Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusKommunalwahl 2020WohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-Galerie

Bayern

Nun sieben Coronavirus-Fälle in Deutschland: Auch ein Kind

Das neue Coronavirus scheint nur schwer zu stoppen zu sein. In Deutschland steigt die Zahl der bestätigten Fälle. Ein Flugzeug der Bundeswehr soll unterdessen Deutsche aus Wuhan in die Heimat bringen.



Coronavirus-Illustration
Diese Illustration zeigt das 2019 Novel Coronavirus.   Foto: Centers for Disease Control and Prevention/AP/dpa/Archiv

Köln/Berlin - Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem neuen Coronavirus in Deutschland ist auf sieben gestiegen. Erstmals hat sich auch ein Kind hierzulande mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Vater ist ein infizierter Mann aus dem Landkreis Traunstein. Wie das bayerische Gesundheitsministerium am Freitagabend in München mitteilte, wurde zudem bei einem Mann aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck die Lungenkrankheit bestätigt. Er arbeitet wie die ersten fünf Infizierten in Deutschland beim Autozulieferer Webasto. Auch Deutschland holt wie bereits die USA, Frankreich und Japan seine Bürger nun aus der von der neuen Lungenkrankheit schwer betroffenen Stadt Wuhan heraus. Am Freitagmittag startete eine Maschine der Luftwaffe vom Flughafen Köln-Wahn Richtung China.

Die Rückkehrer sollten am Samstagmittag in Frankfurt landen und dann für etwa 14 Tage in die Südpfalz-Kaserne am Rande von Germersheim in Quarantäne gebracht werden. Mit dem Rückholflug sollten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur etwa 130 Menschen - rund 90 deutsche Staatsbürger und etwa 40 Angehörige mit anderer Staatsangehörigkeit - ausgeflogen werden. Die Teilnahme an dem Flug ist freiwillig. Es gebe unter den Passagieren keine Verdachtsfälle, betonte Außenminister Heiko Maas (SPD). Auch das US-Gesundheitsministerium ordnete an, dass die 195 diese Woche aus Wuhan per Flugzeug in die USA gebrachten US-Staatsbürger für 14 Tage in Quarantäne müssen. Sie sollen auf der Luftwaffenbasis in Kalifornien bleiben, auf der sie mit dem Flieger angekommen waren.

Die Menschen in Germersheim reagierten weitgehend gelassen auf die Nachricht, dass die Heimkehrer in ihrer Stadt isoliert werden sollen. «Wir haben die Franzosen überlebt, wir haben die Hippies überstanden - da wird uns doch ein Virus aus China nicht gleich umbringen», sagte ein 72-Jähriger und spielte mit den Hippies auf die bis zu 100 000 Besucher eines legendären Rockfestivals 1972 in der südpfälzischen Kommune an. Die Kaserne sei für eine Quarantäne gut geeignet, sagte Landrat Fritz Brechtel. «Es ist ein abgegrenztes Gelände. Für die Menschen stehen in einem großen Gebäude Einzelzimmer mit Nasszellen bereit.» Er habe den Eindruck, dass bestmögliche Vorbereitungen getroffen worden seien.

Angespannter ist die Situation am Webasto-Standort in Stockdorf (Landkreis Starnberg), wo am Montag der erste Fall der Lungenkrankheit bei einem Mitarbeiter festgestellt wurde und inzwischen fünf weitere Kollegen infiziert sind. Zusammen mit dem Kind, das im Landkreis Traunstein wohnt, gibt es nun sieben registrierte Fälle in Deutschland, alle im Zusammenhang mit der Firma Webasto in Stockdorf.

Mit dem Kind ist zum ersten Mal in der Bundesrepublik ein Familienmitglied eines Infizierten erkrankt. Vater und Kind befinden sich nach Angaben der Behörden in einem Krankenhaus in Trostberg. Die Ärzte gehen davon aus, dass die ganze Familie infiziert ist - sie wurde auf eigenen Wunsch zusammen untergebracht. Die anderen Mitglieder müssten aber noch nachgetestet werden. Der Mann habe drei Kinder im Alter zwischen einem halben Jahr und fünf Jahren.

Bei Webasto war vergangene Woche eine infizierte Kollegin aus China zu Gast, die ihre Erkrankung erst auf dem Rückflug bemerkt hatte. Das Unternehmen hatte vor Bekanntwerden des siebten deutschen Falles mitgeteilt, dass inzwischen zwei chinesische Mitarbeiter infiziert seien: Neben der bekannten Chinesin auch ein weiterer Chinese, der ebenfalls in Deutschland gewesen sei. Alle infizierten deutschen und chinesischen Mitarbeiter seien gemeinsam in verschiedenen längeren Meetings am Firmensitz der Zentrale in Stockdorf gewesen, hieß es in einer Mitteilung, die den siebten deutschen Fall noch nicht einbezieht. Der infizierte Mann aus China sei in einer Klinik in Shanghai. Webasto hat mehrere Standorte in China.

