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Arzberg

Mit Liefers auf den Chimborazo

Die Stadt Arzberg und der Naturpark Fichtelgebirge zeigen den Film über die Expedition Alexander von Humboldts nach Südamerika. Der Tatort-Kommissar spielt darin die Hauptrolle.



Gerade einmal 24 Jahre alt war Jan Josef Liefers, als er 1988 den Gelehrten Alexander von Humboldt darstellte. Im Bild eine Szene aus dem Film "Die Besteigung des Chimborazo", den zahlreiche Interessierte im Festsaal der Bergbräu in Arzberg verfolgten.
Gerade einmal 24 Jahre alt war Jan Josef Liefers, als er 1988 den Gelehrten Alexander von Humboldt darstellte. Im Bild eine Szene aus dem Film "Die Besteigung des Chimborazo", den zahlreiche Interessierte im Festsaal der Bergbräu in Arzberg verfolgten.   » zu den Bildern

Arzberg - Irgendwie sind sie beide präsent gewesen: Alexander von Humboldt und auch sein Darsteller Jan Josef Liefers. Humboldt deswegen, weil er eine Zeit lang im Bergbräu-Gebäude gewohnt hat, wo die Stadt Arzberg in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Fichtelgebirge den Film "Die Besteigung des Chimborazo" zeigte. Jan Josef Liefers war zumindest in Gedanken da. Denn er hatte einem Freund, Georg Kaiser aus Hohenberg, eine Nachricht geschickt zu dem Filmabend: "Beste Grüße aus Berlin! Der Film ist von 1988 (ich war 24) und steckt voller DDR-kritischer Symbolik, die heute keine Sau mehr versteht. Also seid nachsichtig!"

Verbindung zu Hohenberg

Jan Josef Liefers ist mit dem Fichtelgebirge verbunden. Von Oktober 2017 bis Februar 2018 wohnte er während der Dreharbeiten für die schwarze Komödie "Arthurs Gesetz" im Ferienhaus der Familie Kaiser in Hohenberg. Das Anwesen war früher eine Schreinerei. Seitdem ist Liefers in Kontakt mit Georg Kaiser, der seit 20 Jahren in Berlin lebt und dort eine Bio-Markt-Kette betreibt. "Erst vor zwei Wochen waren wir zusammen mit 200 000 Menschen auf der großen Demonstration von ,Fridays for Future’ in Berlin", erzählt Georg Kaiser beim Kino-Abend in der Arzberger Bergbräu. Auch zum 55. Geburtstag des Schauspielers sei er eingeladen gewesen. "Wir sind eigentlich ständig im Kontakt", sagt er. Als er in einem Artikel in der Frankenpost entdeckt habe, dass in Arzberg der Humboldt-Film mit Liefers in der Hauptrolle gezeigt wird, habe er dem Schauspieler den Bericht geschickt und ihm geschrieben, dass die ganze Familie zu der Zeit in Hohenberg im Urlaub sei. Kaiser ist begeistert von dem Star, der dem Fernsehpublikum vor allem von seiner Rolle als Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne im "Tatort" aus Münster bekannt ist: "Er ist ein sehr interessanter und wahnsinnig netter Mensch."

 

In der Tat: Leichte Kost ist "Die Besteigung des Chimborazo" nicht. Die Stadt Arzberg hatte den Film in das Programm genommen, um neben einer Reihe anderer Veranstaltungen zum 250. Geburtstag des großen Gelehrten an dessen Leben und Wirken zu erinnern. In den Jahren 1792 bis 1798 war er als Oberbergmeister im Fichtelgebirge, im Frankenwald und auch in Arzberg tätig. Er wohnte zeitweilig im Querbau des jetzigen Bergbräu-Komplexes. Humboldt war damals gerade einmal 23 Jahre alt.

 

Also nahezu im selben Alter wie Jan Josef Liefers, als er die Hauptrolle in dem Spielfilm übernahm und damit sein Filmdebüt gab. Der Streifen entstand in den letzten Jahren der DDR und war damals politisch sehr aktuell. Die Sehnsucht des jungen Humboldt nach fernen Ländern spiegelte auch den Drang der DDR-Bürger nach Reisefreiheit wider. Die Premiere fand statt in einer Zeit, als sich die DDR in einem Ausnahmezustand befand: am 7. September 1989, nur zwei Wochen vor dem Mauerfall.

Eine ganze Reihe interessierter Menschen verfolgte den Werdegang Humboldts zwischen dessen 19. und 33. Lebensjahr im Begbräu-Saal. Der Forscher brach 1799 mit dem französischen Botaniker und Arzt Aimé Bonpland in die "Neue Welt" auf. 1802 erreichten sie Ecuador und begannen zusammen mit dem einheimischen Adeligen Carlos Montúfar und einer Karawane, den damals als höchsten Berg der Welt geltenden Chimborazo zu besteigen. Humboldt untersuchte Pflanzen, Tiere, Gestein, Wasser und Luft und begegnete - sehr aufgeschlossen - der fremden Kultur der Indios, deren Riten und Alltag der Regisseur Rainer Simon im Film dokumentarisch zeigt.

Im Laufe seiner Expedition erkannte Humboldt, dass das angeblich zivilisierte Preußen Parallelen zum vermeintlich primitiven Südamerika aufweist. Und die Zuschauer können den Kampf der Expeditionsteilnehmer gegen Schnee, Kälte, Orientierungsschwierigkeiten und dünne Höhenluft verfolgen und schließlich den Abbruch der Besteigung rund 700 Meter unterhalb des Gipfels, mit dem der Film abrupt endet. Humboldt und seine Begleiter gelangten in Regionen, die noch nie ein Mensch zuvor betreten hatte. Sie schafften es bis auf 5540 Meter.

In die Filmsequenzen über die Expedition flechten Regisseur Rainer Simon und sein Co-Autor Paul Kanut Schäfer zahlreiche Rückblenden ein, die von Stationen aus Humboldts Leben berichten und die Schwierigkeiten bei der Vorbereitung seiner Reise zeigen. Deshalb wirkt diese Dramaturgie teilweise etwas verwirrend. Viele Szenen sind sehr lang - ein Regie- und Drehbuchkonzept, das nach heutigen Maßstäben eher schwerfällig daher kommt. Da sich die Filmemacher bei der Darstellung des Lebensbilds des Gelehrten mehr um historische Genauigkeit bemühten, bleiben emotional anrührende und spannende Momente aus.

Der Film lässt viel Raum, über die wortgewaltigen Texte nachzudenken. Zum Beispiel, wenn Humboldt darüber sinniert, was Glück ist. In Zeiten weltweiter Flucht und Vertreibung macht die Frage einer Indiofrau nachdenklich, als sie wissen will, warum die Europäer "da weg" sind, wo sie herkommen. "Gibt es da keine Frauen und nichts zu essen?" Und das Aufeinanderprallen der Kulturen mündet in der Aussage: "Als der weiße Mann kam, wurde alles schlecht."

Autor

Christl Schemm
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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
19:44 Uhr

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Autor

Christl Schemm

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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
19:44 Uhr



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