Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

 

Reicht sauber oder muss es rein sein?

Über kaum etwas kann man sich so herrlich streiten wie über die Sauberkeit im Haushalt. Was aber sagen eigentlich Experten dazu: Wie sauber sollte sauber sein?



Hausputz
Hygiene-Hysterie? Falsch verstandene Sauberkeit kann ungesund sein. Wichtig ist zu erkennen, wo und wann welcher Schmutz gefährlich sein kann.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Stimmen die Vorurteile eigentlich: Staub und Schmutz in der Wohnung seien ein Zeichen mangelnder Hygiene. Wer zu wenig oder zu schlecht putzt, gefährdet auch die Gesundheit seiner Familie. Hanne Tügel sagt Nein: «Wir sind völlig hysterisch, was die Hygiene anbelangt.»

Die Autorin des Buches «Sind wir noch ganz sauber?» hält das Putzverhalten vieler Mitmenschen für übertrieben und stellt die Behauptung auf, dass falsch verstandene Sauberkeit ungesund sein kann. «Panik vor Staub und Keimen ist genauso falsch wie Gleichgültigkeit», so Tügel. «Wichtig ist zu erkennen, wo und wann welcher Schmutz gefährlich sein kann.»

Während Staub auf den Möbeln zwar unschön, aber harmlos ist, ist bei Schneidbrettern in der Küche Vorsicht geboten. «Sie müssen nach dem Kontakt mit rohem Fleisch, Fisch und Salat gut abgewaschen werden», sagt Tügel. «Denn in diesen Lebensmitteln können unwillkommene Keime wie Salmonellen stecken. Erhitzen macht sie unschädlich, aber bei der Verarbeitung gelangen sie auf die Arbeitsgeräte.»

Zu viel Chemie kann schaden

Genauso abwägen sollte man beim Einsatz der Putzmittel. Statt dem Schmutz mit scharfen Reinigungsmitteln zu Leibe zu rücken, rät Tügel zur Abrüstung. Denn in vielen Produkten stecken Substanzen, die schwer abbaubar sind und teils Allergien auslösen können. Auch Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel erklärt: «Einen Haushalt bekommt man nie keimfrei - und das ist auch gar nicht nötig. Man kann viel Chemie einsparen, wenn man das richtige Putzmittel für seinen bestimmten Zweck einsetzt.»

Desinfektionsmittel sind meist unnötig

Ein Problem stellen gerade Desinfektionsmittel dar. Von deren Nutzung im üblichen Privathaushalt rät das Umweltbundesamt grundsätzlich ab. «Es besteht die Gefahr, dass Desinfektionsmittel falsch angewendet werden, wodurch sich Resistenzen bilden und auch Gefahren für die Gesundheit oder die Umwelt ergeben können», sagt Experte Christoph Stang. Zumal bei vielen antimikrobiellen Zusätzen in Reinigungsmitteln die Wirksamkeit nicht erwiesen sei. Daher sollten Desinfektionsmittel nur nach ärztlicher Anweisung angewandt werden.

Ein weiterer Grund für den Verzicht: «Das sind aggressive Chemikalien, die im Abfluss weiter wirken und in den Kläranlagen auch die Bakterien dezimieren, die das Wasser reinigen sollen», so Tügel.

Der Allzweckreiniger reicht

«Für die Hygiene in Küche, Bad, WC und auf anderen Flächen im Haushalt genügen einfache Reinigungsmittel», erklärt Stang. Ein hautfreundliches Spülmittel, ein milder Allzweckreiniger sowie ein saurer Reiniger zum Beispiel auf Basis von Zitronensäure gegen den Kalk und Scheuermilch bei stärkerer Verschmutzung - dieses Sortiment reicht völlig aus. Durch die waschaktiven Substanzen in den Mitteln werden Bakterien in ausreichendem Umfang beseitigt.

Herstellerangaben beachten

Und dann kommt es auf den Putzenden selbst an: Er muss die Reinigungsmittel nach Herstellerangaben anwenden. Die Dosierung ist vom Grad der Verschmutzung und auch von der Härte des Wassers abhängig. «Man sollte die Putzmittel möglichst lange einwirken lassen, denn sie entfalten ihre volle Kraft oft besser nach längerer Zeit», rät Glassl. Entscheidend ist auch, dass das Mittel für die Oberfläche geeignet ist. Essigessenz etwa kann Armaturen schädigen.

Es bleiben aber die heiklen Ecken

Und doch: So gut man es auf diese Weise auch angeht, es bleiben die heiklen Stellen. Zwar könne man sich manches Putzmittel «fast ganz sparen», sagt Glassl. Wird zum Beispiel nach dem Duschen die Kabine sofort mit einer Gummilippe und die Ecken mit einem Lappen getrocknet, entstehen erst gar keine Kalkflecken, die später beseitigt werden müssen. «Aber wer ist schon so diszipliniert?»

Ein bisschen gelassener werden

Gibt es hierfür nicht Tricks? Tügel rät zu Gelassenheit. «Hygiene bedeutet nicht keimfreie Ultrareinheit. Unser Immunsystem ist durchaus in der Lage, mit Schmutz und Bakterien fertig zu werden», sagt sie. «Überall, wo wir uns bewegen und wo wir hin fassen, lauern Keime in gigantischer Zahl, viele harmlose, aber auch tückische. Trotzdem sind sehr viele Menschen sehr oft ziemlich gesund.»

Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
09:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bakterien Chemie Desinfektionsmittel Duschen Hygiene Hygienische Mängel Immunsystem Panik Probleme und Krisen Reinigungsartikel Umweltbundesamt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Frühjahrsputz in der Corona-Krise

06.04.2020

Von Sinn bis Unsinn beim Frühjahrsputz

Die Tradition des Frühjahrsputzes ist aktuell wie nie. Mal ordentlich die Wohnung zu reinigen, macht angesichts der Corona-Krise viel Sinn. In Putzwahn muss aber niemand verfallen. » mehr

Verstopfter Abfluss

20.05.2019

Bei verstopften Abflüssen nicht zum Rohrreiniger greifen

Wer lange Haare hat, kennt das Problem auf jeden Fall: Die Abflüsse im Bad verstopfen schnell. Seifenreste tragen auch dazu bei. Was tun? Das beste Rezept ist denkbar einfach. » mehr

Bernd Glassl

01.06.2020

Was die Warnsymbole auf Putzmitteln bedeuten

Ein normales Putzmittel - doch auf der Rückseite eine rote Raute mit Ausrufezeichen. «Achtung!» signalisiert das. Aber bedeuten die Warnsymbole auch eine echte Gefahr? » mehr

Naturnah

24.06.2019

Wie Swimmingpools in kleinen und großen Gärten Platz finden

Überfüllte Freibäder im Sommer - nicht jeder mag das. Ein Pool im Garten klingt nach einer traumhaften Alternative. Welche Möglichkeiten gibt es da und worauf ist bei der Planung zu achten? » mehr

Frühjahrsputz

01.04.2020

Frühjahrsputz: Zeit für die Stellen, die man sonst ignoriert

In diesem Jahr gibt es eigentlich keine Ausrede für den Frühjahrsputz: Da wir nicht ausgehen dürfen, ist jetzt Zeit für das Putzen all jener Stellen, die man sonst gerne auslässt. Nur: Wo anfangen? » mehr

Espresso

22.03.2020

So senken Sie den virtuellen Wasserverbrauch

Duschen, spülen, waschen - gut 120 Liter Wasser verbraucht eine Person am Tag im Haushalt. Doch das meiste Wasser verbrauchen wir indirekt. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
09:52 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.