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Interview

Sasha: "Ich war noch nie so aufgeregt"

Sasha hat unter dem Titel „Schlüsselkind“ erstmals ein deutschsprachiges Album auf den Markt gebracht. Mit den neuen Songs geht er auf Tour.



Sasha
  Foto: Universal Music

Sasha, vor drei Jahren hast Du gesagt „Wenn ich ein Album auf Deutsch machen würde, käme nur Quatsch dabei heraus“. Warum hast Du deine Meinung geändert?
Damals lief gerade die erste Staffel von „Sing meinen Song“, an der ich teilnahm und zum ersten Mal in größerer Öffentlichkeit zeigte, wie es sich anhört, wenn ich auf Deutsch singe. Plötzlich gingen mir viele Menschen unfassbar auf die Nerven mit diesem „Du solltest doch mal“ und „Willst Du nicht vielleicht?“. Ich war aber noch längst nicht so weit, dass ich das angehen wollte mit dem deutschen Album. Also habe ich das abgeblockt.

Warum hast Du dich so lange gegen deutsche Texte gesträubt?
Die ersten Songs auf Deutsch hatte ich schon Mitte der Neunziger gemacht, mit meiner damaligen Grungeband Junkfood. Wir wollten so klingen wie Selig, aber merkten, dass uns die Sprache einengt und haben es wieder gelassen. Dann habe ich es nochmal so 2002 probiert, nach Dick Brave. Ziel war eine Mischung aus Electropop und Tocotronic, rauskam aber nur Blödsinn, irgendwas zwischen Die Ärzte und Die Doofen. Und ich bin halt bockig. Wenn alle sagen „Jetzt versuch es doch nochmal auf Deutsch“, dann sage ich „Lasst mich alle in Ruhe“.

Und dann?
Fing ich vor etwa zwei Jahren an, mich konkret mit dem Gedanken zu befassen. Die ersten Songs habe ich gemeinsam mit meinen langjährigen Kreativpartnern Ali Zukowski und Robin Grubert ausgerechnet in Los Angeles geschrieben. In der Stadt fühle ich mich leicht und ohne Druck. Hätte ich versucht, in Hamburg oder Berlin zu schreiben, wäre ich vielleicht zu verkopft gewesen. In LA spielten wir frei auf, und ich spürte, dass ich auf der richtigen Fährte war und es sich nicht bescheuert anhört, wenn Sasha in deutscher Sprache singt. Zurück zu Hause war auch meine Bockigkeit endgültig weg.

Weißt Du noch, in welchem Moment?
Ja. Ich saß mit meiner Frau Julia auf der Terrasse, wir tranken ein Gläschen Wein, reden über dieses und jenes, und plötzlich sagte ich zu ihr: „Du, ich bin soweit, ich mache das jetzt“. Dann haben wir angestoßen und die Sache stand. Das ist das Schöne, wenn man das Management zuhause hat. Die Entscheidungswege sind kurz (lacht).

Also versucht ihr erst gar nicht, Berufliches und Privates zu trennen?
Wir versuchen es schon, nur gelingt es uns oft nicht. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem sind ja auch sehr schwammig. Man kann nicht sagen „Tagsüber arbeiten wir und abends und am Wochenende sind wir nur Julia und Sascha, das Ehepaar“.

Hat deine Frau einen guten Musikgeschmack?
Ja, vor allem einen sehr breitgefächerten. Ich befrage sie zu jedem Song, ihre Meinung ist mir extrem wichtig. Julia hat einen großen Anteil daran, dass das Album so geworden ist, wie es ist.

Auch inhaltlich?
Klar, das bleibt ja nicht aus. Das wäre ja auch eine Unverschämtheit, wenn ich mein erstes deutsches Album mache, und nicht mindestens einen Song meiner Frau gewidmet hätte (lacht). Bei „Du fängst mich ein“ ist ja ganz eindeutig, wer da Pate stand.

