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Arzberg

Sie müssen schweigen können bis ins Grab

Hallodris haben keine Chance, Feldgeschworene zu werden. Bürgermeister Stefan Göcking vereidigt im Rathaus vier Männer als neue "Siebener".



Für verschiedene Gemarkungen im Bereich Arzberg sind jetzt neue Feldgeschworene tätig. Unser Bild zeigt nach der Vereidigung (von links): Ehler Hugo (Röthenbach), den Vorsitzenden der Feldgeschworenenvereinigung Wunsiedel, Andreas Ritter, Markus Heuschmann (Garmersreuth), Georg Kaltner (Bergnersreuth), den Obmann für die Gemarkung Röthenbach/Garmersreuth, Hermann Stelzner, Liane Winterling von der Stadtverwaltung, den Obmann für die Gemarkung Arzberg/Bergnersreuth, Werner Havel, Wolfgang Weid (Arzberg) und den Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking. Foto: Christl Schemm
Für verschiedene Gemarkungen im Bereich Arzberg sind jetzt neue Feldgeschworene tätig. Unser Bild zeigt nach der Vereidigung (von links): Ehler Hugo (Röthenbach), den Vorsitzenden der Feldgeschworenenvereinigung Wunsiedel, Andreas Ritter, Markus Heuschmann (Garmersreuth), Georg Kaltner (Bergnersreuth), den Obmann für die Gemarkung Röthenbach/Garmersreuth, Hermann Stelzner, Liane Winterling von der Stadtverwaltung, den Obmann für die Gemarkung Arzberg/Bergnersreuth, Werner Havel, Wolfgang Weid (Arzberg) und den Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking. Foto: Christl Schemm  

Arzberg - Da es um Grund und Boden, letztlich also oftmals um viel Geld geht, ist das Amt des Feldgeschworenen ein ganz besonderes. Deswegen müssen es unbescholtene und vertrauenswürdige Personen sein, die als "Siebener" eingesetzt werden. "Feldgeschworene üben das älteste kommunale Ehrenamt aus", sagte Bürgermeister Stefan Göcking am Dienstagvormittag, als er im Rathaus vier Männer als neue Feldgeschworene für verschiedene Gemarkungen im Bereich Arzberg vereidigte: Markus Heuschmann für Garmersreuth, Ehler Hugo für Röthenbach, Georg Kaltner für Bergnersreuth und Wolfgang Weid für Arzberg. Horst Gollner, ebenfalls für Arzberg zuständig, wird zu einem späteren Termin ins Amt eingeführt.

Kleine Geschichte der Feldgeschworenen

Das Ehrenamt der Feldgeschworenen ist bereits im 13. Jahrhundert in Franken entstanden. Durch die klein-strukturierten Grundstücksparzellen waren hier besonders viele Grenzverläufe zu dokumentieren. Die Obrigkeit erkannte, dass Ansprechpartner vor Ort nötig waren, die sich mit den lokalen dörflichen Gegebenheiten auskannten und die die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten. Weil ursprünglich eine Gruppe von meist sieben Personen zur Regelung und Bestimmung von Grundstücksgrenzen eingerichtet wurde, bürgerte sich der Begriff "Siebener" ein. Heute wird eine Mindestzahl von vier Personen gefordert.

Zur Sicherung der Grenzsteine existierte das "Siebener-Geheimnis", über das die "Siebener" Stillschweigen bewahren mussten, und das nur mündlich weitergegeben wurde. Dieses bestand aus individuell platzierten, besonders geformten, manchmal beschrifteten Zeichen aus gebranntem Ton, Glas, Porzellan oder Metall. Ihr Wissen um die Grundstücksverhältnisse und die Richterfunktion bei Bodenstreitigkeiten machten die "Siebener" zu "Leuten, die im Dorf am meisten angesehen, aber auch gefürchtet waren". Quelle: Wikipedia


"Ein Siebener musste in früherer Zeit einen guten Leumund haben. Es ist auch überliefert, dass Feldgeschworene ein entsprechendes Ansehen in der Gemeinde genießen mussten und dass nicht jeder Hallodri vereidigt wurde", betonte Göcking - und räumte sofort etwaige Bedenken aus: "Da gibt es ja heute keinen Grund zu Besorgnis." Der Bürgermeister erinnerte an die Verschwiegenheitspflicht der Feldgeschworenen, das sogenannte "Siebener-Geheimnis", und daran, dass diese Männer Grenzzeichen sichern dürften. Zudem seien sie bevollmächtigt, die Grenzzeichen wieder einzusetzen. Feldgeschworene helfen laut Göcking bei Vermessungen, sie marken Grundstücke ab und absolvieren Grenzbegehungen. "Alles in allem ist es ein sehr verantwortungsvolles und zugleich ehrenvolles Amt, für das es nur eine geringe Aufwandsentschädigung gibt."

Nach den Worten des Arzberger Feldgeschworenen-Obmanns Werner Havel fanden in der Gemarkung Arzberg in diesem Jahr bislang zwölf Vermessungen statt. Bestellt würden die Feldgeschworenen in der Regel vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung oder von der Stadtverwaltung. Früher seien für jede Gemarkung sieben Feldgeschworene verpflichtend gewesen, jetzt reichten vier aus.

"Es ist nicht mehr so einfach, Feldgeschworene zu rekrutieren", sagte der Vorsitzende der Feldgeschworenenvereinigung Wunsiedel, Andreas Ritter. Er verwies auch darauf, dass das "Siebener"-Amt ein Amt auf Lebenszeit sei. Der Leitspruch der Feldgeschworenen laute: "Tue recht, fürchte Gott und fürchte niemanden." Ritter bezeichnete die "Siebener" als "Hüter der Grenzen und Abmarkungen". Das Feldgeschworenen-Gesetz gehe auf das 13. Jahrhundert zurück. Ritter hieß die neuen "Kollegen" willkommen und bedankte sich bei Liane Winterling, die bei der Arzberger Stadtverwaltung das Feldgeschworenenwesen betreue.

Bevor Bürgermeister Göcking den neuen "Siebenern" ihre Urkunden übergab, mussten sie eine Eidesformel sprechen. Diese lautet: "Ich schwöre Treue dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern, Gehorsam den Gesetzen, gewissenhafte und unparteiische Erfüllung meiner Amtspflicht, Verschwiegenheit und zeitlebens Bewahrung des Siebener-Geheimnisses - so wahr mir Gott helfe."

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Christl Schemm
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
17:20 Uhr

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Autor

Christl Schemm

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Veröffentlicht am:
15. 10. 2019
17:20 Uhr



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