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Kunst und Kultur

Die Stimme einer höheren Macht

Glenn Hughes schlägt zu pumpenden Bass-Läufen extreme Falsett-Kapriolen. Der Rockstar verleiht den Stücken aus seinen drei Jahren mit Deep Purple erstaunliche Frische.



Ein Ereignis als Bassist, Sänger und Entertainer: Ex-Deep-Purple- und Ex-Black-Sabbath-Mitglied Glenn Hughes rockte die Felsenbühne. Foto: Andrea Herdegen
Ein Ereignis als Bassist, Sänger und Entertainer: Ex-Deep-Purple- und Ex-Black-Sabbath-Mitglied Glenn Hughes rockte die Felsenbühne. Foto: Andrea Herdegen  

Wunsiedel - Klar, es war schon wirklich saukalt am Samstagabend auf der Luisenburg. Aber wer nach dem umjubelten Konzert von Manfred Mann’s Earth Band (siehe Artikel unten) den harten, kühlen Holzklappsitz lieber gegen kuschelige Sofakissen daheim am warmen Ofen eintauschte, hat das Beste am "Rock im Fels"-Event dann eben doch verpasst. Ein charismatischer, energiegeladener Glenn Hughes rockt die Bühne mit Songs aus seiner Zeit bei Deep Purple. Das waren drei Jahre Anfang der Siebziger, und dementsprechend altbacken könnte das Material nach gut 45 Jahren klingen. Doch Hughes legt sich mächtig ins Zeug und verleiht den Songs von den Alben "Burn", "Stormbringer" und "Come Taste The Band" erstaunliche Frische.

Es sind selten live gehörte Stücke, denn Deep Purple spart bei eigenen Konzerten die Ära um Hughes und den seinerzeitigen Sänger David Coverdale gerne aus. Zu mächtig sind da wohl die Egos von Ian Gillan (Sänger vor und nach Coverdale) und Roger Glover (Bassist vor und nach Hughes). Umso schöner, die Werke aus der blueslastigen Mark-III-Phase der - ständigen Umbesetzungen unterworfenen - legendären Hardrock-Band von einem hören zu können, der dabei gewesen ist.

Mit "Stormbringer" startet Glenn Hughes wuchtig in seinen Auftritt. Der aus den englischen Midlands stammende Wahl-Kalifornier trägt zur verspiegelten Sonnenbrille und den immer noch üppig wallenden schwarzen Haaren die Tracht des ewigen Hippies: eine fröhlich gemusterte Hose in Dunkelrot, ein weit geschnittenes Satin-Hemd und darüber eine rote Weste. Dazu erklärt er gerne, dass er Deutschland im Allgemeinen und Wunsiedel und die Zuhörer auf der Luisenburg im Besonderen liebe. Doch der Mann hat eine so intensive Ausstrahlung, dass das alles nie lächerlich wirkt. Ganz ernsthaft erklärt er: "Ihr denkt, ihr seid gekommen, um mich zu sehen. Aber das stimmt nicht. Ich bin gekommen, um euch zu sehen."

Während er sich mit seinem Bass ganz ohne jede Anstrengung durch aberwitzige Läufe pumpt, fasziniert er stimmlich mehrere Oktaven höher. Treffsicher schlägt er immer wieder extreme Falsett-Kapriolen, reißt das Publikum zu spontanem Jubel hin. Beeindruckend auch sein Gospel-Ausflug bei "Georgia On My Mind", das er mit Inbrunst intoniert, als hätte er das Singen in einem Baptisten-Kirchenchor der Südstaaten gelernt.

"Was ihr hört, das ist nicht meine Stimme", erklärt Hughes den Zuhörern. "Es ist die Stimme einer höheren Macht, die mir geschenkt wurde, um sie an euch weiterzugeben." Und das tut er: Tief bluesig in "Might Just Take Your Life" oder herzzerreißend klagend als verletzte Seele im Klassiker "Mistreated". Oder als Shouter der Extraklasse bei der rasanten Zugabe "Highway Star". Längst hat er die stehend mitgehenden Besucher in seinen Bann gezogen. Viele im Publikum hatten ja keine Ahnung, dass der Ex-Bassist von Deep Purple eine derart außergewöhnliche Stimme hat.

Mit einem breiten Grinsen spult Glenn Hughes die Rockstar-Posen ab, so richtig ernst gemeint ist das alles nicht mehr. Hughes ist aber kein Mauerblümchen-Bassist wie so viele der Tieftöner im Rock-Business, er ist ein Entertainer durch und durch. Aber er hat die Größe, auch mal beiseite zu treten und seine Band-Mitglieder brillieren zu lassen. Søren Andersen, der Ritchie-Blackmore-Gitarrenriffs neu interpretiert, Jesper Bo Hansen, der an der Hammond-Orgel wummert wie einst Jon Lord. Und Ash Sheehan, den Hughes als seinen "crazy drummer" vorstellt. Keine Untertreibung: Sheehan legt ein langes Solo von animalischer Wucht hin. Das Publikum kreischt.

Glenn Hughes zeigt, dass man auch mit 68 noch voll im Hardrock-Saft stehen kann. Er ist ein Ereignis. Als Bassist. Als Sänger. Und als charmanter Entertainer an einem bemerkenswerten Rock-Abend zwischen den Granitblöcken der Felsenbühne.

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Andrea Herdegen
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Veröffentlicht am:
08. 09. 2019
17:20 Uhr

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Autor

Andrea Herdegen

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Veröffentlicht am:
08. 09. 2019
17:20 Uhr



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