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Tiny-House-Traum trifft deutsche Realität

Tiny Houses liegen im Trend: Die klitzekleinen Häuschen versprechen ein Leben in Freiheit und ohne unnötigen Ballast. Tiny House Wendland etwa hilft bei der Erfüllung der Träume. Auch am Rand von Hannover ist großes geplant.



Mobile Eigenheime
Die mobilen Eigenheime werden seit Jahresbeginn in Ludwigslust produziert.   Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Zum Glücklichsein braucht es bei Sam Bohr in Wredenhagen an der Mecklenburgischen Seenplatte nur 20 Quadratmeter. Zwei Erwachsene und zwei Kinder haben ausreichend Platz in dem winzigen Häuschen auf Rädern mit Blick über weite Felder, verspricht der Designer, Tiny-House-Hersteller und Vermieter.

Der Raum, den bei den meisten schon das Wohnzimmer einnimmt, reicht hier für Wohnen, Schlafen, Küche und Bad. «Es ist die Reduzierung auf das Wesentliche», sagt Bohr über sein Tiny House. «Meine Feriengäste sind hier sehr, sehr glücklich - und wenn auch noch ein Reh vorbeikommt, ist die Welt für sie perfekt.»

Downsizing

Die Verkleinerung der eigenen Lebensverhältnisse - das sogenannte Downsizing - und die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks sind derzeit vieldiskutierte Themen. Tiny Houses, was so viel wie Mini-Häuser bedeutet, scheinen diesen Wunsch in idealer Weise zu erfüllen. Viele Menschen träumen von einem Leben ohne Ballast auf kleinem Raum in schöner Umgebung mit freiem Blick in die Natur.

Eine wachsende Zahl Hersteller steht bereit, bei der Erfüllung dieses Traumes zu helfen. Zu ihnen gehört das Unternehmen Tiny House Wendland. Die Brüder Benjamin und Finn Glowatzki sind seit eineinhalb Jahren auf dem Markt und produzieren in Ludwigslust, auf halbem Weg zwischen Hamburg und Berlin. Noch sind sie ein kleiner Anbieter, doch sie wollen wachsen. «Bisher haben wir neun Tiny Houses produziert», sagt Finn Glowatzki.

Das Interesse ziehe stark an.

Vor allem Ferienvermieter fragten an, zunehmend aber auch Menschen, die dauerhaft in einem Tiny House leben wollten. An Rändern von Großstädten gebe es Pläne für Tiny-House-Dörfer - unter anderem werden seit einigen Monaten am Stadtrand von Hannover Pläne für eine große Tiny House Siedlung geschmiedet.

Die Glowatzkis bauen Mini-Häuser zwischen 7,20 und 9 Metern Länge und mit 2,55 Metern Breite. Sie sind vorschriftsmäßig wärmegedämmt, auf einen Trailer montiert, nicht schwerer als 3,5 Tonnen und können von PS-starken Pkw gezogen werden. Die Zulassung für den Straßenverkehr ist bei den Glowatzkis im Lieferumfang enthalten. Um die 35 000 Euro kostet so ein fertig möbliertes Tiny House. Wer es autark möchte - also mit Trenn-Toilette und Solarzellen auf dem Dach - muss entsprechend mehr hinlegen. Und dann?

Dann beginnen unter Umständen die Probleme.

Denn in Deutschland kann man sein Tiny House nicht einfach hinstellen, wo es einem gefällt. Es gibt Campingplätze, auf denen Betreiber und Gemeinde die Anmeldung eines Wohnsitzes zulassen, sagt Beraterin Isabella Bosler. Wer sein Häuschen auf einem anderen Grundstück aufstellen und dauerhaft bewohnen möchte, müsse in jedem Fall einen Bauantrag stellen.

Bosler hat sich im bayerischen Schleching auf die Beratung rund um Tiny Houses spezialisiert. Sie weiß: Der geplante Stellplatz muss voll erschlossen sein, mit Wasser- und Abwasserentsorgung, Strom und verkehrsgerechter Anbindung an eine Straße. Es genüge nicht, dass bereits ein Wohngebäude auf dem Grundstück steht - auch dann brauche es eine Genehmigung. Weil der Trend noch jung ist, sei vieles noch nicht abschließend geregelt. Auch Kommunen fragten bei ihr an, was zu beachten sei.

Das Baurecht

Was wird nach ihrer Einschätzung aus dem aktuellen Tiny-House-Hype? «Es besteht auf jeden Fall Bedarf für kleine Wohneinheiten», sagt Bosler und nennt die Schlagworte Single-Wohnen, hohe Mietpreise und Umweltbewusstsein. Eine Umfrage auf ihrer Webseite mit rund 1200 Teilnehmern habe ergeben, dass viele Menschen naturnah, günstig und ressourcenschonend leben wollen. «Aber Tiny Houses sind nicht wirklich platzsparend», sagt sie. «Man will ja auch den Raum drum herum haben und dann möglichst am Waldrand.» Das Baurecht mit seinen vielfältigen Vorschriften und Einschränkungen habe schon seinen Sinn.

Am Stadtrand von Hannover soll die Tiny-House-Idee im großen Stil Wirklichkeit werden - als Großstadtvariante «Tinyliving im Ecovillage», wie Thomas Köhler vom Verein Transition Town sagt. Auf Initiative des Vereins entwickeln dort mehr als 100 Interessierte ein Projekt auf 50.000 Quadratmetern städtischem Grund. Im Gespräch mit Köhler wird deutlich, dass das Wohnen auf teuren Grundstücken in einer Großstadt anders aussehen muss als im ländlichen Raum.

Gemeinschaftliche Lebensweise

Zwar werde es auch einige frei stehende Tiny Houses geben, doch der Schwerpunkt liege auf mehrgeschossigen Gebäuden mit kleinen Wohnungen, sagt Köhler. Geplant sind 500 Apartments für 800 Menschen, davon 40 Prozent Sozialwohnungen. «Der Freiheitsgedanke wird dichter gepackt», sagt Köhler. Verwirklicht werden soll auf jeden Fall die Idee der gemeinschaftlichen Lebensweise mit kleinen Apartments und Gemeinschaftseinrichtungen wie Mensa, Bibliothek und Kita. Außerdem soll das Quartier vollständig klimaneutral und autofrei werden.

Echtes Tiny-House-Dauerwohnen bietet Marita Gronau vom Hotel Ostsee-Gutshaus in Klein Strömkendorf (Landkreis Nordwestmecklenburg) an. Gronau hält auf ihrem Grundstück vier Stellplätze bereit, die Interessenten pachten können. Die nötigen Baugenehmigungen müssten Pächter, wie bei Hausbauten generell üblich, bei der Kommune einholen, sagt sie. Bisher habe sie fürs Tiny-House-Dauerwohnen allerdings keine Interessenten gefunden. Die nächste Stadt - Wismar - ist 20 Kilometer entfernt.

Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
10:37 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
10:37 Uhr



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