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Kunst und Kultur

Der "Telefonitis" auf der Spur

Da staunt nicht nur der Laie: Unter dem Motto "Alles Papier" zeigt Beate Hoffmeister im Kunstverein Hof ihre Kunst.



Netzwerke der Telefonitis: Beate Hoffmeister mit "Zero Uno". Foto: asz
Netzwerke der Telefonitis: Beate Hoffmeister mit "Zero Uno". Foto: asz  

Hof - Den Schweizer Papierkünstler Fred Siegenthaler, der jetzt in Oberkotzau lebt, kennt sie schon seit 1987. Und weil sie von ihm eine Art Schub erhalten habe, sagt Beate Hoffmeister, sei es damals richtig losgegangen mit "Alles Papier". Zugleich auch mit altem Papier. Denn die in Berlin lebende Künstlerin, die 1952 in Essen geboren wurde, bevorzugt Bücher, die keiner mehr braucht. Vor allem mit dem Buch, das als das langweiligste gilt, dem Telefonbuch, stellt sie erstaunliche und manchmal geradezu unglaubliche Sachen an.

Indem sie die Bücher künstlerisch recycelt und in Bilder, Reliefs oder Skulpturen verwandelt, überführt sie scheinbar Überflüssiges auf eine ästhetische Wertebene. Auch alle Farben, die sie einsetzt, sind Bestandteil des Papiers, nichts wird von Hand eingefärbt. Zugleich spürt sie den Geheimnissen der "Telefonitis" nach: Ihre "Netzwerke" legen die Kontaktstellen und die Verbindungen von Namen und Zahlen bloß. Wer sie lesen will, muss allerdings den Blick scharfstellen.

Denn mit dem elektrischen Stapelschneider, der dicke Wälzer zerschneidet und - bei unvorsichtigem Gebrauch - auch Körperteile abtrennt, arbeitet Hoffmeister millimetergenau. Er ist ihr Pinsel und Zeichenstift, ein Werkzeug, das schmale Linien und feinste Striche zieht und mit dem Material, das die Künstlerin als flexibel, schön und spannend bezeichnet, manchmal so umgeht, dass man es nicht wiedererkennt.

Hoffmeister, die als Kunstlehrerin an Gymnasien unterrichtet hat, liebt die Irritation. Auf einem "Paper Patch" sieht Gemaltes so aus, als wäre es Papier, auf einem anderen verhält sich’s umgekehrt. "Datenbrei" heißen dünne Streifen, die aus einem Eimer zu quellen scheinen, und einem "Touch Table" darf man unter die Platte greifen, um Unsichtbares zu ertasten.

Ein vierteiliges Wandobjekt illustriert den Werbeslogan für ein Branchen-Telefonbuch ("Von Aalräucherei bis Zylinderstifte"), die quadratische Arbeit "Zero Uno" stellt dar, wie analoge Techniken von digitalen abgelöst werden. Das Beste aber - neben einem wunderbaren "kinetischen Papier", das sich wie eine Blüte verhält und vom Betrachter in Bewegung gesetzt werden darf - sind zwei handwerklich perfekte und grafisch strenge Serien von skulpturalen Objekten.

Beide wirken gleichermaßen edel, kostbar und schön, und bei jedem einzelnen Stück fragt man sich, wie sie’s wohl gemacht haben mag.

Neben einer "Groko"-Collage sind zwei Assemblagen mit dem rätselhaften Titel "Backkompetenz" zu sehen. Der rührt daher, dass zur Rezeptur Papiere aus dem Katalog einer Backmesse zählten. Deutlich wird bei alldem, dass Beate Hoffmeister höchste Kompetenz besitzt - in Sachen Kunst und Papier.

—————

Bis 19. Mai, Freitag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

Autor

Ralf Sziegoleit
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 04. 2019
19:10 Uhr

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15. 04. 2019
19:10 Uhr



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