Lade Login-Box.
Topthemen: Fotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

 

Plastik lieber recyceln als Bio-Alternativen verwenden

Plastik ist schlecht für die Umwelt, und man sollte darauf verzichten. Doch wie sieht es mit Bio-Plastik aus, das im Handel immer öfter angeboten wird? Das muss doch besser sein, lässt das «Bio» vermuten. Umweltverbände beurteilen das aber ganz anders.



Einkaufskorb
Plastiktüten sollte man bestmöglich vermeiden - und etwa beim Einkauf auf einen Korb setzen.   Foto: Christin Klose » zu den Bildern

Immer mehr Menschen wollen immer weniger Plastik nutzen. Denn dass dieser Müll die Weltmeere verschmutzt und in Form von Mikroplastik immer häufiger auch auf unseren eigenen Speisetellern landet, ist mittlerweile bekannt. Aber wo kann man im Alltag auf Kunststoffe leicht verzichten?

Ist Kunststoff per se schlecht?

Davon, Kunststoffe ganz generell zu verteufeln, rät Nora Sophie Griefahn vom Verein Cradle to Cradle ab. «Man kann nicht sagen, einer ist gut und der andere ist schlecht, sondern es kommt darauf an, wie sie genutzt werden», erläutert die Expertin für nachhaltige Ressourcennutzung. «Ein Kunststoff kann gut sein, wenn er für das Nutzungsszenario passt, biologisch abbaubar ist oder leicht im technischen Kreislauf bleibt, also weiterverwertet werden kann.»

Ist Bio-Kunststoff eine bessere Alternative?

Mittlerweile taucht in den Supermarktregalen häufiger der Begriff Bio-Kunststoff auf. Hier allerdings ist Vorsicht geboten, denn der Begriff ist nicht fest definiert. «Es gibt bio-basierte Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden», erklärt Griefahn. «Die müssen aber nicht gleichzeitig biologisch abbaubar sein. Genauso gibt es biologisch abbaubare Kunststoffe, die aber aus Erdöl hergestellt werden.» Nur wenige Kunststoffe seien sowohl aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt als auch biologisch abbaubar.

Tobias Quast vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sagt sogar: «Bio-Kunststoffe halten wir momentan noch eher für Greenwashing.» Also bewusste Verbrauchertäuschung. Denn auch wenn ein Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sei, habe das noch lange nichts mit biologischem Anbau zu tun. «Das ist meistens eher Genmais.» Auch die biologische Abbaubarkeit, geregelt in der DIN-Norm EN 13432, sei ein leeres Versprechen, sagt Quast. «Die Norm sagt nur, dass eine solche Verpackung sich in Großkompostanlagen innerhalb von zwölf Wochen zu 90 Prozent abbauen muss. In Deutschland liegt der Kompost aber nur fünf bis acht Wochen in solchen Anlagen.»

Danach würden die Plastikreste also zum Beispiel im Kompostdünger auf die Felder gebracht - wenn sie denn überhaupt so weit kämen. «In den Anlagen wird Plastik ohnehin schon vorher aussortiert, und dabei wird nicht unterschieden, ob es bio ist oder nicht», sagt Quast.

«Selbst wenn der ganze Prozess in der Anlage so abliefe wie beabsichtigt, würde sich der Kunststoff letztlich auflösen in CO2 und Wasser, das dann beides in die Natur übergeht», erklärt Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe . Bei der Verbrennung wird der Kunststoff genauso aufgespaltet. «Aber bei der Verbrennung könnte man wenigstens noch die entstandene Wärme nutzen.»

Wie sieht es mit recyceltem Kunststoff aus?

Recycelter Kunststoff sei wirklich gut für die Umwelt, sagt Sommer. Hier können Verbraucher sich auch durch Siegel leiten lassen: Mit dem Blauen Engel werden Verpackungen ausgezeichnet, die einen Recycling-Anteil von mindestens 80 Prozent haben.

Sollte ich Plastikprodukte aus dem Haushalt entfernen?