Du singst in der Ballade, die auch die erste Single ist, den Satz „Du bist das Wichtigste für mich“.
Das ist auch so. Ohne Julia hätte ich dieses Album nie gemacht. Sie holt mich in den richtigen Momenten runter, und auf der anderen Seite hat sie eine Energie, die einen unfassbar vorantreibt. Wenn ich einen schlechten Tag habe, schafft sie es, dass es mir am Abend wieder besser geht. Ja, Julia sorgt dafür, dass ich glücklich bin.

Fühlt es sich anders an, „Du bist das Wichtigste für mich“ zu singen anstelle von „You’re the best thing about me“?
Ja. Wenn man ein Lied in seiner eigenen Sprache schreibt, dann macht man sich gründlicher Gedanken über jedes einzelne Wort. „Das Wichtigste“ ist ein Wort, das man nicht einfach mal so weg singt. Speziell diese Ballade so hinzubekommen, wie ich es wollte, hat richtig lange gedauert. Mir war wichtig, dass die Produktion nicht zu modern klingt, aber erst recht nicht zu altmodisch. Coldplay oder Bruno Mars haben jeweils ein feines Händchen dafür, ihre Musik „oldschool“ und zeitgemäß zu produzieren,

Was ist für dich als Sänger anders?
Die eigene Sprache räumt Barrieren zum Zuhörer frei. Die Geschichten wirken direkter und die Worte krasser, wenn sie auf Deutsch sind. Ich wollte allerdings meinen Gesangsstil nicht total verlassen und mich nicht verstellen. „Schüsselkind“ sollte ein Sasha-Album auf Deutsch werden, und nicht ein deutschsprachiges Album, das von Sasha gesungen wird.

Wie hast Du gemerkt, dass die neue Sprache funktioniert?
Man selbst sitzt tatsächlich in seiner eigenen Blase, deshalb gehe ich mit meinen Songs gerne raus und spiele sie meinen Freunden vor. Ich habe noch nie so viele spontane Tränen gesehen wie dieses Mal. „Schlüsselkind“ zum Beispiel, der Titelsong, hat viele Emotionen ausgelöst – entweder, weil die Leute selber Schlüsselkinder waren oder weil sie denken „Das ist mein Junge“.

Du warst selbst Schlüsselkind und bist mit deinem fünf Jahre jüngeren Bruder bei deiner alleinerziehenden Mutter im westfälischen Soest aufgewachsen.
Genau. Für mich war das kein Problem. Wir haben als Familie zusammengehalten, und ich wusste, ich komme halt alleine nach Hause, und ich passe auch auf meinen Bruder auf. Für mich stand nie infrage, dass ich das nicht hinkriege.

Besonders traurig ist die Ballade „Leben danach“ geworden. Woher kam die Idee?
„Leben danach“ habe ich für eine Freundin geschrieben, die sich nach langer Beziehung getrennt hatte und wirklich sehr am Boden zerstört war. Wir haben viel Zeit mit ihr verbracht, zugehört, ihr zur Seite gestanden, aber am Ende ist da einfach das Gefühl „Es tut scheiße weh“, und deshalb musste ich das Wort „scheiße“ auch singen.

Bleibt das zukünftig jetzt so mit dir und der deutschen Sprache?
Das wird sich zeigen. Ich habe eine Weiche gestellt und eine Abbiegung genommen. Ich habe mir keine Maske aufgesetzt nach der Devise „Das ist der deutsche Sasha“. Die Entscheidung und Umsetzung sind über gut zwei Jahre gereift.

Ist Sasha auf Deutsch erwachsener?
Sasha ist generell erwachsener. Mit Mitte 40 denkst du anders und überhaupt viel mehr über das Leben nach als mit Mitte 30. Viele fangen in meinem Alter an, von Gelassenheit zu sprechen. Ich auch. „Ich bin angekommen“ ist ein Satz, mit dem ich mich gerne anfreunde.

