Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeStromtrasse durch die RegionBlitzerwarnerVER Selb

Aktiv und Gesund

Schäfchen zählen hilft kaum weiter

Nur schlecht geschlafen oder schon eine Schlafstörung? Der Übergang ist fließend. Anhaltende Schlafprobleme sollten medizinisch behandelt werden.



Schäfchen zählen hilft kaum weiter
Schäfchen zählen hilft kaum weiter  

Berlin - Der Mensch "verschläft" durchschnittlich etwa ein Drittel seines Lebens. Doch dieses eine Drittel ist überlebensnotwendig, ist wesentlich für die biologische und psychische Regeneration. Mangelt es daran, können erhebliche gesundheitliche Beschwerden folgen.

 

1. Was ist gesunder Schlaf?

Nach einer Expertenempfehlung sollte man bis ans Ende seines Lebens 7,5 Stunden pro Tag schlafen. Das sei gesunder Schlaf.

 

2. Was ist nur schlecht geschlafen, was schon eine Schlafstörung?

Gelegentliche nächtliche Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen dürften noch kein Schlafproblem sein. Bestehen sie aber drei Mal in der Woche mehr als drei Monate lang, spricht man von Ein- beziehungsweise Durchschlafstörungen. Gehen sie mit Tagesmüdigkeit und sozialen und beruflichen Beeinträchtigungen einher, wird von einer "schweren Schlafstörung" (Insomnie) gesprochen.

 

3. Wie weit sind Schlafstörungen verbreitet?

Nach dem Gesundheitsreport 2017 der DAK-Gesundheit sagen 80 Prozent der befragten Erwerbstätigen, sie hätten hie und da "Schlafprobleme". Das seien 66 Prozent mehr als 2009. Unter "schweren Schlafstörungen" leide jeder zehnte, ein Anstieg von 60 Prozent in den vergangenen sieben Jahren. Selbst er habe einen solchen Anstieg nicht erwartet, sagt der Schlafexperte von der Berliner Charité, Ingo Fietze.

 

4. Was kann zu Schlafstörungen führen, wohin können sie führen?

Ständiger nächtlicher Lärm kann den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Nach der dritten durchlittenen Nacht, sinkt die Leistungsfähigkeit im Job. Auch ein unregelmäßiger Lebensstil mit wenigen Schlaf- und Erholungsphasen - sei es bei der Arbeit, sei es in der Freizeit - kann letztlich zu Schlafstörungen führen. DAK-Chef Andreas Storm erläutert: "Im Job nehmen schwere körperliche Arbeiten seit Jahrzehnten ab, psychische Belastungen hingegen zu." Dabei lässt sich eine gewisse Wechselwirkung zwischen psychischen Problemen und Schlafstörungen feststellen. Schlafstörungen können zu Depressionen oder Angstzuständen führen - und umgekehrt. Und letztlich sind auch chronische körperliche Beschwerden wie Bluthochdruck oder Diabetes möglich.

 

5. Wie sieht die Versorgungssituation für solche Patienten aus?

"Dramatisch schlecht", sagt Fietze. Deutschland brauche eine neue Facharztgruppe, den niedergelassenen Schlafmediziner. "Es fehlt der primäre Ansprechpartner." Auch die Zahl der Schlafzentren sollte aufgestockt werden, zumal sich diese vor allem mit Atemstörungen beim Schlafen beschäftigen. Und es bedürfe mehr Aufklärung über Schlafprobleme und mehr Prävention in Schule und Beruf, sagt Fietze.

 

6. Was kann ich bei Schlafstörungen tun?

Bevor man zur Schlaftablette greift, sollte man über sein Schlafverhalten nachdenken, Stichwort: Schlafhygiene. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin rät unter anderem: Jeden Tag um dieselbe Zeit aufstehen, nur Schlafen gehen, wenn man wirklich müde ist, regelmäßig Sport treiben, vor dem Zubettgehen keinen Kaffee, keinen Alkohol und keine Zigarette mehr und den Mittagsschlaf vermeiden.

