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Arzberg

Bagger frisst sich ins Gemäuer

Bevor aus der alten Arzberger Schule ein Bürgerhaus werden kann, müssen die Anbauten fallen. Stattdessen soll ein moderner Neubau entstehen.



Die Anbauten an die alte Schule auf dem Arzberger Kirchberg werden bald Geschichte sein. Im mittleren Teil klafft bereits eine große Lücke. Unser Bild zeigt auf dem Bauschutt (von links): Sicherheits- und Gesundheitskoordinator Herbert Brecht, Bauamtsleiter Armin Gädigk und Bürgermeister Stefan Göcking. Foto: Christl Schemm
Die Anbauten an die alte Schule auf dem Arzberger Kirchberg werden bald Geschichte sein. Im mittleren Teil klafft bereits eine große Lücke. Unser Bild zeigt auf dem Bauschutt (von links): Sicherheits- und Gesundheitskoordinator Herbert Brecht, Bauamtsleiter Armin Gädigk und Bürgermeister Stefan Göcking. Foto: Christl Schemm  

Arzberg - "Ach, wie schade um dieses wunderschöne Gebäude. Ich hab‘ es immer gern gesehen. Hoffentlich kommt nicht so ein hässliches Gebäude aus Beton, Glas und viel Metall dahin. Das würde gar nicht ins beschauliche Arzberg passen." - "Arzberg sollte sich mal ein Beispiel an Hohenberg nehmen. Das Bauernhaus war auch total baufällig, und sie haben es jetzt wieder ganz toll hinbekommen." - "Gut, dass Neues entsteht, wenn das Alte nicht mehr zu retten ist und seit Jahren leer steht! Arzberg verändert sich, und ich finde es gut!"

Rund fünf Millionen

Für den Umbau der alten Schule in ein Bürgerhaus ist derzeit ein Kostenrahmen von rund fünf Millionen Euro vorgesehen. Das Projekt ist hoch gefördert mit Mitteln des Freistaats, über deren Vergabe die Regierung von Oberfranken im Rahmen der Städtebauförderung entscheidet. Unter anderem gibt es für den Umbau zum Bürgerhaus Geld aus der Förderinitiative "Innen statt Außen". "Wir sind sehr froh, dass es solche Programme gibt", betont Bürgermeister Stefan Göcking. Denn ohne die hohen Förderungen seien Projekte wie das Bürgerhaus nicht möglich.


Was derzeit auf Facebook über den Abbruch eines Teils des früheren Arzberger Schulgebäudes zu lesen ist, zeigt, wie unterschiedlich die Meinungen zu dem Großprojekt der Stadt sind. Auch der Stadtrat hatte es sich nicht leicht gemacht und lange darüber diskutiert, auf welche Weise das imposante Haus auf dem Arzberger Kirchberg saniert und in ein Bürgerhaus umgebaut werden kann. Als Ergebnis kristallisierte sich schließlich heraus: Der Kopfbau im Singer-Park gegenüber der Bergbräu bleibt erhalten, die Anbauten an der Friedhofstraße, einschließlich des stadtbildprägenden Turms, werden abgerissen. An deren Stelle soll ein wesentlich kleinerer, aber moderner einstöckiger Neubau mit einem Flachdach entstehen.

Um diese Pläne umsetzen zu können, haben in der vergangenen Woche die Abrissarbeiten begonnen. Im mittleren Teil der Gebäude an der Friedhofstraße klafft bereits eine stattliche Lücke. Ein großer Bagger der Lengenfelder Recycling- und Abbruch-GmbH frisst sich Stück für Stück in das Mauerwerk und demontiert Steine sowie Bauteile aus Holz, Metall oder Glas. "Das wird dann alles sortiert und getrennt entsorgt", erklärt Bauamtsleiter Armin Gädigk am Montagvormittag bei einer Begehung der Baustelle mit Bürgermeister Stefan Göcking und dem von der Stadt beauftragten Sicherheits- und Gesundheitskoordinator Herbert Brecht. Er achtet darauf, dass während der Abbrucharbeiten alles vorschriftsmäßig läuft und sowohl die Arbeiter als auch die Anwohner ausreichend geschützt sind.

