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Arzberg

Abtauchen in eine Bergwelt unter Tage

Über Jahrhunderte prägt der Eisenerzabbau die Stadt Arzberg. Die einstige Zeche "Kleiner Johannes" legt davon heute wieder Zeugnis ab mit vielen originalen Exponaten.



Günther Ide im wiederhergestellten Maschinenhaus der Zeche Kleiner Johannes vor einem Originalfoto aus der Zeit zwischen 1935 und 1941 und dem Nachbau einer Fördermaschine; im Hintergrund ein Teil der Geologie-Ausstellung mit Gesteinen, die in und um Arzberg gefunden wurden. Fotos: kst
Günther Ide im wiederhergestellten Maschinenhaus der Zeche Kleiner Johannes vor einem Originalfoto aus der Zeit zwischen 1935 und 1941 und dem Nachbau einer Fördermaschine; im Hintergrund ein Teil der Geologie-Ausstellung mit Gesteinen, die in und um Arzberg gefunden wurden. Fotos: kst   » zu den Bildern

Arzberg - Das Leben in Arzberg - darauf weist schon der Name der Stadt hin - war seit dem Spätmittelalter über Jahrhunderte hinweg vom Eisenerz und dessen Verarbeitung geprägt; unter anderem wirkte hier im 17. Jahrhundert Alexander von Humboldt. An vielen Orten im Landkreis Wunsiedel findet man ehemalige Bergwerke, die mehr oder weniger erkennbar oder sogar zugänglich sind. In der ehemaligen Zeche "Kleiner Johannes" mitten in Arzberg kann man dagegen richtig eintauchen in den hiesigen Bergbau.

Öffnungszeiten

Die Informationsstelle Bergwerk "Kleiner Johannes" in 95659 Arzberg, Altes Bergwerk 1, ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Wer eine Führung wünscht, kann sich an die Stadt Arzberg wenden unter der Telefonnummer 09233/4040.


"Aber wir sind kein Museum, wir sind eine Informationsstelle!" Auf diese Unterscheidung legt Günter Ide großen Wert. Der längst pensionierte, einstige Leiter des Arzberger Kraftwerks ist schließlich von Haus aus kein Historiker, Geologe oder Bergbauingenieur, der die "Naturpark-Informationsstelle für Bergbau und Geologie für Arzberg und Umgebung", wie die ehemalige Zeche offiziell heißt, museumsgemäß wissenschaftlich hätte aufbereiten können. Was er aber mit Unterstützung des Naturparks Fichtelgebirge, des Fichtelgebirgsvereins, des Arbeitskreises "Bergwerk" und natürlich der Stadt Arzberg aus den heruntergekommenen Resten des einstigen Bergwerks gemacht hat, kann sich sehen lassen.

"Als ich das Gelände 1998 zum ersten Mal gesehen habe, habe ich einen Schock gekriegt und dachte zuerst, die haben einen Aprilscherz mit mir gemacht", erinnert sich Ide an seine ersten Eindrücke von seinem künftigen Projekt, das der 84-Jährige nun seit 20 Jahren federführend und zuletzt immer mehr als Einzelkämpfer betreut.

Das Maschinenhaus war nur noch als verfallene, zugewachsene Ruine vorhanden, auf dem restlichen Gelände befanden sich verwilderte, längst aufgegebene Schrebergärten. "Der Stadtrat hatte schon beschlossen, alles abzureißen", berichtet er, "doch dann haben sich der Naturpark und der Fichtelgebirgsverein eingeschaltet, das Geschichtsbewusstsein setzte sich durch, und der Stadtrat beschloss, eine Informationsstelle einzurichten."

Viel indes war nicht mehr da, mit dem man das Bergmannsleben hätte dokumentieren können. "Gott sei Dank gab es noch das eine oder andere Originalfoto, und einige Arzberger haben auf ihren Dachböden Gegenstände von ihren Vorfahren gefunden." Verschiedene Exponate, die heute auf dem Gelände und in den Gebäuden zu sehen sind, haben Ide und die ehrenamtlichen Mitglieder des Arbeitskreises auch in Bergwerken im Erzgebirge gefunden. Das halb verfallene Maschinenhaus bauten damals ABM-Kräfte des Naturparks Fichtelgebirge wieder auf.

"Ich habe versucht, alles möglichst realitätsnah zu zeigen - so, wie die Gegenstände einmal auch benutzt wurden", erläutert der 84-Jährige, der auch bei den schriftlichen Erläuterungen zu den Exponaten und Hintergründen mehr auf Qualität als auf Quantität setzte. "Wichtig ist doch, dass man sieht, wie es damals war, und es selbst erleben kann."

Nicht zuletzt deshalb haben die Initiatoren auch in dem ehemaligen Verbindungsschacht zum Maschinenhaus einen Schaustollen eingerichtet. Hier, obwohl nur wenige Meter unter der Erde, bekommt der Besucher eine gute Vorstellung von der Enge und den Arbeitsbedingungen unter Tage. Man sieht zum Beispiel Hämmer, mit denen einst das erzhaltige Gestein aus dem Fels gebrochen wurde, und einen vollbeladenen "Hunt", wie die Kumpel die Förderwagen unter Tage mit senkrechten Wänden nannten - über Tage heißen die Förderwagen "Loren" und haben schräge Seitenwände.

Auch der Förderturm zeugt von der schweren Arbeit der Bergleute. An ihm wurden einerseits die Arbeiter "abgeteuft", also in die Tiefe hinabgelassen, die den "Marienschacht" weiter ausbauten; andererseits zog man an ihm die vollbeladenen Hunte an die Erdoberfläche.

Im Maschinenhaus widmet sich die Ausstellung zwei Themenbereichen: der Geologie und dem Bergbau. Im ersten Raum, wo einst die Fördermaschine stand, bekommt der Besucher einen Überblick über den Stein-Reichtum der Erde unter Arzberg und seiner Umgebung und - dank vieler Makro-Aufnahmen - auch einen detaillierten Einblick in einzelne Mineralien. Vor allem einheimische Hobby-Mineralogen haben, wie Günter Ide sagt, zur der beeindruckenden Anzahl der Exponate beigetragen.

Der Raum dahinter ist ganz dem Bergbau selbst gewidmet: Anhand alter Pläne erkennt man, wie weitläufig die Stollenanlagen sind, in denen bis in 80 Metern Tiefe Eisenerze abgebaut wurden. Der Besucher kann auch die Entwicklung der "Geleuchte" unter Tage nachvollziehen, vom Kienspan aus der Bergbau-Antike bis zur Lampe, wie sie die letzten Arzberger Kumpel 1941 hatten. Zu sehen sind (Parade-)Trachten der Bergleute sowie ihre originalen Werkzeuge, die sie zu verschiedenen Zeiten bei ihrer beschwerlichen Arbeit benutzten, und Lederhelme, die sie bei der Arbeit trugen. Auch die unterschiedlichen Kommunikationsmittel, derer sich die Bergleute bedienten, hängen an der Wand. Und als Günter Ide vor dem Telefon mit Wählscheibe steht, muss er lachen und berichtet von Reaktionen der Generation Smartphone: "Hier stehen die Kinder immer ganz fassungslos davor, das fasziniert sie."

Autor

Kerstin Starke
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
04. 09. 2019
17:16 Uhr

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Autor

Kerstin Starke

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
04. 09. 2019
17:16 Uhr



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