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Arzberg

Arzberg arbeitet an der Energiewende

Die Stadt ist Teil des Projektes C/sells. Zahlreiche Partner erforschen, wie die Versorgung in der Zukunft aussehen muss. Hier geht es um Speichertechnik.



Auf dem Testfeld in Arzberg: Ein Teil der C/sells-Delegation um Dr. Albrecht Reuther und Christoph Stegner (Vierter und Fünfter von rechts) sowie Bürgermeister Stefan Göcking (Fünfter von links). Foto: Gerd Pöhlmann
Auf dem Testfeld in Arzberg: Ein Teil der C/sells-Delegation um Dr. Albrecht Reuther und Christoph Stegner (Vierter und Fünfter von rechts) sowie Bürgermeister Stefan Göcking (Fünfter von links). Foto: Gerd Pöhlmann  

Arzberg - So wie die Delegationen auf dem Smart-Grid-Testfeld in Arzberg eingetrudelt sind, mag das manchem Teilnehmer symptomatisch für die Energiewende erschienen sein. "Wir sind zu spät", stellte Dr. Albrecht Reuther, Leiter des C/sells-Projekts nüchtern fest. Die Entwicklung schreite zu langsam voran, um Deutschland "in ein paar Jahren mit 100 Prozent erneuerbaren Energien versorgen zu können", sagte Reuther, der in Süddeutschland zahlreiche Akteure im Projekt C/sells vereinen konnte.

Botschafter

Kurzerhand erklärte Dr. Albrecht Reuther beim Treffen in Arzberg Bürgermeister Stefan Göcking zum Botschafter des Projekts C/sells. "Es gibt wenige wie Sie", sagte er und lobte die Leidenschaft, mit der Göcking und die Stadt hinter der Energiewende stehen würden. "Sie können andere motivieren."


Die Idee dahinter ist ein Energiesystem, in dem sich viele verschiedene Einzelakteure zu einer breiten Bewegung zusammenschließen, um die Energiewende voranzutreiben. Einer dieser Akteure ist Arzberg, eine Energiestadt mit Geschichte, wie Bürgermeister Stefan Göcking erklärte. Schon vor dem Fukushima-Unglück habe sich die Kommune auf regenerative Energien konzentriert. "Aktuell versorgen wir die Stadt zu rund 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen", sagte Göcking. Er freue sich, dass die Stadt einen kleinen Beitrag dazu leisten könne, die Stromnetze zu stabilisieren. Denn darum geht es auf dem Versuchsfeld in Arzberg. Hier wollen die Mitarbeiter des Zentrums für Angewandte Energieforschung (ZAE) herausfinden, wie die Speicher beschaffen sein müssen, um die Stromnetze zu entlasten und wie bedarfsgerecht der durch Sonne, Wind und Wasser erzeugte elektrische Strom eingespeist werden kann. Wobei in Arzberg der Fokus vor allem auf der Photovoltaik liegt.

Vertreter der am Projekt C/sells beteiligten Partner, Vertreter von Verbänden und Institutionen und mit Silke Stahl eine Referentin des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nutzten die Gelegenheit, in Arzberg, später auch in Cham, einen Einblick in die Projektpraxis zu bekommen.

Christoph Stegner, Projektleiter beim ZAE, führte die Delegation zunächst über das Arzberger Testfeld. Dort prüft das ZAE verschiedene Solarmodule auf Herz und Nieren. Die Fachleute diskutierten über mono- und polykristalline Strukturen, Winkel, direkte und diffuse Sonneneinstrahlung, Erträge und Preise. Es geht um die höchstmögliche Ausbeute der Sonnenenergie, darum, unabhängig von Kohle- und Atomstrom zu werden. Es gilt, erneuerbare Energien auszubauen und die Energiewirtschaft zu vernetzen und zu digitalisieren. Im Projekt C/sells wird nun die dezentrale Energiewende mit einem intelligenten Energiesystem erprobt. Die Macher um Gesamtprojektleiter Albrecht Reuther setzten dabei vor allem auf drei Faktoren: Zellularität, also dezentrale Versorgungsstrukturen, Partizipation und Vielfältigkeit. "Die Energiewende wird nicht mit Großanlagen gelingen", sagte Reuther. Vielmehr sei es nötig, alle Energieerzeuger unter einen Hut zu bringen.

Mehr als 50 Partner unter anderem aus Forschung, Energieversorgung und Netzbetrieb haben sich in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg zu C/sells zusammengeschlossen. In mehr als 30 Demonstrationszellen, eine davon ist Arzberg, werden Pilotprojekte umgesetzt. An anderen Standorten geht es etwa um Bürgerbeteiligung, energieautarke Siedlungen, Elektromobilität und "intelligente Wärme".

"In Arzberg wird ein Konzept erprobt, wie flexible Quartiersspeicher in die untersten Netzebene eingebunden werden können", erklärte C/sells-Regionalkoordinatorin Daniela Wohlschlager. Diese verteilten Speicher, auf dem Arzberger Testfeld sind es sogenannte Redox-Flow- oder Flüssigbatterien, sollen die Stromnetze entlasten und zur Minimierung des Leitungsausbaus beitragen. Gleichzeitig erforschen Christoph Stegner und seine Kollegen die Informations- und Kommunikationstechnik, um die Anlagen steuern zu können. "Wir erproben in C/sells heute schon die Lösungen für die Herausforderungen der Energiewende von morgen", sagte Professor Wolfgang Mauch, Geschäftsführer der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FFE) in München.

"Grundsätzlich müssen wir unsere Energieversorgung neu aufstellen", sagte Bürgermeister Stefan Göcking und zeigte sich, mit Blick auf die Runde stolz, dass Arzberg in dieser Liga mitspielen dürfe. "Es ist schön, wenn die Stadt einen kleinen Beitrag zur Energiewende leisten kann", sagte Göcking.

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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
17:08 Uhr

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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
17:08 Uhr



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