in einer anderen 20.000er-Arena auf der Bühne. Und das in Konkurrenz mit Bands wie AC/DC, Aerosmith oder Van Halen. Es war faszinierend, als deutsche bzw. europäische Band in diese internationale Rockfamilie reinzuwachsen und mit unserer Musik so erfolgreich zu sein. 
 
Kürzlich traten Sie mit Megadeth als Special Guest im legendären Madison Square Garden in New York auf – einen Tag nach Paul McCartney. 
Dort haben wir schon in den 1980er Jahren gespielt! Der Spruch „Wenn du es in New York schaffst, dann schaffst du es überall“ ist wirklich wahr. 
 
Ist es wahr, dass Ihre damalige Vorband Bon Jovi sich auf Geheiß ihres Managers jeden Ihrer Auftritte ansehen mussten, um von Ihnen zu lernen?
  Wir hatten Bon Jovi gepickt auf der 1984er-Tour. Sie waren mit uns sechs Monate unterwegs. Wir mochten die Band, sie hatte damals mit „Runaway“ einen kleinen Radio-Hit. Wir hatten mehrere Bands zur Auswahl, Bon Jovi fanden wir cool und sie lernten sehr schnell. Ihr damaliger Manager Doc McGhee, der später auch unser Manager wurde, riet ihnen, sich jeden Abend die Scorpions anzusehen. Er sagte: „So machen es die Großen“. Uns ging es ähnlich; wir standen anfangs auch als Opening Act mit AC/DC oder Ted Nugent auf der Bühne. In den 30 Minuten, die dir zur Verfügung stehen, spielst du um dein Leben. Ein paar Jahre später waren wir selbst Headliner mit Vorbands wie Metallica, Def Leppard und Iron Maiden. 
 
Kirk Hammett von Metallica bezeichnet den Scorpions-Titel „The Sails Of Charon“ als einen der fünf Songs, die sein Leben veränderten. Wo hören Sie Ihren Einfluss?
Ich weiß, dass er ein großer Fan von allen unseren Gitarristen ist: von Michael Schenker über Rudolf Schenker und Matthias Jabs bis hin ganz besonders zu Uli Jon Roth. Wir treffen uns unterwegs hin und wieder. Wenn Metallica in Deutschland sind, gehen wir zu ihnen und umgekehrt. Bei Metallica ist das mehr eine Geschichte, die über die Gitarren abgeht. Sie als amerikanische Band sahen in uns etwas, was sie nicht hatten, weil wir mehr mit klassischer Musik groß geworden sind. Metallica hingegen kommen vom Blues. Van Halen erzählten uns, dass sie in den Clubs in Hollywood mit unseren frühen Songs wie „Catch Your Train“ und „Speedy’s Coming“ ihre Karriere starteten. So wie wir anfangs von den Beatles, Stones und The Who begeistert waren. Bon Jovi sagten nach dem Moscow Peace Festival: „Wir haben nur einmal nach den Scorpions gespielt. Das machen wie nie wieder“. 
 
In einem US-Metal-Magazin war kürzlich zu lesen: „Klaus hat bei Weitem die beste und markanteste Stimme von allen Hard-Rock-Bands der 80er Jahre“. 
 Letztes Jahr spielten wir in Las Vegas unser erstes Residency im Hardrock Hotel mit fünf Shows. Bei der Gelegenheit bekamen wir von einem großen Musikmagazin einen Preis überreicht in Gegenwart vieler Musiker. Jeder, der an dem Abend einen Award erhielt, erwähnte die Scorpions und mich als Sänger als Inspiration. Es hat uns selbst überrascht, wie breit das gefächert war. Selbst die ganz harten Kerle nannten uns als Einfluss. 
 
In den USA waren Sie kürzlich mit Megadeth auf Tour. Wie war’s?
Fantastisch! Wie hatten erst Zweifel, ob das überhaupt zusammengeht. Aber wir sind eine Rockband, die es auf der Bühne richtig krachen lässt. Wir haben es noch nie gescheut, uns mit den Besten der Welt zu messen. Megadeth wurden 2017 mit einem Grammy ausgezeichnet! Sie hätten es nicht gemacht, wenn sie keinen Respekt vor uns hätten, denn sie sind ja selber ein Headliner. Mit ihnen durch die größten Arenen Amerikas zu ziehen, ist erstmal ein Wort. Da musst du als Headliner deine Muskeln so richtig spielen lassen. Am 16. Juni treten wir nach langer Zeit wieder in London auf, diesmal in der o2 Arena und Megadeth werden als Special Guest wieder dabei sein. 
 
