Lade Login-Box.
Topthemen: Kommunalwahl 2020Bilder vom WochenendeHof-GalerieBlitzerwarner

 

Was das Bauen teuer macht

Bauen ist teuer. Das wissen Bauherren - und am Ende bekommen das auch Mieter zu spüren. Doch woran liegt's?



Wohnungsbau
Die Immobilienbranche macht hohe Grundstückspreise und die Energiesparverordnung als Preistreiber beim Wohnungsbau aus.   Foto: Rolf Vennenbernd

Ob Miete oder Wohnungsbau: Die Kosten ziehen an in Deutschland. In Städten liegen die Immobilienpreise teils 15 bis 30 Prozent über dem Niveau, das sich etwa durch das Wirtschaftswachstum erklären lässt, hat die Bundesbank vorgerechnet. Die Gründe sind vielfältig - eine Auswahl:

- Stellplätze: Wer eine Wohnung hat, hat auch ein Auto - davon gehen zumindest viele Gemeinden aus. Sie verlangen, dass bei Neubauten auch Parkplätze entstehen. Ein bis zwei Stellplätze pro Wohnung seien in manchen Orten Vorschrift, sagt Tübingens Grünen-Oberbürgermeister Boris Palmer. «In den Städten geht das oft nur unterirdisch, dann kostet ein Stellplatz 30 000 Euro», sagt er. «In den Städten haben aber viele Menschen gar kein Auto mehr. Wir haben das für Tübingen deswegen auf bis zu 0,4 Stellplätze pro Wohnung reduziert, das spart sehr viel Geld beim Bauen.»

Die Immobilienbranche sieht das ähnlich. Eine Stellplatzvorgabe sei eine «unsinnige Investorenbremse», schimpft Andreas Mattner, Präsident beim Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA). «Solche verpflichtenden Regulierungen sind starr, unflexibel und gehen häufig am eigentlichen Bedarf des Marktes vorbei.»

- Energieeffizienz: Seit 2016 gelten in Deutschland mit der Energiesparverordnung (EnEV) schärfere Vorschriften für den Energieverbrauch von Gebäuden, unter anderem zur Heizungs- und Klimatechnik und zur Wärmedämmung. Die Vorschriften stellten bereits die Grenze des heute technisch Möglichen dar, warnt ZIA-Präsident Mattner. «Allein diese hat zu einer Verteuerung von durchschnittlich acht Prozent im Wohnungssektor geführt», sagt er zur Verordnung. Andreas Ibel, Präsident beim Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), meint: «Die verschärften energetischen Vorgaben machen Bauen immer teurer, während die Energieeinsparung im Promillebereich liegt.»

Grünen-Politiker Christian Kühn hält die neuen Standards hingegen für «unkompliziert und mit marktüblichen Technologien problemlos erreichbar». Eine Studie im Auftrag des Umweltamts Hamburg, die Neubauten zwischen 2011 und 2014 analysiert, kommt zu dem Ergebnis, dass der Grad der Energieeffizienz keine Auswirkungen auf die Gesamtkosten hat.

- Grundstückspreise: Die Preise für Bauland haben ordentlich angezogen. Seit dem Jahr 2000 ist der Durchschnittspreis pro Quadratmeter Bauland um 46 Prozent gestiegen, schreibt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in einer im September veröffentlichten Studie. «Hohe Grundstückspreise lassen einen frei finanzierten Wohnungsneubau zu bezahlbaren Mieten vielfach nicht mehr zu.»

- Angebot und Nachfrage: Kostentreiber hin oder her, am Ende hängen die Preise auch auf dem Wohnungsmarkt nicht zuletzt von Angebot und Nachfrage ab. «Die Höhe der Erstvermietungsmieten bei neu gebauten Mietwohnungen ist in erster Linie von den jeweiligen örtlichen Marktbedingungen abhängig», schrieb das Bundesinnenministerium jüngst in einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Kühn. Hinzu kommt: Die Bauindustrie kommt angesichts der starken Nachfrage kaum hinterher. «Stagnierende Produktivität und begrenzte Kapazität im Baugewerbe» dürften die Preise weiter steigen lassen, sagt die Unternehmensberatung McKinsey in einer aktuellen Analyse voraus.

Veröffentlicht am:
08. 05. 2018
10:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Mattner Bauherren Boris Palmer Bundesministerium des Innern Deutsche Bundesbank Energieeffizienz und Energieeinsparung Energiesparverordnungen Grundstückspreise McKinsey Statistisches Bundesamt Städte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Immobilienmarkt

24.10.2019

Atempause für Mieter - Neuvertragspreise stagnieren

Seit rund zehn Jahren läuft der Immobilienboom in Deutschland schon. Doch nun könnten die Zeiten rasant wachsender Mieten vorbei sein, heißt es in einer neuen Studie. Anders sieht es beim Kauf von Wohnungen aus. » mehr

Mietwohnung

20.09.2018

Wo es hakt am Wohnungsmarkt

Auf nach Wunsiedel? Der bayerische Landkreis gehört zu den Regionen in Deutschland mit den niedrigsten Mieten. Doch die Flucht aufs Land ist nicht für jeden eine Option. Die Politik sucht Antworten auf das Problem hoher ... » mehr

Adventsdeko

18.11.2019

Sollte man alte Lichterketten gegen LEDs tauschen?

Wer in Maßen sein Haus mit Lichterketten dekoriert, gibt nicht so viel Geld für Strom aus. Trotzdem lohnt es sich zu hinterfragen, welche Lichtquelle man auswählt. Auch für Kerzen gibt es Argumente. » mehr

Das zweite Bad

30.12.2019

Das eigene Bad für die Kinder

Vielen erscheint das zweite Bad im Eigenheim als Luxus. Doch der Nutzen im Alltag kann enorm sein. Immer mehr Bauherren setzen deshalb darauf - und zwar als Kinder-Bad. » mehr

Erdhaus

30.12.2019

Grüne Häuser gegen jede Konvention

Bauen mit Stroh, Lehm oder Erde gilt vielen immer noch als exotisch. Dabei sind natürliche Baustoffe mehr als nur klimafreundlich. Der Weg zum Öko-Häuschen kann allerdings steinig sein. » mehr

Hausbau

16.12.2019

Wer braucht eine Baugrunduntersuchung?

Einem schönen Bauplatz in guter Nachbarschaft sieht man nicht an, welche Probleme er beim Hausbau bereiten kann. Bauherren sollten prüfen lassen, wie das Erdreich unter der Idylle beschaffen ist. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 05. 2018
10:18 Uhr



^