Was bedeutet „angekommen sein“ für dich?
Dass ich mir, zusammen mit meiner Frau, versuche, das Leben schön zu machen. Dass man auch in der Schnelllebigkeit ab und zu die Bremse zieht, durchatmet und sich sagt „Heute Nachmittag ruhe ich mich aus“. So entstand der Song „Nichtgeschwindigkeit“, der davon handelt, das Tempo rauszunehmen. Das Wort selbst kam von meiner Frau, und sie hat es komplett anders gemeint.

Wie denn?
Wir waren im Auto unterwegs, ich habe ja immer noch keinen Führerschein, also fuhr sie. Vor uns gurkten die Sonntagsfahrer, und Julia, die gern sportlich unterwegs ist, schimpfte über deren „Nichtgeschwindigkeit“.

Ist auch „Polaroid“, ein Lied über Momentaufnahmen, ein Julia & Sasha-Song?
Ja. Ich mag es überhaupt nicht, fotografiert zu werden, ich glaube, wir hatten in der Familie nicht mal einen Fotoapparat. Und es gibt Momente, die soll man sowieso nicht fotografieren, sondern im Herzen behalten. Einer unserer frühesten „Polaroid“-Momente war ein Spontantrip an den Gardasee. Wir waren in Mündchen und sind einfach losgefahren. Abends saßen wir in einem schnuckeligen kleinen Hotel direkt am See, hörten Frank Sinatra und Dean Martin und tanzten. Das war sackromantisch (lacht).

Apropos: Du bist seit drei Jahren Ehemann, hast standesamtlich und später groß auf Mallorca geheiratet. Was ist dein Zwischenfazit?
Es ist herrlich, das Beste, was mir passieren konnte. Man muss natürlich den richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt finden, das hat bei uns einfach gepasst. Bei Julia habe ich relativ schnell gemerkt, dass es für immer sein kann. Wenn man das spürt, dann sollte man ruhig heiraten, finde ich. Unsere Feier war superschön, und das Versprechen, das wir uns gegeben haben, war superromantisch.

Wohnt ihr immer noch in eurer Wohnung im Hamburger Schanzenviertel?
Noch ja. Aber wir werden jetzt rausziehen in ein Häuschen mit Garten am Standrand von Hamburg. Wir haben beide so lange in der Stadt gewohnt, dass wir uns sehr auf mehr Ruhe und mehr Grün freuen.

„Aus dem Jungen ist ja doch noch was geworden“, singst Du in „Der Junge“. Kann man sagen, oder?
Dieses echt fröhliche Lied zu schreiben, hat großen Spaß gemacht. Es sah ja lange nicht so aus, mit 25, immer noch ohne Plattenvertrag und wirkliche Perspektive, hatte ich eine kurze Phase, in der ich dachte „Werde ich wohl doch jetzt Lehrer“. Ich war ja schon eingeschrieben, aber nie auf der Uni gewesen. Viele Leute haben gedacht und auch gesagt „Das wird nichts mehr“, aber ich wollte den Traum noch nicht aufgeben. Ich habe mich von einem Projekt ins nächste gehangelt, und irgendwann passte dann alles.

Udo Jürgens hat gesagt „Der Junge gehört zum ESC“. Warum sträubst Du dich?
Ich glaube, das ist nicht so meine Welt. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja auch da irgendwann der richtige Zeitpunkt.

Spürst Du eigentlich den Erfolgsdruck, der jetzt auf dir und dem neuen Album lastet?
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, der Druck sei nicht da. Aber da ist keine große Schwere. Ich will, dass das Album gehört wird und bin auch stolz darauf, dass es genau so geworden ist, wie ich es haben wollte. Ich war ehrlichgesagt noch nie so aufgeregt und vorfreudig wie jetzt bei „Schüsselkind“.

Sasha auf Tour

Der deutsche Popsänger tritt am 27. September um 20 Uhr im Haus Auensee in Leipzig auf. Karten dafür gibt es im Ticketshop unserer Zeitung.

Autor

Das Gespräch führte Steffen Rüth
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
03. 09. 2018
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Steffen Rüth

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03. 09. 2018
06:00 Uhr



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