Welchen Einfluss hat Mikkey Dee, der viele Jahre für Motörhead trommelte, auf die Musik der Scorpions?
Wir gehen jetzt deutlich mehr in eine härtere Richtung. Aber eigentlich war es schon immer so. Mikkey bringt frisches Blut in die Band. Er ist ein toller Musiker und super Typ. Er hat ein europäisches Feeling, weshalb wir uns sehr nah sind. Sein Vorgänger brachte eine Hollywood-Crazyness mit, aber mit Mikkey legen wir noch mal einen Zahn zu. Lemmy, dem wir jeden Abend mit unserer Version von „Overkill“ Respekt zollen, hätte es sicher sehr gemocht. 2010 haben wir unsere Hände in den Asphalt auf dem Rock Walk in Hollywood gedrückt – direkt neben den Yardbirds und Led Zeppelin. Bei der Zeremonie waren Lemmy und Mikkey dabei. Irgendwie ist es eine Fügung des Schicksals, dass Mikkey jetzt bei uns spielt. 
 
Die Stadt Los Angeles hat den 6. Oktober zum "Scorpions Day" ernannt. Warum?
Es ist eine schöne Ehrung, die die Stadt Los Angeles uns hat zukommen lassen. Sie zeigt unsere ganz besondere Verbundenheit mit Kalifornien. Als ich an dem Text für „Melrose Avenue“ schrieb, musste ich nicht lange überlegen. Das ist ein Gute-Laune-California-Song, mit dem wir uns bei den Fans für viele tolle Konzerte bedanken wollen.
 
„Wind Of Change“ ist in den USA momentan wieder sehr populär. Hat der Song für Amerikaner eine neue Bedeutung bekommen?
 Wir werden in Amerika viel mehr als Hardrock- und Heavy-Metal-Band wahrgenommen. Deshalb hatten wir „Wind Of Change“ dort zeitweise gar nicht im Set. Die Emotionen, die „Wind Of Change“ in Russland auslöst, sind verbunden mit dem Ende des Kalten Krieges. Für einen Amerikaner ist die Moskva aber sehr weit weg. Als wir ihn jetzt gespielt haben, haben sie den Song als Friedenshymne mit der Hoffnung auf einen Wandel empfunden. 
 
Lassen Sie sich von Donald Trump Ihre Liebe zu Amerika nicht verderben?
Absolut nicht, wir haben großartige Fans in Amerika und hatten dort gerade eine tolle Tour. Aber es war gleichzeitig auch eine schwierige Zeit. Zwei Tage nach dem Attentat in Las Vegas traten wir in Nevada auf. Und über Florida und Texas waren am Anfang der Tour schwere Stürme hinweggefegt. Wir konnten nicht einfach „Rock You Like A Hurricane“ spielen und diese Naturkatastrophe vollkommen ignorieren. Das waren emotionale Momente. Wir haben uns dann entschlossen, den Song trotzdem zu performen und zu Spenden für die Opfer aufzurufen. Der Klassiker „Rock You Like A Hurricane“ ist übrigens in der angesagten Netflix-Serie „Stranger Things“ zu hören. 
 
Sie feiern am 25. April 2018 Ihren 70. Geburtstag. Wie altert man im Rock’n'Roll in Würde?
 So lange wie ich auf Tour bin, ist das Alter für mich überhaupt kein Thema. Wir spielen mittlerweile für drei Generationen. In Amerika ist der Altersdurchschnitt etwas höher, das liegt an den Fans aus den 80er Jahren, die mit uns zusammen älter werden. Im Rest der Welt ist ein unglaublich junges Publikum dazugekommen. Das hält uns jung. Wir werden natürlich älter und spüren das hin und wieder auch. Ich glaube, junge Menschen finden es attraktiv, eine Band zu sehen, die sowohl bretthart rockt als auch Songs spielt, bei denen es um Emotionen geht und die mitten ins Herz treffen. Das ist der Spirit, der uns am Laufen hält.
 
Scorpions auf Tour
Die deutsche Rock-Band tritt am 3. August um 20 Uhr im Luitopldpark in Bad Kissingen auf. Karten dafür gibt es im Ticketshop unserer Zeitung. 
 
Autor

Das Gespräch führte Olaf Neumann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
09. 07. 2018
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Olaf Neumann

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Veröffentlicht am:
09. 07. 2018
06:00 Uhr



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