Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Kunst und Kultur

Alles hat keine Grenzen

Mutlosigkeit gehört nicht zu den Eigenschaften der Hofer Symphoniker. Das Konzert Nummer zwei der Spielzeit steht dafür. Sebastian Manz schwebt dabei über den Dingen.



Klarinettist Sebastian Manz gehört zu den Großen. In Hof zeigt er, warum.	Foto: Jochen Bake
Klarinettist Sebastian Manz gehört zu den Großen. In Hof zeigt er, warum. Foto: Jochen Bake  

Hof - Am Ende hüpft Johannes Wildner, der Musikarbeiter und empathische Dirigent. Der satte Satz am Pult, Wilder ist nassgeschwitzt, beendet am Freitagabend das zweite Konzert der Spielzeit der Hofer Symphoniker, das lange nachklingt. Gehört hat der nicht ganz volle Festsaal der Freiheitshalle Keckes, Solistenkönnen und - keinesfalls aufgewärmtes - Altbekanntes.

Sebastian Manz steht vor dem Orchester. 33 Jahre, ein Klarinettist, famos und uneitel. Er tobt sich in Carl Nielsens Konzert für Klarinette mächtig aus - einem 25-Minüter des Dänen (1865-1932), der nicht ganz ohne Längen auskommt, aber einer, der Beherztheit und Luft verlangt. Oder: "Das Stück macht ein‘ fertig", wie Manz schnaufend und grinsend meint. Der Solist tritt in einen harschen musikalischen Streit mit den Symphonikern, vor allem mit der kleinen Trommel, der Nielsen auch in seinen Sinfonien gerne die Rolle des Störenfrieds zukommen lässt. Manz, preisgekrönt und als Interpret in der Welt zu Hause, spielt sich wie ein Harlekin melodisch frei, ist in jeder Sekunde Herr der Töne. Da swingt es, jazzt sogar ein wenig, wenn er seine Lippen spitzt und die Augenbrauen nach oben zucken. Er spielt rauschhaft wie ein Rocker, aber große Meisterschaft gelingt ihm in den leisen Tönen. Da schwingt der Ton ganz, ganz sacht in den Saal, kristallin sauber. Entsprechend laut und lang klatschen die Zuhörer, Jubelrufe mischen sich darunter. Die Strawinsky-Zugabe fühlt sich bei aller schlichten Schönheit nach dem wilden Nielsen-Werk da schon ein wenig brav an.

Den Sinn für atonale Ausflüge haben die Besucher schon früher gespitzt. Mit "Open Mind" des Schweden und Zeitgenossen Rolf Martinsson gehen die Symphoniker in den Abend. Es summt und surrt, legt an Wucht zu in den wenigen Minuten. Man kann das Stück gefälliger spielen, aber Wildner scheut nicht die queren Töne, er arbeitet sie mit seinen Musikern akkurat heraus, härtet ihren Charakter und tut damit "Open Mind" einen Gefallen. Während der Dirigent sich stoisch vor den Streichern platziert, rauscht es von der Bühne. Die Hofer Symphoniker mögen offenbar Grenzen, auf die sie zugehen und gern einen entscheidenden Schritt über sie hinwegsetzen. Sie dehnen Hörgewohnheiten aus. Dafür sind sie da. Auch.

Kontraste beherrschen die Stücke und das Programm. Nach Nielsen Mozarts Symphonie Nummer 39 anzusetzen, ist ein Sprung, der weit reicht, aber eine sanfte Landung verspricht. Johannes Wildner, der sonst gern wonnig vom Podest herabplaudert, schweigt überraschend. Womöglich aus Andacht für das Meisterwerk seinen Landsmannes, der - so heißt es - die Sinfonie nie von einem Orchester gehört hat. Mit viel Sinn für das komplexe Werk mit all seinen Schichten gehen die Symphoniker es an. Zu sagen, dass die schöne Flöte in der Flut der Töne zuweilen unterzugehen droht, ist vielleicht schon zu viel gekrittelt an einer Aufführung, in der es ein Orchester versteht, Forderndes scheinbar locker zu spielen.

Das ist schon ein Bravo wert, das im Festsaal nicht lange auf sich warten lässt. Nach Wildners Hüpfer.

Autor

Harald Werder

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Dirigenten Empathie Flöte Hofer Symphoniker Klarinette Klarinettisten Konzerte und Konzertreihen Musiker Orchester Sinfonien Wolfgang Amadeus Mozart
Hof
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mit Grieg zum Liebling: Den 27-jährigen Pianisten Teo Gheorghiu wieder nach Hof zu holen, war eine glänzende Idee. Foto: Jochen Bake

29.09.2019

Na dann, auf Wiederhör'n

Viel falsch machen können die Hofer Symphoniker beim ersten Konzert der Spielzeit nicht. Und das nutzen sie weidlich aus. » mehr

Jakob Böger

03.11.2019

Junge Talente, getragen von großem Klang

Im Festsaal der Freiheitshalle präsentieren sich sechs "Stars von morgen". Mit den Profis der Hofer Symphoniker halten sie gut mit. Dabei sind sie erst 15 bis 20 Jahre alt. » mehr

Kirill Petrenko

25.08.2019

Berliner Philharmoniker: Zehntausende feiern neuen Chefdirigenten

Kirill Petrenko tritt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker an - vor Zehntausenden Musikfans. Dabei ist dem Maestro nicht so sehr an großen Feiern gelegen. » mehr

Zu zweit mit Bach: Oboist Albrecht Mayer im Zweiklang mit Konzertmeister Lorenzo Lucca. Foto: Harald Dietz

14.07.2019

Vorbildlich!

Komponisten inspirieren Komponisten. In welche Höhen das führen kann, zeigen die Hofer Symphoniker unter Albrecht Mayer. » mehr

Konzentriertes Arbeiten war angesagt bei den Proben des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken in Weißenstadt.	Foto: Johanne Arzberger

22.04.2019

Weißenstadt als Trainingscamp für junge Musiker

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken probt im Kurort für seine alljährliche kleine Ostertournee. Das Programm ist höchst anspruchsvoll. » mehr

2300 Fans wollen "Dance, Brass & Beat"

31.05.2019

"Dance, Brass & Beat" ist ausverkauft

Für das Konzert-Ereignis am 18. Juli in Hof sind alle Karten vergriffen. 158 Musiker und 120 Tänzerinnen und Tänzer werden ein Musik- und Show-Feuerwerk entfachen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Die Turbine leuchtet in Kulmbach Kulmbach

Kulmbacher Turbinenhaus | 16.11.2019 Kulmbach
» 17 Bilder ansehen

Susis Blaulichtparty Weißenstadt

Susis Blaulichtparty | 16.11.2019 Weißenstadt
» 47 Bilder ansehen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 Garmisch-Partenkirchen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 | 17.11.2019 Garmisch-Partenkirchen
» 29 Bilder ansehen

Autor

Harald Werder

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:42 Uhr



^