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LBV macht bedeutende Entdeckungen

Die Mitglieder der Kreisgruppe behalten die Natur im Auge. Sie stoßen auf vom Aussterben bedrohte Arten. Dafür vermissen die Naturschützer Vögel wie das Braunkehlchen.



Auf das vom Aussterben bedrohte Herablaufende Birnmoos stieß Walter Hollering im "Sallach". Foto: pr.
Auf das vom Aussterben bedrohte Herablaufende Birnmoos stieß Walter Hollering im "Sallach". Foto: pr.  

Thiersheim - "Ökologische Neuigkeiten aus dem Landkreis Wunsiedel" - unter dieser Überschrift lädt die Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) einmal im Jahr zu einem Austausch ein. Den Aktiven der LBV-Kreisgruppe Wunsiedel ist es ein Anliegen, die Artenkenntnis im Raum zu vertiefen und ein Bewusstsein für den Schwund und die sich beschleunigenden Veränderungen bei der heimischen Flora und Fauna in den vergangenen Jahrzehnten zu schaffen.

Unter Naturkennern ist der Vortragsabend längst kein Geheimtipp mehr, teilt die LBV-Kreisgruppe mit. So waren nicht nur Naturinteressierte aus den Landkreisen Wunsiedel, Tirschenreuth und Hof in die Gaststätte "Steinhaus" bei Kothigenbibersbach gekommen. Von der LBV-Bezirksgeschäftsstelle Oberfranken war die Ehrenamtsbeauftrage Sevtap Okyay angereist. Auch der Selber Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch nahm teil.

Kreisgruppen-Vorsitzender Walter Hollering hob bei der Begrüßung hervor, dass die Stadt Selb die einzige Kommune im Landkreis Wunsiedel ist, die der LBV-Kreisgruppe jährlich eine Spende zukommen lässt. Dies sollte als ein Signal für andere Kommunen des Landkreises Wunsiedel zu verstehen sein. Hollering erinnerte an den im April verstorbenen LBV-Kreisgruppenvorsitzenden Michael Fichtner. Walter Hollering verwies auf sichtbare Erfolge bei der von Fichtner 2018 begonnenen Renaturierung der LBV-Moorflächen im Zeitelmoos bei Wunsiedel. Trotz der sommerlichen Dürre sind die Flächen nicht gänzlich trockengefallen. Erstmals konnte er dort im Sommer 2019 den scheuen Waldwasserläufer mit Brutverdacht dokumentieren.

Die LBV-Braunkehlchen-Kartierung in ausgewählten Wiesenbrütergebieten im Landkreis Wunsiedel war trotz frühzeitig ausgebrachter Bambusstäbe als Ansitzwarten ernüchternd. Es wurden nur zwei Durchzügler im Frühjahr erfasst. Die Ursachen des drastischen Rückgangs dieses einst verbreiteten Feld- und Wiesen-Vogels sind vielfältig.

Bei einer Begehung des geplanten interkommunalen Gewerbegebietes Wunsiedel-Thiersheim östlich von Bernstein dokumentierte Walter Hollering in der Flur "Sallach" auf einer zentralen Biotopwiese jeweils rund tausend Exemplare des gefährdeten Wald-Läusekrautes sowie des stark gefährdeten Moorklees und hunderte Exemplare des gefährdeten Breitblättrigen Knabenkrautes. Als Sensation entdeckte er 2019 das winzige, vom Aussterben bedrohte Herablaufende Birnmoos, das im Landkreis seit Jahrzehnten verschollen war. Walter Hollering betonte, dass diese herausragende Biotopfläche keinesfalls überbaut oder auf sonstige Weise beeinträchtigt werden dürfe.

