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Kunst und Kultur

Die Frauenfrage: Frank Castorf zieht Fußballvergleich

In Berlin wird seit Monaten über die Zukunft der Volksbühne diskutiert. Jetzt meldet sich der langjährige Intendant Frank Castorf in einem Interview zu Wort. Er spricht über Theater, Fußball und Frauen – und sieht Parallelen.



Der ehemalige Intendant der Berliner Volksbühne, Frank Castorf, hat verteidigt, dass in seiner Zeit wenige Regisseurinnen zum Zuge kamen. „Wir haben eine Frauen-Fußballweltmeisterschaft und eine Männer-Fußballweltmeisterschaft, und in der Qualität des Spiels unterscheidet sich das schon sehr“, sagte der 66-Jährige der „Süddeutschen Zeitung“ vom Freitag.

Damit wolle er sagen, dass eine Frau dieselbe Qualität haben müsse. „Ich war ein großer Verehrer von Pina Bausch, oft kopiert, nie ist einer rangekommen. Nicht jeder, der ein Diplom in Theaterwissenschaft hat, ist dafür prädestiniert, Kunst ausüben zu dürfen und andere Menschen damit zu belästigen.“ Wenn eine Frau besser sei, habe er nichts dagegen. „Nur habe ich so viele nicht erlebt.“

Seinem alten Theater trauert Castorf laut eigener Aussage nicht mehr hinterher. „Es ist so wie mit einer Liebe, die vorbei ist. Ich hätte auch nicht die Kraft, es noch einmal zu machen“, sagte er. „Die Volksbühne war ein gut funktionierendes Theater, jetzt ist es tot. Natürlich ist das verletzend“, gab der umstrittene Regisseur zu. Verglichen mit den Problemen anderer Leute wolle er sich aber nicht beschweren: „Die Kassiererin bei Lidl hat andere Sorgen. Dagegen ist das Los eines alternden weißen Intendanten nichts, womit man Mitleid haben muss.“

Gegenüber seinem nach nur einigen Monaten an der Volksbühne gescheiterten Nachfolger, dem Belgier Chris Dercon, empfinde er keine Schadenfreude, betonte Castorf. „Ich kann mich doch nicht freuen, dass man vor einem Scherbenhaufen steht und die Leute im Kostümfundus und in den Werkstätten Depressionen haben. Das ist furchtbar.“ Als Nachfolger für die Leitung bringt Castorf einen Mann und eine Frau ins Spiel: das Duo Vegard Vinge und Ida Müller.

Castorf leitete die Volksbühne rund 25 Jahre lang von 1992 bis 2017. Seitdem arbeitet er als freier Regisseur. Seit Mai zeigt die Bayerische Staatsoper in München seine Inszenierung von Leoš Janáceks Oper „Aus einem Totenhaus“, am Freitag sollte Castorf am Münchner Residenztheater die Premiere von „Don Juan“ feiern.

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29. 06. 2018
17:01 Uhr

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29. 06. 2018
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