 

7. Was ist mit Medikamenten?

Jeder zweite Patient, der mit Schlafstörungen kämpft, besorgt sich Schlafmittel ohne Rezept, oft ohne fachmännische Beratung. Fietze beklagt, dass Apotheker zu wenig über die Mittel aufklären. Grundsätzlich könnten Schlaftabletten bei chronischen Schlafstörungen auch über einen längeren Zeitraum notwendig sein. Das sollte aber der Arzt entscheiden.

 

8. Was kostet die Gesellschaft das Problem Schlafstörungen?

Schlechter Schlaf hat seinen volkswirtschaftlichen Preis. Laut RKI belaufen sich in Europa allein die Kosten durch Einschlafen am Steuer auf mehrere Milliarden Euro jährlich. Die reduzierte Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz lässt sich kaum beziffern. Fehltage wegen Schlafstörungen nehmen zu, wenn auch bisher auf niedrigem Niveau: Sie stiegen um rund 70 Prozent auf 3,86 Tage je 100 Versicherten.

Autor

Ruppert Mayr
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 05. 2017
07:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
AKTIV UND GESUND Andreas Storm Angststörungen DAK-Gesundheit Durchschlafstörungen Schlafforscher Schlafmedizin Schlafmittel Schlafprobleme Schlafstörungen Schlaftabletten
Berlin
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Das große Gähnen

28.11.2016

Das große Gähnen

In der dunklen Jahreszeit werden viele Menschen schläfrig. Müdigkeit kann vielfältige Ursachen haben, sagt Schlafmediziner Dr. Ruslan Gamsalijew vom Klinikum Kulmbach. » mehr

Neubau für bessere Nächte

04.09.2018

Neubau für bessere Nächte

Baustelle statt Brandruine: In Münchberg laufen die Arbeiten für das Schlafzentrum auf Hochtouren. Im April will Dr. Johannes Rumpf öffnen und stellt mehrere Mediziner ein. » mehr

Der Ort der Messer-Attacke: In diesem Gebäude des Jobcenters in Bayreuth hatte Tobias Z. im März dieses Jahres drei Mitarbeiter verletzt. Nach der Tat flüchtete er, wurde aber kurz darauf gefasst. Foto: Ferdinand Merzbach/dpa

16.12.2019

Messerstecher muss in die Psychiatrie

Im Wahn stach ein 38-Jähriger auf Mitarbeiter des Bayreuther Jobcenters ein. Das Gericht spricht ihn frei und weist ihn auf unbestimmte Zeit in eine psychiatrische Klinik ein. » mehr

Jetzt heißt es aktiv werden! Unsere Zeitung gibt sechs Wochen lang Tipps, wie man fit und gesund wird.

20.05.2017

Eine große Kur für Körper und Seele

Unsere Zeitung startet eine sechswöchige Aktion im Dienste der Gesundheit. Experten geben Leserinnen und Lesern auf unterhaltsame Art Tipps, wie man aktiv und fit bleibt. » mehr

Anna-Lena Schuster (links) und Hannah Volkmann mit Alfred Eiber und einem Originalschild von der Grenze.	Foto: SöGö

08.07.2019

Geschichte mit dem Grenzer

Alfred Eiber hat regelmäßig junge Menschen zu Gast. Die sind dankbar dafür, dass ihnen der frühere Polizist im Jubiläumsjahr weit mehr erzählt als Schule je leisten kann. » mehr

Simon Lebek mit den beiden Urkunden, die er für seine wissenschaftlichen Arbeiten während des Studiums erhalten hat. Foto: Herbert Scharf

09.07.2019

Junger Mediziner erhält Preis für Forschung

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie zeichnet die Arbeit des jungen Wunsiedlers aus. Er forscht über Zusammenhänge zwischen Schlafapnoe und Vorhofflimmern. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hochzeitsmesse im Porzellanikon

Hochzeitsmesse im Porzellanikon | 19.01.2020 Selb
» 10 Bilder ansehen

Faschingsgilde Marktredwitz-Dörflas Marktredwitz

Gala-Abend Faschingsgilde in Marktredwitz | 18.01.2020 Marktredwitz
» 37 Bilder ansehen

EV Lindau - Selber Wölfe 3:2 Lindau

EV Lindau - Selber Wölfe 3:2 | 19.01.2020 Lindau
» 42 Bilder ansehen

Autor

Ruppert Mayr

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 05. 2017
07:00 Uhr



^