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Kunst und Kultur

Bilder aus bewegter Zeit

Landschaften und Akte, Politisches und Lustiges: Dem Künstler Bernhard Nowak war alles recht. Bilder von ihm zeigt der Kunstverein Hochfranken Selb im Rosenthal-Theater.



Sammler-Ehepaar Karl Kern und Claudia Uschakow vor Nowak-Bildern im Rosenthal-Theater. Foto: asz
Sammler-Ehepaar Karl Kern und Claudia Uschakow vor Nowak-Bildern im Rosenthal-Theater. Foto: asz  

Selb - Karl Kern, in Hof lebender, vor Kurzem pensionierter Mathe- und Physiklehrer, ist ein Kunstsammler besonderer Art. Sozusagen monogam ist seine Beziehung zur Kunst, denn dem Werk eines einzigen Malers und Zeichners widmet er sich - so intensiv, dass er nahezu alles besitzt, was es von ihm gibt. Die Initialzündung geschah durch Liebe auf den ersten Blick. Auf einer Antiquariatsmesse in Kulmbach fing er 1998 Feuer für das Schaffen des hochbegabten, doch in Vergessenheit geratenen Bernhard Nowak, der 1904 im oberbayerischen Aubing geboren wurde und 1985 in Ostberlin gestorben ist. Cavon - ein Anagramm seines Nachnamens - nannte er sich, und "Cavon" heißt auch ein dickleibiger biografischer Roman, den Kern über Leben und Werk des Künstlers geschrieben und 2017 veröffentlicht hat.

Die Premiere der vom Sammler Kern organisierten Nowak-Ausstellungen liegt dreizehneinhalb Jahre zurück. Sie fand dort statt, wo Kern den größten Teil seines Berufslebens verbrachte - im Selber Walter-Gropius-Gymnasium. Bald darauf folgten der Kunstverein Hof und die Fürther Galerie in der Promenade. Nach zehnjähriger Pause gelangen Bilder von Bernhard Nowak nun wieder - so zahlreich wie nie zuvor - an die Öffentlichkeit. 147 Exponate, überwiegend kleineren Formats, sind im Foyer des Rosenthal-Theaters versammelt, und doch handelt sich’s nur um etwa zehn Prozent dessen, was Karl Kern und seine Frau Claudia Uschakow mit viel Mühe und einem finanziellen Aufwand, der etwa dem Preis eines Mittelklassewagens entspricht, erworben haben.

Bei der Eröffnung der Ausstellung brachten Ex-Kulturdezernent Hans-Joachim Goller und Volker Seitz, der zweite Vorsitzende des gastgebenden Kunstvereins, den Besuchern das Werk Nowaks nahe. "Er lebte bewegt in bewegten Zeiten", so schrieb der Künstler über sich selbst. Seine Malereien, Zeichnungen, Karikaturen und Collagen legen Zeugnis davon ab. Überwiegend im Stil der Neuen Sachlichkeit, oft mit expressionistischen Zügen, widmete sich Nowak der bürgerlichen Welt und den Irrwegen von Kultur und Politik; unter dem Titel "Atelierspuk" führt um 1938 "ein Kleemännchen den Entarteten eine artige Palette vor". Und immer wieder ging’s um Erotik, unverkennbar mit Lust; Frauen waren für ihn, dem biografischen Roman zufolge, "privat immer zentral". Das Glück, ein echtes Künstlerleben führen zu können, hatte Nowak allerdings nicht. Die Nazis erteilten ihm Berufsverbot, in der DDR, für die er sich als "Antikapitalist" bewusst entschied, machte er Karriere als Kulturjournalist, das eigene Werk blieb in der Schublade liegen.

Karl Kern bemüht sich nun, ihm postum Anerkennung zu verschaffen. Dazu pflegt er viele Kontakte, bei Wikipedia hat er einen umfangreichen Artikel über Nowak lanciert. Gar nicht, betont er, gehe es ihm darum, mit den Bildern Geld zu verdienen. Käuflich zu erwerben sind sie in der Ausstellung nicht.

—————

Bis zum 30. November; donnerstags von 16 bis 18, samstags von 10 bis 14, sonntags von 10 bis 12 Uhr. An diesem Samstag um 11 Uhr führt Sammler Kern durch die Ausstellung, am 24. November um 11 Uhr liest er aus seinem Roman "Cavon".

Autor

Ralf Sziegoleit
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
17:58 Uhr

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Autor

Ralf Sziegoleit

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Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
17:58 Uhr



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