Bereits seit Mitte Juni wird das Gebäude, in dem Hunderte von Arzbergerinnen und Arzberg ihre Schulzeit verbracht haben und in dem vor Jahren auch das Rote Kreuz, die AWO, die Theatergruppe Röthenbach und Bands ihre Räume hatten, im Inneren entkernt. Auch dieser Abraum wird getrennt und sortiert. Wertstoffe wie Kupfer können wiederverwendet werden.

Der Kopfbau, der stehen bleibt, stammt laut Auskunft aus dem Stadtbauamt aus dem Jahr 1881. Dieser wurde 1908 aufgestockt. Den ersten Anbau datiert das Stadtbauamt ins Jahr 1920. Im Jahr 1951 sei der Komplex erneut erweitert worden. Die Gebäudeteile, die der Bagger jetzt abreißt, umfassen laut Gädigk 7417 Kubikmeter umbauten Raums und 2198 Quadratmeter Fläche. Damit die Belästigung durch Straub einigermaßen in Grenzen gehalten wird, hat die Abrissfirma eigens einen Bewässerungsschlauch verlegt. Außerdem wurde zum Schutz des Pflasters in der Friedhofstraße zerkleinerter Bauschutt vom Abbruch des Gebäudes Bahnhofstraße 41 aufgebracht. Den Worten des Bauamtsleiters zufolge sollen die Abbrucharbeiten bis Mitte Oktober erledigt sein. Dann soll es mit der Sanierung des Kopfbaus und dem Rohbau für den neuen Trakt weitergehen.

Für den umstrittenen Abbruch der jüngeren Gebäudeteile sprechen laut Bürgermeister Stefan Göcking mehrere Argumente. Zum einen sei der Komplex insgesamt viel zu groß, als dass er weiterhin sinnvoll genutzt werden hätte können. "Das sind immerhin drei Stockwerke, und wir haben dafür nicht die ausreichende Nutzung", erklärt der Rathaus-Chef. Aspekt Nummer zwei: Eine Sanierung käme Göcking zufolge wesentlich teurer als ein kleinerer Neubau. Zudem sei die Bausubstanz bereits "sehr in Mitleidenschaft gezogen" gewesen. Sprich: Das Gebäude war zum Teil marode. Und schließlich hätte ein immenser Aufwand für ein vernünftiges energetisches Konzept betrieben werden müssen. All diese Negativpunkte sprächen für den Beschluss des Stadtrats, sich von den Anbauten zu trennen.

Wenn der historische Teil am Singer-Park und der Neubau fertig sind, sollen die Bürgerinnen und Bürger die Räume vielfältig nutzen können. Etliche Vereine werden weiterhin ihr Domizil in dem dann barrierefreien Bürgerhaus haben: die Röthenbacher Soldatenkameradschaft, die Sandauer Heimatstube, die Garten- und Blumenfreunde, der Jugendtreff, die Mineraliensammler, die Gruppe, die sich um die Kraftwerksmodelle kümmert, die Musikschule samt Ballett. Die neuen Räume können dann zum Beispiel für Veranstaltungen verschiedenster Art, Kurse oder auch private Feiern belegt werden. "Wir werden in der Nutzung der Räume sehr flexibel sein", freut sich Bürgermeister Göcking. Und: Es gibt Toiletten, die dann auch für das Bergfest beansprucht werden können.

Die Berge von historisch wichtigen Unterlagen des Stadtarchivs haben Göckings Worten zufolge mittlerweile dauerhaft Platz in der Mittelschule gefunden. Andere Teile seien in der ehemaligen "Aktien", also in den Gebäuden des gKU Winterling Immobilien, zwischengelagert. Für sehenswerte Objekte des Stadtarchivs seien Flächen im neuen Bürgerhaus vorgesehen.

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Christl Schemm
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Veröffentlicht am:
20. 08. 2019
00:00 Uhr

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Christl Schemm

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Veröffentlicht am:
20. 08. 2019
00:00 Uhr



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