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Interview

Roland Kaiser: „Man muss offen bleiben für Neues“

Der umtriebige Roland Kaiser, mit 65 in der späten Blüte seines Schaffens, ist präsent wie nie. Wir sprachen mit dem Schlagerstar über seine Karriere, Flirten und .



Roland Kaiser
  Foto: Toni Kretschmer

Herr Kaiser, es gibt bereits Karten für ihre Konzerte im März 2019 zu kaufen. Wer will sich denn heute schon festlegen, was er in fünfzehn Monaten macht?
Ehrlich, mich wundert das auch. Offensichtlich ist es wirklich so, dass viele Menschen ihre Kaufentscheidungen immer früher treffen. In den Achtzigern gab es noch eine Abendkasse, ungefähr jeder dritte entschied sich damals spontan. Auf der anderen Seite hat so eine langfristige Planung auch Vorteile. 30 Minuten nach Vorverkaufsstart für die nächste „Kaisermania“ in Dresden im kommenden August waren schon 50.000 Karten weg, und dass so viele Berliner heute schon wissen, dass sie im September 2018 zu Roland Kaiser in die Waldbühne gehen werden, freut mich ungemein. Zum ersten Mal in meinem Leben werde ich in der Waldbühne spielen, das ist etwas Besonderes für mich als gebürtigen Berliner.

Wie lange vorher besorgen Sie denn Konzerttickets?
Ich habe jetzt Karten besorgt für Rod Stewart in Oberhausen, Ende Januar. Das ist im Rahmen. Meine Frau wollte ihn gerne mal sehen, also gehen wir dahin.

Würden Sie die fernere Zukunft gerne kennen?
Nein, auf gar keinen Fall. Selbst, wenn mir jemand sagt, ich würde 110 Jahre alt. Bin ich dann 110, weiß ich ja, dass es bald soweit ist.

Auf ihrem neuen Album „stromaufwärts – kaiser singt kaiser“ haben Sie ihren bekanntesten Liedern ein neues musikalisches Kleid angezogen. “ Schach Matt“ zum Beispiel ist jetzt eine Ballade, „Manchmal möchte ich schon mit dir“ ein Bossa-Nova-Duett mit ihrem Freund und Co-Wahlmünsteraner Götz Alsmann. Welche Idee steckt hinter „stromaufwärts“?
Die Idee ist einfach: Wir wollten die großen Hits in die heutige Zeit holen. Nicht wenige Menschen in meinem Publikum sind so jung, dass sie nicht mal auf der Welt waren, als die Titel ursprünglich erschienen. Der Reiz ist, meinem Publikum neue Versionen präsentieren zu können.

Das Duett mit Götz Alsmann war mal an der Zeit, oder?
Kaiser: Wir kennen und schätzen uns schon seit vielen Jahren. Götz ist ein sehr kluger und musikalisch ausgesprochen gebildeter Mann. Wir haben zehn Jahre in Münster im selben Viertel gewohnt, und wenn Götz auf Sylt im „Meerkabarett“ spielt, und wir sind gerade dort, dann gehen wir hin.

Was gab es zu beachten beim Modernisieren der Hits?
Wir wollten ein Soundbild malen, das nach aktueller, internationaler Popmusik klingt. „Sag ihm, dass ich dich liebe“ ist reduziert auf zwei Gitarren und eine Stimme, sonst nichts. Das ist eine undeutsche, sondern eher amerikanisch-popmäßige Umsetzung.

An welchen internationalen Kollegen haben Sie sich orientiert?
Ein Mann wie Ed Sheeran ist maßgeblich in der Welt. Auch Pink, Adele oder Beyoncé haben wir uns genau angehört. Wenn ich feststelle, dass Popmusik gut gemacht ist, dann genieße ich die auch. Meine Tochter hat mir mal im Auto Justin Biebers letztes Album vorgespielt. Ich muss schon sagen, Donnerwetter, der hat sich entwickelt. Ich denke ohnehin, man muss immer offen bleiben für Neues.

Halten ihre Kinder Sie jung?
Ganz sicher. Generell bleiben Menschen länger auf der Höhe der Zeit, wenn sie sich mit der jungen Generation auseinandersetzen. Ich nehme die Jugend ernst, ohne mich bei ihr anzubiedern.

Können Sie Zeilen wie „Irgendwann ist mal wieder alles zu spät/ Wenn eine wie Du auf einmal vor einem steht“ aus dem Lied „Ich glaub es geht schon wieder los“ in Zeiten von “#metoo“ und großer Sexismusdebatte noch unbefangen singen?
Das kann ich durchaus. Sehen Sie, in dem Lied geht es um einen Mann, der eine Frau trifft, die in ihm Phantasien weckt. Das wird immer so bleiben, und zwar solange die Menschheit existiert und unabhängig davon, ob das Verhalten mancher Männer gerade in der Diskussion ist oder nicht. Wenn Sie ganz weit zurückblicken, in die Zwanziger und Dreißiger Jahre, dann finden Sie dort Lieder, die viel frecher sind als heute.

