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Arzberg

Eine Sperrung ist außer Sicht

Zu viele Lkw fahren durch Schirnding, beklagen die Anwohner. Sie wollen Laster aus dem Ort verbannen. Doch das funktioniert offenbar nicht.



An den Zahlen scheiden sich die Geister. Während Anwohner in Schirnding bis zu 20 Lkw pro Stunde zählen, kommt das Landratsamt auf rund 50 pro Tag.
An den Zahlen scheiden sich die Geister. Während Anwohner in Schirnding bis zu 20 Lkw pro Stunde zählen, kommt das Landratsamt auf rund 50 pro Tag.   Foto: Florian Miedl

Schirnding - Es ist wie verhext. Da haben Schirndinger Bürger extra einen Termin mit der Polizei, mit Vertretern des Landratsamts und des Staatlichen Bauamts ausgemacht, um auf die Probleme hinzuweisen, die der Lkw-Verkehr mit sich bringt, und dann? Nichts! Während der einen Stunde, die das Treffen dauert, rollt ein einziger Lkw an der Gruppe vorbei - und das auch noch in gemächlichem Tempo. Das kann der Vorführeffekt sein oder einfach die Tatsache, dass vielleicht gar nicht so viel Schwerverkehr durch die Marktgemeinde rollt. Da scheiden sich die Geister.

Runter vom Gas

Wolfgang Doleschal sagte bei dem Treffen eine weitere Geschwindigkeitsmessung zu. Die wird die

Verkehrspolizeiinspektion Hof übernehmen. Diesmal soll das Messgerät näher am Ortseingang der Waldsassener Straße installiert werden. "Viele brettern hier einfach rein", sagte Bürgermeisterin Karin Fleischer.

 

Hans Jarema hat eine andere Erklärung: "Es ist die Baustelle im Übergang der Waldsassener Straße in die Bahnhofstraße." Im unteren Bereich der Staatsstraße 2178, wenige Meter nach der Eisenbahnbrücke wird gerade ein Fußgängerüberweg gebaut. Die Baustelle verengt die ohnehin schon schmale Passage noch mehr. Eine Baustellenampel regelt den Verkehr. Jarema glaubt, dass die Baustelle viele Lkw-Fahrer davon abhält, durch Schirnding zu kurven. "Das ist ein Segen für uns", sagt er. Hans Jarema wohnt an der Waldsassener Straße, der St 2178, und hatte der Frankenpost schon einmal seine Bedenken geschildert: "Die Lastwagen sind viel zu schnell unterwegs, und die Straße ist einem sehr schlechten Zustand. Bei uns vibriert das ganze Haus, auch die Schränke im Schlafzimmer." Sogar einen Riss in der Wand auf der Straßenseite habe er bereits entdeckt.

 

Hermann Behrend pflichtet bei: Im vergangenen Jahr noch seien die Holzlaster und Muldenkipper die Waldsassener und die Hohenberger Straße rauf und runter gedonnert. Vor allem Leerfahrzeuge würden "scheppern wie die Pest". Damals konnten die Lkw noch über Seedorf, Arzberg und Konnersreuth Richtung Mitterteich fahren. "Seit Seedorf in Richtung Westen gesperrt ist, ist ein Teil des Verkehrs verschwunden", gibt Behrendt zu. Er schätzt, dass bis zu 20 Lkw in der Stunde durch die Hohenberger Straße in Schirnding fahren. Zehn pro Stunde hält Hans Jarema in der Waldsassener Straße für realistisch.

Ganz andere Zahlen hält Martin Mayer, Leiter der Unteren Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt, parat. Er verweist auf eine Zählung im vergangenen Jahr, wonach bei Seedorf 21 Lkw in Richtung Schirnding gefahren und 31 von dort gekommen seien. Am Tag wohlgemerkt. Mayer versteht die Sorgen und Nöte der Anwohner, muss aber darauf hinweisen, dass die von den Schirndinger vorgebrachten zehn Lkw in der Stunde für eine Staatsstraße ein "sehr positiver Wert" seien.

Das Verkehrsaufkommen müsse man immer relativ sehen zur Bedeutung der Straße im Netz, pflichtet Armin Kagerer vom Staatlichen Bauamt Bayreuth bei, und eine Staatsstraße habe nun einmal eine nicht unwesentliche Funktion. Das macht eine Sperrung schwierig, auch wenn sich das viele Schirndinger wünschen und der Marktgemeinderat schon im Juli vergangenen Jahres nach einem entsprechenden Beschluss ein Durchfahrtverbot beim Landratsamt beantragt hatte. "Auf der anderen Seite: Wenn jeder sperrt, bricht das Chaos aus", meint Bürgermeisterin Karin Fleischer.

Einer Sperrung erteilt Mayer eine Absage: "Das ist rechtlich nahezu unmöglich." Die Straße unterliege dem Gemeingebrauch. Sie zu sperren, sei nur im Falle einer Gefahrenstelle möglich, nicht aber um lediglich Lkw-Verkehr zu vermeiden. Darüber hinaus werde immer versucht, Gefahrenstellen baulich zu entschärfen. "Wir sind angehalten, das mildeste Mittel zu wählen", sagt er und nennt als Beispiel die Wun 13 bei Seedorf. Die habe nur in eine Richtung gesperrt werden können, weil das schon ausreiche, um gefahrenträchtigen Begegnungsverkehr zu vermeiden, sagt Mayer. "Für Schirnding stellt sich die Frage, wie wir den Verkehr erträglich gestalten."

Von einer Straßensanierung, wie sie Behrendt und Jarema vorschlagen, raten sowohl Kagerer als auch Mayer und Wolfgang Doleschal, Verkehrssachbearbeiter der Polizei, ab. "Das verleitet zu schnellerem Fahren", meint Doleschal. Im Übrigen rechtfertige der aktuelle Zustand noch keine Sanierung, finden die Vertreter von Landratsamt und Staatlichem Bauamt.

Doleschal verweist auf die Ergebnisse der jüngsten Geschwindigkeitsmessung, die "im Rahmen" lägen. Dennoch rät er den Schirndingern, Geschwindigkeitsanzeigen an den Ortseingängen zu installieren, um unaufmerksame Fahrer wachzurütteln. Bürgermeisterin Fleischer sagt zu, das im Gemeinderat vorzubringen. Was den Verkehr betrifft, setzt sie auf den vierspurigen Ausbau der B 303 von der Grenze bis zur A 93. Dadurch würde der Verkehr auf der Bundesstraße gebündelt und müsse gar nicht mehr durch Schirnding fahren.

Autor
Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
05. 07. 2019
17:04 Uhr

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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
05. 07. 2019
17:04 Uhr



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