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Leben auf dem Hausboot bleibt vielerorts ein Traum

Liegeplätze für Hausboote und schwimmende Häuser sind im Norden stark nachgefragt. Doch obwohl viele Menschen von einem Leben auf dem Wasser träumen, fehlt es in den Häfen an der passenden Infrastruktur. Wo liegen die Probleme?



Hausboot an der Hunte
Das Hausboot «Silberfisch» liegt an seinem dauerhaften Liegeplatz an der Hunte. Liegeplätze für Hausboote sind stark nachgefragt.   Foto: Hauke-Christian Dittrich » zu den Bildern

Träge schwappt das Wasser gegen den Steg, eine Entenfamilie schwimmt vorbei. Auf der Hunte, idyllisch zwischen Naturschutzgebiet und einer Oldenburger Wohnsiedlung, hat sich der Tischler und Möbeldesigner Sascha Akkermann einen Traum erfüllt:

Sieben Jahre lang lebte er auf dem Wasser, in einem selbst entworfenen Hausboot. Jeden Abend stieg er direkt von seinem Zuhause ins Kajak und paddelte den Fluss hinunter. «Man hat so eine besondere Nähe zu Natur, erlebt die Jahreszeiten ganz anders», sagt Akkermann.

Der «Silberfisch», wie sein futuristisch geformtes Boot heißt, ist eins von zwei Hausbooten mit einem dauerhaften Liegeplatz an der Hunte. Aus Naturschutzgründen wird sich die Zahl auch nicht erhöhen, sagt Hans Dieter Buschan vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Der Bau von Stegen, Abwasserleitungen und Versorgungseinrichtungen würde die Natur zu sehr beeinträchtigen, meint er.

Naturschutz und Platzmangel

Doch nicht nur der Naturschutz steht einer Aufstockung der Liegeplätze für Hausboote im Weg. «Oldenburg hat im Vergleich mit anderen Städten nur wenig befahrbare Wasserfläche», sagt der Pressesprecher der Stadt, Stephan Onnen. Die Wasserfläche wird bereits anderweitig genutzt und der kleine Stadthafen ist für Sport- und Freizeitboote vorgesehen.

In anderen niedersächsischen Städten sei die Situation nicht viel besser, obwohl viele Leute am Leben auf dem Wasser interessiert seien, sagt Timo Bahn vom Hausbootunternehmen Floating Homes in Verden. «Die Nachfrage übersteigt bei weitem das Angebot der Liegeplätze», sagt Bahn. Es gebe in Niedersachsen zwar vereinzelt schwimmende Häuser, wie ortsfeste und auf einem Ponton gebaute Hausboote offiziell heißen - aber neue Liegeplätze zu erschließen, das gestalte sich als schwierig.

Schwimmende Häuser benötigen Baugenehmigung

Das hat mehrere Gründe: Anders als motorisierte Hausboote, die mit einer Sportbootzulassung in vielen Häfen übergangsweise liegen können, benötigen schwimmende Häuser eine Baugenehmigung, berichtet der Experte. Diese zu erhalten, kostet Zeit. Außerdem fehlt in vielen Häfen die nötige Infrastruktur, um die Versorgung mit Strom und Frischwasser sicherzustellen - oder die Boxen im Hafen sind schlicht zu klein für die schwimmenden Häuser, die sich mit ihrer Ausstattung und Wohnflächen von mehr als 100 Quadratmetern oft nur noch wenig von Häusern an Land unterscheiden.

Besonders viel Wasserfläche und damit potenziell Platz für schwimmende Häuser bietet Hamburg . Nicht nur Prominente wie den 2017 gestorbenen Schlagersänger Gunter Gabriel, der viele Jahre in Hamburg auf einem Hausboot lebte, zieht es zum Wohnen aufs Wasser, auch ganz normale Bürger sind interessiert. In den vergangenen Jahren wurden in Hamburg rund 30 neue schwimmende Häuser genehmigt, am Victoriakai-Ufer entstand eine ganze Siedlung auf dem Wasser, sagt der Hausbootkoordinator von Hamburg-Mitte, Wolfgang Vocilka.

Mehr Nachfrage als Angebot

Nach wie vor gibt es in Hamburg jede Woche rund 20 Anfragen für neue Projekte, sagt Vocilka. Doch bereits jetzt stößt die Hansestadt an ihre Grenzen: Neue Projekte lassen sich mangels passender Flächen nicht mehr realisieren. «Ich gehe davon aus, dass derartige Liegeflächen nicht mehr freiwerden. Wer sie hat, gibt sie nicht mehr her», sagt der Hamburger Hausbootkoordinator.

«Großstädte sind kritisch, was Liegeplätze angeht», meint auch die Marketingleiterin des Hausbootunternehmens Floating House in Berlin, Marie Gest. So gebe es auch in der Hauptstadt trotz hoher Nachfrage zurzeit keine freien Liegeflächen. Mehr Glück hätten Interessierte meist in kleinen Städten und ländlicheren Regionen, wie an der Ostsee oder in der Gegend um Dresden und Leipzig. «Viele Kunden nutzen ihr Hausboot dort als Wochenendhaus und vermieten es in der übrigen Zeit. Das ist dann ein eher touristisches Konzept», sagt Gest.

Hausboot mit Sportbootzulassung

Dieses Konzept nutzen seit einigen Jahren auch die Hausbootvermieter Sven Eisenhauer und Hans-Joachim Frost in Bremerhaven. «Wir fanden die Idee eines eigenen Hausboots total toll», sagt Eisenhauer. Da sie um die Problematik der Liegeplätze für schwimmende Häuser wussten, hielten sie extra nach einem kleinen Exemplar Ausschau. Ihr «Husboat» kommt aufgrund seiner Größe mit einer Sportbootzulassung aus und liegt in Bremerhaven im Fischereihafen. Auch dort sind freie Plätze rar.

Regelmäßig kommen Feriengäste, um auf dem Boot Urlaub zu machen. «Das muss man sich wie in einer kleinen Ferienwohnung an Land vorstellen», sagt der Hausbootvermieter. Alles sei ein wenig kleiner und eingeschränkter. Die Toilette funktioniere wie auf Booten üblich mit wenig Wasser und Unterdruck - und um den Müll rauszubringen, da müsse man auch mal 200 Meter weiter laufen. Doch die Atmosphäre begeistert viele: «Man wohnt ja direkt auf dem Wasser, bekommt das Schaukeln mit. Das ist einfach etwas besonderes», sagte Eisenhauer.

Veröffentlicht am:
03. 05. 2019
10:22 Uhr

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Autor

dpa

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03. 05. 2019
10:22 Uhr



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