Aus dem Haushalt kaum wegzudenken ist Kunststoff bei Getränkeflaschen und Frischhalte- sowie Vorratsdosen. Sollte man diese so schnell wie möglich entsorgen und durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzen? «Aus Umweltsicht auf keinen Fall!», sagt BUND-Experte Quast. «Alles, was mit Energie- und Ressourcenaufwand hergestellt wurde, soll ja möglichst lange genutzt werden.» Eine Einschränkung macht Quast allerdings: «Einweg-Plastik würde ich grundsätzlich gar nicht nutzen, aber wenn doch, dann wirklich nur einmal», sagt Quast. «Bei diesen Materialien ist die Gefahr höher, dass sich Stoffe unter Lichteinstrahlung oder in Verbindung mit Säure, wie sie zum Beispiel in Obstsaft enthalten ist, herauslösen und im Getränk landen.»

Was ist besser - Glas- oder Plastikflaschen?

«Die Menschen unterscheiden oft nach Plastik oder Glas, aber der entscheidende Unterschied ist Einweg oder Mehrweg», erklärt Quast. Deshalb rät er von Getränkekartons ab: Diese sind oft aus mehreren Schichten aufgebaut, die nur schwer wieder voneinander zu trennen und entsprechend schwer zu recyceln seien. Der in Mehrwegflaschen verarbeitete, recyclingfähige PET-Kunststoff dagegen sei gut erprobt und auf längerfristige Nutzung angelegt. «Beim rein ökologischen Effekt ist PET gegenüber Glas sogar leicht im Vorteil, weil der Energieaufwand in der Herstellung und beim Transport geringer ist.» Allerdings sei Glas im Gegenzug langlebiger als PET. So lässt sich das Thema Getränke auf wenige Faustregeln zusammenfassen: lieber Flasche als Getränkekarton, lieber Mehrweg als Einweg, lieber Glas als Kunststoff - und Wasser lieber aus dem Hahn als aus der Flasche.

Veröffentlicht am:
14. 01. 2019
11:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Biologie Deutsche Umwelthilfe Glas Kunststoffe und Kunststoffprodukte Naturstoffe und Naturmaterialien als Wirtschaftsgüter Recycling Umweltverbände
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Beim Geschirrkauf

01.07.2019

Geschirr aus Keramik oder Porzellan kaufen?

Teller ist nicht gleich Teller. Manche Materialien isolieren besser, andere halten länger. Und eine Studie zeigt: Es kann den Geschmack des Essens beeinflussen, ob die Oberfläche rau oder glatt ist. » mehr

Recyclinghof

06.06.2018

Wenn Blinkschuhe zu Elektroschrott werden

Elektrisch beheizte Handschuhe, blinkende Sportschuhe oder der Badezimmerschrank mit fest eingebauter Beleuchtung: Von Mitte August an werden viele Gebrauchsgegenstände zum Elektroschrott und müssen getrennt entsorgt wer... » mehr

In der Regelmäßigkeit liegt die Magie

17.06.2019

Wisch und weg - Fenster putzen ohne Streifen

Das Problem am schönen, warmen Sonnenschein? Man sieht, wie dreckig die Fenster sind. So putzt man die Scheiben eigentlich am einfachsten. » mehr

Ulrich Opitz

20.05.2019

Bei verstopften Abflüssen nicht zum Rohrreiniger greifen

Wer lange Haare hat, kennt das Problem auf jeden Fall: Die Abflüsse im Bad verstopfen schnell. Seifenreste tragen auch dazu bei. Was tun? Das beste Rezept ist denkbar einfach. » mehr

Tulip Table von Eero Saarinen

06.05.2019

Berühmte Möbel und ihre Geschichte

Billy von Ikea ist 40 Jahre alt. Viele Millionen Haushalte haben das Regal zu Hause, vielleicht auch Sie. Doch wissen Sie, warum Billy diesen Namen trägt? Hier ist die Geschichte - und die einiger anderer berühmter Möbel... » mehr

Kassenbons gehören nicht in den Papiermüll

17.12.2018

So trennen Sie den Müll richtig

Wie entsorgen Sie Geschenkpapier? Im Altpapier? Das ist leider falsch, wenn es beschichtet ist - und ein gutes Beispiel dafür, dass das Recyclingsystem in Deutschland zwar eigentlich kinderleicht und zugleich ganz schön ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 01. 2019
11:47 Uhr



^