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Interview

Liam Gallagher: "Ich empfinde echtes Glück"

Liam Gallagher wurde als Leadsänger der britischen Rockband Oasis bekannt. Nach dem Ausstieg macht er jetzt allein Musik und geht mit seinem zweiten Erfolgs-Album auf Tour.



  Foto: PR

Wie startet ein Liam Gallagher in seinen Tag?
Früh. Sehr früh. Ich bin um 6 Uhr aufgestanden und bis zum Brandenburger Tor gerannt. Anschließend zurück. Alles in allem war ich fast zwei Stunden draußen, was für mich nicht außergewöhnlich ist, sondern fast schon eine Morgenroutine.

Ist Joggen das neue Saufen?
Wenn ich am Abend vorher unterwegs war, um dem Wodka und dem Tequila zuzusprechen, dann bleibe ich liegen. Das Laufen ist kein Zwang. Aber entweder früh am Morgen oder gar nicht. Denn ich bin ja sehr berühmt und will nicht, dass mich beim Rennen die Leute anquatschen.

Steckt in einem fitten Körper ein gesunder Geist?
Ich fühle mich stark, Mann. In Topform. Und ja, ich bin auch mental gut drauf. Ich empfinde große Zufriedenheit und echtes Glück. Ich berausche mich an den Wundern des Lebens. Diese Rastlosigkeit in meinem Kopf ist verschwunden. Körperlich ist es okay, es könnten aber ein paar Kilo weniger sein. Ich trinke auch immer noch viel Alkohol, bin kein Kalorienzähler und esse gern fettiges Zeug. Ich werde jetzt nicht zum Veganer und habe nicht den Drang, in Skinny Jeans zu passen.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
So wie die meisten anderen Leute auch. Ich lebe eigentlich ganz normal. Meine Freundin ist eine sehr gute Köchin, abends sind wir oft einfach daheim. Wenn ich rausgehe, dann bei mir im Viertel, in Highgate. Dort ist das Leben entspannt und beschaulich, es gibt drei, vier Pubs, das genügt mir.

Würden Sie sich eine Welt ohne Smartphones wünschen?
Ja, das wäre schon toll. Neulich stand ich vor der Tür und rauchte eine, da kam so ein Kerl vorbei, sagte nicht mal „Hey, Liam, wie geht’s"?, sondern zog sein Handy und Bumm. Ich kam mir vor wie ein Zootier.

Auf dem neuen Album fallen die vielen Liebeslieder auf. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Es ist angenehm, wenn deine Musik und dein Leben sich im Gleichklang bewegen. „Why Me? Why Not.“ ist ein sehr gutes Album, ich bin glücklich damit, selbst wenn es nicht die Neuerfindung des geschnittenen Brotes ist. Und die Liebe, nun ja, ich bin verliebt: In meine Freundin Debbie, in meine Kids, die Welt. Um mich herum schwirren viele verdammt gute Gefühle. Das Leben verläuft ja nicht in geraden Bahnen. Manchmal ist es bewölkt, manchmal brechen die Wolken auf. Im Moment scheint die Sonne.

Vor ein paar Jahren dagegen hat es ganz schön geregnet.
Das stimmt. Ich hatte eine kleine Krise, einen Hänger. Mir ist persönlicher Mist passiert, die Scheidung. Aber alles ist gut geregelt.

Sie sollen lange Zeit nur missmutig zuhause herumgehangen haben.
Ich bin mein härtester Kritiker und sehr sensibel, was mich selbst betrifft. Debbie hat mich aus meinem Loch rausgeholt. Sie war schon meine Managerin, als ich noch die Band Beady Eye hatte, und sie nimmt mein Selbstmitleid nicht ernst.

Speziell „Once“ ist eine sehr hübsche Ballade. Wovon handelt sie?
Von früher. Ich sage nicht, dass früher alles besser war, aber vieles war einfacher. Ich bin seit längerem dabei, mein Leben aufzuräumen, mich von Sachen zu trennen. Du brauchst keine fünf Häuser, vier Autos und drei Luxusuhren, um glücklich zu sein. Entschlackt ist dein Leben besser.

Also haben Sie keine Oldtimer-Sammlung oder ähnliches?
Ich habe noch nicht einmal einen Führerschein. Will ich nicht haben. Ich gehe lieber zu Fuß oder frage Debbie, ob sie mich aus dem Pub abholt. Und wenn ich beruflich unterwegs bin, habe ich sowieso einen Fahrer.

Welches Verkehrsmittel würde Sie noch reizen?
Ein U-Boot. Muss cool sein, darin abzutauchen und unter Wasser herumzufahren. Keine Ahnung, wie teuer so was ist. Wenn, dann würde ich es gebraucht kaufen.

Schon mal E-Scooter gefahren eigentlich?
Nein. Ich nutze kein Gefährt, das aussieht wie Kinderspielzeug. Diese Dinger sind eine Plage. in London muss man immer Angst haben, dass einen sowas umfährt. Außerdem sieht man bescheuert aus auf so einem Teil. Wenn schon Roller, dann lieber so ein kleines Motorrad von Schwalbe. Oder eine Vespa.