Der Firmensitz in Gauting-Stockdorf bleibe bis einschließlich Montag geschlossen, teilte das Unternehmen weiter mit. Ursprünglich sollte die Arbeit an diesem Tag wieder aufgenommen werden. Die Angst vor dem Virus führt offenbar zur Ausgrenzung von Webasto-Mitarbeitern und deren Angehörigen. «Uns erreichen vermehrt Meldungen von Mitarbeitern, die nicht zur Risikogruppe gehören, dass sie und ihre Familien von Institutionen, Firmen oder Geschäften abgewiesen werden, wenn bekannt wird, dass sie bei Webasto arbeiten», sagte der Vorstandsvorsitzende Holger Engelmann. In einem Fall habe es einer Sprecherin zufolge eine Autowerkstatt mit Verweis auf das Virus abgelehnt, das Auto eines Mitarbeiters zu reparieren.

Die Zahl der in China bestätigten Fälle war am Freitag offiziell auf 9692 gestiegen, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Die Zahl der Toten stieg um 42 auf 213. Außerhalb Chinas wurde das Virus bisher bei mehr als 120 Menschen in über 20 Ländern nachgewiesen, Russland und Großbritannien meldeten am Freitag je zwei Fälle. In Afrika gab es bisher keinen einzigen bestätigten Fall. Aufgrund der rasanten Ausbreitung hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstagabend eine «gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite» ausgerufen.

Italien stoppte nach eigenen Angaben als erster EU-Staat alle Flüge von und nach China. Airlines einiger Länder, darunter die Lufthansa, haben ihre China-Flüge bereits eingestellt. Noch in den ersten elf Monaten 2019 flogen etwa 1,5 Millionen Passagiere aus China nach Deutschland, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Erfasst wurden dabei ausschließlich Direktflüge. Die meisten Passagiere aus China landeten demnach 2018 in Frankfurt (1 019 000 Reisende), gefolgt von München (449 000) und Berlin-Tegel (50 000). Direktflüge nach Deutschland aus Wuhan fanden nicht statt.

International wird derweil an verschiedenen Stellen an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet. Die Tübinger Biotechfirma CureVac bekam am Freitag von der internationalen Impfstoffinitiative CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) eine Zusage über eine Förderung in Höhe von 8,3 Millionen US-Dollar (rund 7,5 Millionen Euro). Die Impfstoff-Allianz, an der auch Deutschland beteiligt ist, unterstützt weltweit mehrere ähnliche Initiativen. Auch am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) arbeiten Forscher an einem Impfstoff. Es dauere mindestens ein Jahr, bis klar sei, ob er wirke und sicher sei, schätzte Stephan Becker vom DZIF.
 

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2020
22:02 Uhr

Aktualisiert am:
31. 01. 2020
23:37 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit Bundeswehr Bürger Chinesische Regierungen Deutsche Lufthansa AG Deutsche Presseagentur Flugzeuge Gesundheitsministerien Heiko Maas Infektionskrankheiten Infektionspatienten Kfz-Werkstätten Landräte Passagiere und Fahrgäste SPD Staatsbürger Statistisches Bundesamt Städte Webasto AG Fahrzeugtechnik Weltgesundheitsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
«Task-Force Infektiologie» am Flughafen

28.01.2020

Kreise: Coronavirus-Patient bei chinesischem Gast angesteckt

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das neuartige Coronavirus auch Deutschland erreicht. Jetzt ist es passiert. Ein Mann in Bayern ist erkrankt. Nun werden Details öffentlich. » mehr

Die Skulptur einer «Äskulapnatter»

28.01.2020

Coronavirus in Deutschland: Vier Leute in Bayern infiziert

Befürchtet wurde es schon seit Tagen, nun ist der Nachweis da: Das in China kursierende neue Coronavirus ist auch in Deutschland angekommen. Und es gibt gleich mehrere Infizierte. » mehr

Atemmasken

15.03.2020

Coronavirus: 86-Jährige stirbt in Seniorenheim

Am Freitag kam eine 86-Jährige mit Atemnot ins Krankenhaus - nun ist sie gestorben. Sie hatte sich mit dem neuen Coronavirus infiziert. Es ist der zweite Todesfall in Bayern. » mehr

Coronavirus

05.03.2020

Coronavirus-Fälle in allen bayerischen Regierungsbezirken

Erstmals gibt es Coronavirus-Fälle in allen bayerischen Regierungsbezirken. Am Donnerstag wurde unter anderen auch ein Fall im oberpfälzischen Landkreis Amberg-Sulzbach gemeldet. » mehr

Joachim Herrmann in Mitterteich

19.03.2020

Ausgangssperre in Bayern verhängt: «Passt auf Euch auf»

Das Coronavirus breitet sich rasant aus - jetzt ist im Freistaat die erste Ausgangssperre verhängt worden. In der 6500-Einwohner-Stadt Mitterteich in der Oberpfalz dürfen die Menschen ihre Wohnungen nur noch zum Einkaufe... » mehr

Hauptgebäude von Webasto

Aktualisiert am 30.01.2020

Fünfter Coronavirus-Fall - Bayern wappnet sich für weitere

In China breitet sich das neuartige Coronavirus immer weiter aus. Nun wurde auch in Bayern ein neuer Fall bekannt - und Dutzende Testergebnisse stehen noch aus. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Feuer in der Ireks

Feuer in der Ireks | 31.03.2020 Kulmbach
» 8 Bilder ansehen

Your-Stage-Festival 2020 in Hof

Your-Stage-Festival 2020 in Hof | 01.03.2020 Hof
» 115 Bilder ansehen

Workout in der Corona-Krise Lorenzreuth

Workout in der Corona-Krise | 26.03.2020 Lorenzreuth
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2020
22:02 Uhr

Aktualisiert am:
31. 01. 2020
23:37 Uhr



^