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Arzberg

Genossenschaft feiert großes Jubiläum

Seit 100 Jahren schafft die WG Arzberg günstigen Wohnraum. Schwierige Zeiten muss das Unternehmen meistern. Heute trifft es mit seinem Angebot den Nerv der Zeit.



Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Stefan Göcking, VdW-Bayern-Verbandsdirektor Hans Maier, stellvertretender Landrat Gerald Schade, Geschäftsführer Thorsten Tschöpel und der Thiersheimer Bürgermeister Bernd Hofmann (von links) feiern 100 Jahre Wohnungsgenossenschaft Arzberg. Foto: Gerd Pöhlmann
Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Stefan Göcking, VdW-Bayern-Verbandsdirektor Hans Maier, stellvertretender Landrat Gerald Schade, Geschäftsführer Thorsten Tschöpel und der Thiersheimer Bürgermeister Bernd Hofmann (von links) feiern 100 Jahre Wohnungsgenossenschaft Arzberg. Foto: Gerd Pöhlmann  

Arzberg - Die Wohnungsgenossenschaft (WG) Arzberg, größter Haus- und Grundbesitzer der Stadt, hat ihr 100. Jubiläum gefeiert. Zum Festakt in der "Bergbräu" am Donnerstagabend waren zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft, vor allem aus dem Bausektor, ehemalige Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter und Vertreter des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) gekommen.

Ein Porzellanunternehmer, eine Ziegelei und eine Explosion

Auf Initiative des Porzellanunternehmers Carl Schumann wurde die Baugenossenschaft Arzberg am 23. April 1919 in der Gaststätte "Röslautal" gegründet. Von der Stammeinlage in Höhe von 40 000 Euro - die Hälfte zeichnete Schumann - erwarb die Baugenossenschaft ein Grundstück in der heutigen Bauverein- und Bauernfeindstraße. Im März 1920 begannen die Arbeiten an den ersten Häusern. Weil der Erdaushub aus gutem Lehmmaterial bestand, betrieb die Genossenschaft kurzzeitig eine Ziegelei. 22 Häuser mit 47 Wohnungen errichtete das Unternehmen bis 1923. Weitere Häuser am Klingelbrunnen folgten in den Jahren zwischen 1925 und 1930. Dann ruhte die Bautätigkeit bis 1948. Danach wurden 15 neue Häuser in der Bauernfeind- und Lehmannstraße errichtet. 1953 schloss sich die Baugemeinschaft Thiersheim der Arzberger Genossenschaft an. Ende der 1970er-Jahre legte das Unternehmen kleine Wohnungen zu größeren Einheiten zusammen, um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Von keinem großen Erfolg gekrönt war ein Ausflug ins Bauträgergeschäft in den 1990er-Jahren. 2015 explodierte in einer Wohnung in der Bauvereinstraße eine Gaskartusche. Die WG musste das Haus zum Teil abreißen. Die Miete beträgt in den genossenschaftlichen Wohnungen rund 3,50 Euro pro Quadratmeter. "Ein Mietzins, über den man in München nun lacht", sagte Geschäftsführer Tschöpel.


Das Thema bezahlbares Wohnen sei heute genauso aktuell wie vor 100 Jahren, sagte VdW-Verbandsdirektor Hans Maier. Schon damals hatten Zeitungen über Mietwucher und Wohnungsnot berichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts stellte der Zuzug von Arbeitskräften die Städte vor große Probleme. Zwölf Personen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, das sei in München nicht unüblich gewesen, sagte Maier. Und so erlebten die Genossenschaften in den Nachkriegsjahren einen Gründungsboom. Alleine 1919 wurden laut Maier in Bayern 150 Wohnungsgenossenschaften aus der Taufe gehoben. 37 gebe es noch. "Eine davon ist die WG Arzberg", gratulierte der Verbandsdirektor: "Es ist eine große Leistung, ein Unternehmen durch Krieg, Währungsreform und Abwanderung zu führen."

