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Kunst und Kultur

Durchlaucht gibt sich die Ehre

Die Operette "Gräfin Mariza" feiert bei den Luisenburg-Festspielen Premiere. Nach Anlaufschwierigkeiten laufen die Sänger zu Höchstform auf.



Dem Ensemble der Operettenbühne Wien gelingt mit "Gräfin Mariza" ein Operetten-Klassiker bei den Luisenburg-Festspielen. Foto: Holger Stiegler
Dem Ensemble der Operettenbühne Wien gelingt mit "Gräfin Mariza" ein Operetten-Klassiker bei den Luisenburg-Festspielen. Foto: Holger Stiegler  

Wunsiedel - Man kann schon mal durcheinander kommen - so wie es am Donnerstagabend Ensemble-Chef Heinz Hellberg bei der Begrüßung passiert ist. Und so ist es nicht "Die Csárdásfürstin", die die Luisenburg-Bühne besucht, sondern die "Gräfin Mariza". In gewisser Weise kann man die beiden adeligen Damen schon verwechseln, haben sie doch mit Emmerich Kálmán denselben musikalischen Schöpfer. Die Operettenbühne Wien gastiert mittlerweile zum 19. Mal auf der Luisenburg und hat all das dabei, was das Genre Operette so überaus reizvoll macht. Liebeleien ohne Ende, ein Hit nach dem anderen und eine Geschichte, so komisch und voller Wendungen, dass sie auch gut als Märchen durchgehen könnte. Ungarisches Temperament und die Folklore seiner Heimat hat Kálmán geschickt verwoben mit großem Einfallsreichtum an zündenden Melodien.

Inkognito als Bela Törek flüchtet der verarmte Graf Tassilo als Gutsverwalter in die Dienste der reichen Gräfin Mariza und hofft so, seiner Schwester Lisa weiter ein standesgemäßes Leben und eine Mitgift zu sichern.

Unerwartet erscheint Gräfin Mariza - schön, reich und ein wenig übermütig - auf dem Gut, um ihre Verlobung mit Baron Zsupán zu feiern. Der Bräutigam in spe ist nicht anwesend, denn Mariza hat ihn erfunden, um sich lästige Verehrer vom Hals zu halten. Umso erstaunter ist sie, als Zsupán plötzlich leibhaftig und auch noch heiratswütig vor ihr steht. Auch Tassilo erlebt eine Überraschung: Lisa hat ihre Freundin Mariza begleitet. Tassilo nimmt ihr das Versprechen ab, seine Tarnung zu wahren. Mit der Weissagung einer Zigeunerin nehmen die amourösen Verwicklungen ihren Lauf, bis schlussendlich die Liebe Mariza und Tassilo, aber auch Lisa und Zsupán, als Paare zusammenführt. Ende gut, alles gut - Operette eben.

Wer sich dieser Operette annimmt, weiß natürlich, dass er sich auch eine gewisse Bürde auflädt: Die meisten Melodien sind dem Publikum geläufig, zum Teil kann man sie mitsingen und mitsummen, was manche Besucher auch tun. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die handelnden Personen gesanglich hochkarätig besetzt sind - was sie an diesem Abend trotz kleinerer "Anlaufschwierigkeiten" auch sind.

Kerstin Grotrian in der Titelrolle als Gräfin Mariza und Stefan Reichmann als Tassilo wirken bei ihren jeweiligen ersten Solo-Arien stimmlich noch stellenweise etwas unsicher, steigern sich aber im Laufe des Abends zu Höchstleistungen. Das Publikum darf sich so über wunderbar voluminöse und zugleich auch klare Stimme freuen. Lediglich an der Temperaments-Schraube des Tassilo-Darstellers könnte noch etwas nach oben gedreht werden. Ideal besetzt ist auch die Rolle der Lisa mit Anete Liepina, die ihrer Rolle eine ganz persönliche frische Note verleiht. Zusammen mit David Hojsak als witziger und leicht "angetrottelter" Baron Zsupán bilden sie das Traumpaar des Abends, das auch mit viel tänzerischem Einsatz das Publikum begeistert.

Für komödiantische Elemente, teils gewürzt mit Slapstick-Einlagen, sorgen auch Viktor Schilowsky in der Rolle des Fürsten Populescu und vor allem Gerhard Karzel bei seinem Kurzauftritt als Kammerdiener Penizek, der aus jedem Theaterklassiker das passende Zitat parat hat. Insgesamt stehen in manchen Szenen knapp 40 Personen auf der Bühne, die für imposante Chor-Gesänge sorgen. Einen Sonderapplaus haben aber auch die Tanzpaare verdient, die facettenreich ihre Choreografien von Enrico Juriano aufs Parkett bringen.

Regisseur Heinz Hellberg hat bei seiner Arbeit auf Experimente verzichtet - weder gibt es eine "moderne" Inszenierung noch einen "abstrusen" Regieeinfall. Das Stück kommt in einem traditionellen Gewand daher, ganz wie es das Publikum offensichtlich mag. Das Bühnenbild ist relativ üppig mit vielen (künstlichen) Blumen, die verschiedenen Szenerien werden gut dargestellt. Dank der Chorsänger und der Statisten wird in den "Massenszenen" die Felsenbühne gut genutzt. Auch die einzelnen Farbtöne des Bühnenlichts gepaart mit den Kostümen der Akteure ergeben ein sehr stimmiges Bild. Musikalischer Leiter Laszlo Gyükér hat das Orchester gut im Griff, den wunderbaren Melodien verleihen die Instrumentalisten den richtigen Schwung.

"Einmal möchte ich wieder tanzen", "Schwesterlein, Schwesterlein", "Komm mit nach Varasdin", "Komm, Zigan" und noch viele weitere Ohrwürmer schwirren durch das Auditorium. Zum Schluss: Kräftiger und verdienter Beifall des Publikums.

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Holger Stiegler
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Veröffentlicht am:
17. 08. 2018
21:36 Uhr

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Holger Stiegler

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Veröffentlicht am:
17. 08. 2018
21:36 Uhr



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