Viele Männer sagen, sie wüssten nicht mehr, wie man flirtet, ohne der Frau zu nahe zu treten. Können Sie weiterhelfen?
Kaiser: Ein Flirt ist etwas Wunderbares, sofern man höflich ist, ohne aufdringlich zu werden. Ich empfinde es nicht als zu schwierig, ein Gentleman und ein Charmeur zu sein, ohne sich danebenzubenehmen. Für alles andere haben wir unsere Gedanken, die Phantasie kann uns keiner nehmen.

Sind Sie ein Charmeur?
Für einen Gentleman halte ich mich schon. Aber ein Charmeur? Da müssen Sie meine Frau fragen.

„Entschuldigung für nichts“ und „Wir geh’n durch die Zeit“ sind neu. Wovon handelt „Wir geh’n durch die Zeit“?
Um eine Beziehung, für die es sich lohnt zu kämpfen. Ich halte es nicht für ratsam, zu schnell aufzugeben, wenn in einer Liebe Hindernisse auftauchen, das gilt auch für Freundschaften und für das Berufsleben. Es ist Teil einer jeden Lebensgeschichte, auch mal durch Täler gehen zu müssen.

Sind Sie ein Kämpfer?
Ich bin kein Aufgeber. Es gab auch sicher Situationen in meinem Leben, aus denen ich mich zurückgekämpft habe. Aber heute bin ich ein recht entspannter Mensch, ich habe mehr Laissez-faire in mir als früher.

Ihren größten Kampf, den gegen ihre schwere Lungenkrankheit, haben Sie ja auch gewonnen. Blickt man gelassener auf das Leben wenn man quasi ein zweites Mal geboren wurde?
Es wäre ja schlimm, wenn ich nach einer solch lebensbedrohlichen Situation noch derselbe wäre wie vorher. Ich habe sicher ein Stück Reife gewonnen. Früher war ich für meine Mitmenschen schwieriger und nicht so berechenbar. Heute bin ich jemand, der ohne übertriebenen Ehrgeiz und Verkrampfungen seinen Weg geht, und seither läuft es besser denn je.

Finden Sie es als FC-Bayern-Fan ermutigend, dass der neue Trainer des Clubs sieben Jahre älter ist als Sie?
In unserer Gesellschaft und speziell in der Berufswelt halte ich es für die ideale Symbiose, wenn sich die Erfahrung der Alten mit der Neugier der Jungen trifft. Es ist kurzsichtig, alle auszusortieren, nur weil sie 65 oder 67 sind. Wer älter ist, etwas beizutragen zu einem Projekt, der soll auch mitmachen dürfen. Und bei Jupp Heynckes ist das zweifelsohne der Fall. Seit er da ist, hat die Mannschaft wieder eine Spielidee.

Was hat Ihnen der 65.Geburtstag im Mai 2017 bedeutet?
Nichts. Das war ein Tag wie jeder andere.

Sie sind SPD-Mitglied und befreundet mit unter anderem Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel. Sollten Popmusiker sich politisch stärker einbringen, wie es zum Beispiel von einer Helene Fischer gefordert wird?
Es sollte jeder Frau und jedem Mann selbst überlassen sein, ob und wie sie oder er sich äußert. Ich persönlich zitiere Udo Jürgens. „Unterhaltung mit Haltung“, das ist meine Devise. Mir selbst war es vor zwei Jahren ein Anliegen, in Dresden eine Rede zu halten, in der ich zu Toleranz und Mitmenschlichkeit aufrief. Ich wollte der Stadt, in der ich seit vielen Jahren meine „Kaisermania“-Konzerte spiele, auch ein Dankeschön ausrichten und ihr den Rücken stärken. Dresden ist nicht nur „Pegida“. Und ich bin unvermindert stolz, in einem Land zu leben, in dem wir Menschen, die auf der Flucht sind, Asyl gewähren. Es muss gestattet sein, das auch auszusprechen.

Roland Kaiser auf Tour

Der Sänger tritt am 28. Juli um 20 Uhr in der Kaiser-Arena in Chemnitz auf und am 8. Dezember um 20 Uhr in der Arena in Nürnberg. Karten gibt es bei uns.

 

Autor

Das Gespräch führte Steffen Rüth
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 05. 2018
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Steffen Rüth

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28. 05. 2018
06:00 Uhr



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