Auch heute gebe es wieder Neugründungen. Wie vor 100 Jahren sähen sich die Genossenschaften als Partner der Kommunen, sagte Maier. "Hier steht eine sozial orientierte und nachhaltige Unternehmensphilosophie im Vordergrund." Engagierte Menschen würden Verantwortung übernehmen, um für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Dafür, so Maier, brauche es Mut und einen langen Atem. "100 Jahre Wohnungsgenossenschaft Arzberg stehen für ein erfolgreiches Engagement und die Bereitschaft, nach den genossenschaftlichen Prinzipien die Wohnraumversorgung in die eigenen Hände zu nehmen", lobte Verbandsdirektor Maier. Das sei in Zeiten, in denen Wohnraum auf dem freien Markt als Luxusprodukt gehandelt werde, umso wichtiger. "Sie werden heute genauso gebraucht wie vor 100 Jahren", rief Maier den Arzberger Genossenschaftlern zu.

Einen kurzen Einblick in die Geschichte des im April 1919 als Baugenossenschaft Arzberg gegründeten Unternehmens gab Aufsichtsratsvorsitzender und Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking. "Als wichtiger wohnungspolitischer Faktor hatte die WG Einfluss auf die Mietpreisgestaltung in der Porzellanstadt Arzberg", machte Göcking deutlich. Heute bewirtschaftet die Wohnungsgenossenschaft Arzberg 60 Wohnhäuser mit 295 Wohnungen und 81 Garagen in Arzberg und Thiersheim. Rund 1,8 Millionen Euro hat die WG in den vergangenen Jahren in die Hand genommen, um Wohnungen zu modernisieren und energetisch zu sanieren. "Das ist ein wichtiger Schritt in eine positive Zukunft und ein Spiegelbild der Stadt Arzberg", schloss Göcking, der den Mitarbeitern der WG seinen Dank aussprach.

Dass die Wohnungsgenossenschaft weiter alles daransetze, den Bestand zu modernisieren, versprach Geschäftsführer Thorsten Tschöpel. Die ohnehin geringe Leerstandsquote werde nach der Generalsanierung weiter sinken, sagte er. Bei einer Fotoschau zeigte Tschöpel die Veränderungen im Wohnungsbestand und nahm so die Gäste mit auf eine Reise zu den genossenschaftlichen Immobilien. "Auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig waren, haben wir doch viel erreicht", sagte der Geschäftsführer. Die WG sei immer ein verlässlicher Partner gewesen, wenn es darum ging, zeitgemäßen Wohnraum preisgünstig zur Verfügung zu stellen. "Das wird auch weiterhin unser Antrieb sein." Die WG selbst habe sich immer auf die Handwerker in der Region, auf ihre Mitarbeiter und auf die gute Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberfranken verlassen können, dankte Tschöpel.

Die WG Arzberg habe erkannt, was die Menschen umtreibe, lobte stellvertretender Landrat Gerald Schade: die Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Er habe selbst erlebt, in welch schlechtem Zustand viele Wohnungen in anderen Kommunen seien, weil es sich um Spekulationsobjekte handle. "In Arzberg geht es darum, Wohnraum zu schaffen, nicht Gewinn, sagte Schade. Es brauche guten Willen und vernünftige Mieten, um für guten Wohnraum und somit für Zuzug zu sorgen.

"Dass die Wohnungsgenossenschaft so gut dasteht, ist das Verdienst derer, die Verantwortung tragen und getragen haben", sagte Landtagsabgeordneter Martin Schöffel. Die Frage, wie Kommunen Einwohner gewinnen können, sei eine Frage des Wohnungsbestandes. Auf diesem Gebiet hat die Stadt Arzberg laut Schöffel viel geleistet. Seinen Respekt sprach der Landtagsabgeordnete Thortsen Tschöpel aus, der in einer Zeit angetreten ist, in der nicht abzusehen gewesen sei, wie sich die WG entwickle.

Pianistin Irina Kiritschenko umrahmte die Jubiläumsfeier musikalisch.

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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
20. 09. 2019
17:58 Uhr

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Gerd Pöhlmann

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Veröffentlicht am:
20. 09. 2019
17:58 Uhr



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