„One Of Us“ ist eine mächtige Disco-Gospel-Nummer. Stimmt es, dass ihr 18-jähriger Sohn Gene darauf mitspielt?
Ja. Gene bedient die Bongos. Er war im Studio und checkte auf seinem Handy Mädchen ab, ich sagte ihm, er solle mal rüberkommen und sich nützlich machen. Gene hat auch eine Band, die haben noch keinen Namen. Er spielt Gitarre. Weil er meint, der Gitarrist kriegt mehr Mädels ab als der Schlagzeuger.

Ihr Sohn Lennon ist 20. Spielt er auch Musik?
Ja, ebenfalls Gitarre. Seine Band ist etwas schräger als die von Gene.

Können Sie den Jungs beim Mädchenklarmachen eine Hilfe sein?
Schnickschnack. Die sehen selbst gut genug aus, wenn auch nicht ganz so gut wie ich. Lennon ist Model. Gene nicht, der hält sich zu cool fürs Modeln.

Sollen sich die Halbbrüder mal zusammentun? So in der Familientradition?
Hoffentlich. Ich fände das großartig, Aber nur, wenn sie sich verstehen und mögen, was soweit ich weiß der Fall ist. Wenn sie sich bekämpfen wie Noel und ich, dann wäre das weniger angenehm. Ich bin jedenfalls froh, dass beide Musik machen. Musik ist eine tolle Art und Weise, den Scheiß zu verarbeiten und was Cooles zu tun, wenn du dich langweilst oder durchhängst.

Die Jugendlichen scheinen sich größtenteils nicht mehr für Rockmusik zu interessieren.
Ach, das ist doch Quatsch. Warte nur, selbstgemachte Musik wird zurückkommen. Musiker, die jetzt auch auf Beats setzen und sich so anhören wie irgendein verdammter DJ, die sollten sich schämen. Manche holen sich ja sogar einen Rapper dazu, wie lachhaft ist das denn? Nein, ich springe nicht vom Schiff. Ich stehe die Flaute durch. Ein Fußballteam löst sich ja auch nicht auf, wenn es mal eine schlechte Saison spielt.

Wollen Sie sich eigentlich nicht mal mit Ihrem Bruder Noel aussöhnen?
Vielleicht halten wir als Opas zusammen Händchen, aber fürs erste habe ich getan, was ich konnte, um mich mit Noel zu vertragen. Es war nicht genug. Ich dachte, er macht Spaß, als er sagte, er hasst mich. Jetzt denke ich, er mag mich vielleicht wirklich nicht.

Wieso eigentlich nicht?
Ich glaube, Noel ist neidisch auf mich. Er hat einen Komplex. Er kommt nicht darüber hinweg, dass ich jedes Mal mehr Aufmerksamkeit bekomme, wenn wir beide zusammen in einem Raum sind. Da kann er hundertmal die Songs geschrieben und viel mehr Geld verdient haben, Fakt ist, dass ich Charisma habe, und er nicht.

Weshalb möchten Sie sich überhaupt wieder vertragen?
Wegen unserer Mum. Sie wird nicht jünger. Und sie leidet. Auch für meine Kinder wäre es schön.

Sie haben ihn auf Twitter als „Hipster“ tituliert. Die ultimative Beleidigung bei den Gallaghers aus der Arbeiterklasse?
Noel ist so ein Typ, der seinen Kaffee garantiert mit Sojamilch trinkt.

Ist „The River“ Ihr erster politischer Song?
Übertreiben wir nicht. Ich schimpfe in dem Lied darüber, dass sich Politiker mit Prominenten zusammen ins Bett legen. Das ist nicht politisch, das ist Allgemeinwissen. Ich halte zu den Kids, die gegen den Klimawandel protestieren und respektiere Künstler, die politische Musik machen. Aber wenn du zu laut wirst, kannst du enden wie John Lennon. Ich möchte für meine Kunst nicht mit dem Leben bezahlen.

Sie haben die britische Kultur in die Welt hinausgetragen. Und jetzt will das Land sich einigeln. Sollte der Brexit nicht einfach abgesagt werden?
Wird schwierig, aber von mir aus gern. Persönlich bin ich dennoch immer ein EU-Mann gewesen. Ich bin froh, ein Teil von Europa zu sein. Sich selbst auszugrenzen ist keine gute Sache. Das ist so rückwärtsgewandt. Wir kriegen die alten Zeiten so oder so nicht zurück.

Liam Gallagher auf Tour

Der britische Musiker und ehemalige Leadsänger der britischen Rockband Oasis  tritt am 13. Februar um 20 Uhr in der Tonhalle in München auf.  Karten gibt es im Ticketshop unserer Zeitung.

Autor

Das Gespräch führte Steffen Rüth
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 12. 2019
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Steffen Rüth

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Veröffentlicht am:
30. 12. 2019
06:00 Uhr



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