Am sensationellsten ist die Entdeckung des in Nordbayern seit Jahrzehnten verschollenen und in ganz Bayern vom Aussterben bedrohten Zierlichen Wollgrases durch Werner Gebhardt in einem quelligen Zwischenmoor bei Marktredwitz. Walter Hollering und anschließend anhand eines Herbarbelegs auch Dr. Alfred Wagner bestätigten den Fund. Das Gebiet steht seit 1982 unter Naturschutz und ist aufgrund der aktuellen Entdeckungen von landesweiter ökologischer Bedeutung. In diesem in Bayern extrem seltenen Moor-Typ wies Walter Hollering noch weitere Raritäten wie den stark gefährdeten Langblättrigen Sonnentau sowie drei vom Aussterben bedrohte Moosarten nach. Zusammen mit den gefährdeten Gefäßpflanzen birgt diese relativ kleine Moorfläche über 30 Arten der Roten Listen der Gefäßpflanzen und Moose Bayerns.

Jürgen Fischer aus Schönbrunn stellte anhand von zahlreichen Beispielen aus der Insektenwelt die auf dem Klimawandel beruhenden erheblichen Veränderungen der Artenzusammensetzung vor. Ihm ist es ein besonders Anliegen, alle Veränderungen möglichst gut zu dokumentieren. Als inzwischen fest etablierte Klimagewinner nannte er den Trauer-Rosenkäfer, die Gemeine Sichelschrecke und aktuell die Amerikanische Kiefernzapfen-Wanze. Wärmeliebende Libellenarten wie der Kleine und der Südliche Blaupfeil sowie die Keilflecklibelle und die Feuerlibelle sind bereits im Begriff, sich in geeigneten Habitaten im Landkreis fortzupflanzen. Dagegen verschwinden bei uns auf kälteres Klima angewiesene Arten, wie der dramatische Populationseinbruch der Gefleckten Heidelibelle in Nordostbayern zeigt. Klimagewinner ist dagegen der Bienenwolf, eine wärmeliebende Grabwespenart, deren Beute ausschließlich aus Honigbienen besteht. Auch bei den Zikaden gibt es neu zugewanderte Arten wie die nordamerikanische Büffelwanze. Dem langjährigen Naturbeobachter und Fotografen Jürgen Fischer gelangen dabei attraktive Nahaufnahmen mit beeindruckender Aussagekraft über die Formen- und Farbvielfalt und Lebensweisen der heimischen Insektenwelt.

Klaus Schmidt berichtete über die Entwicklungen in seinem Jagdrevier Schönbrunn. Die Feldhasen-Population stabilisierte sich in Schönbrunn nur nach intensiver Prädatoren-Bejagung. In den umliegenden Revieren stagnieren die Bestände weiterhin. Die Ursache des Populationsrückgangs beim Rebhuhn in Schönbrunn ist seit 2015 der Umbruch der fünfjährigen Stilllegungsflächen. Hier kamen zuvor auch wieder Braunkehlchen und Wiesenpieper als Brutvögel vor. Die Agrarpolitik trüge für den Verlust dieser Lebensräume die Verantwortung. Landwirte, die ökologisch effektive Buntbrachen ohne die obligatorische Mulchpflicht anlegten, würden fördertechnisch benachteiligt. Die enorme Bedeutung von Brachen zeigt sich in den Stieglitz-Schwärmen, die im Herbst und Winter Samen-Futter an stehengebliebenen Fruchtständen finden. Im Oktober beobachtete Klaus Schmidt erstmals im Revier drei Schwarzkehlchen als Durchzügler. Diese Art ist wärmeliebend, wogegen das Braunkehlchen eine boreale Art ist. Die Zukunft wird zeigen, ob das Schwarzkehlchen aufgrund des Klimawandels ein neuer Brutvogel im Landkreis wird.

Auf wachsende Probleme mit invasiven Neozoen auch im Landkreis Wunsiedel wie die Nilgans machte Klaus Schmidt aufmerksam. Diese müsste konsequenter bejagt werden, da Nilgans-Brutpaare als ursprüngliche Zooflüchter gegenüber anderen heimischen Wasservögeln unduldsam und aggressiv reagieren.

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25. 11. 2019
17:44 Uhr

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25. 11. 2019
17:44 Uhr



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