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Kunst und Kultur

Ein Poet in der Traumfabrik

Vor 130 Jahren wurde Charlie Chaplin geboren. Aus dem Anlass kommt sein Leben als Musical auf die Bühne. Die Zuschauer in Selb sind hingerissen.



Einblick in ein Hollywood, das nicht für jeden eine Traumfabrik war, bot "Chaplin - das Musical" im Rosenthal-Theater.	Foto: Silke Meier
Einblick in ein Hollywood, das nicht für jeden eine Traumfabrik war, bot "Chaplin - das Musical" im Rosenthal-Theater. Foto: Silke Meier  

Selb - Am Samstag erst Premiere mit neuer Besetzung in Waldfischbach-Burgalben/Rheinland-Pfalz, am Sonntag eine zweite Show in Wiesloch/Baden-Württemberg und am Dienstag schon auf den Brettern im Rosenthal-Theater: Der Frank-Serr-Showservice war mit "Chaplin - das Musical" vor gut besuchtem Haus in Selb zu Gast. Zum 130. Geburtstag von Charlie Chaplin, dem britischen Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Schnittmeister, Komponisten und Filmproduzenten, der vermutlich in London am 16. April 1889 geboren wurde, brachte das Ensemble das Leben, den Aufstieg und den Fall des genialen Komikers erneut auf die Bühne.

"Du warst komisch. Ich wünschte, ich hätte dich nie erschaffen", sagt Chaplin im Stück im Rückblick auf sein Leben. Und dieses Leben erzählen mit dieser Show junge, talentierte Schauspieler in tollen Kostümen, vor großartiger Kulisse und mit fetzigen Tanzeinlagen zur Musik von Christopher Curtis.

Charles Spencer Chaplin, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, nimmt die Einladung nach Hollywood an und verlässt London. Das Leben als Halbwaise im Armenhaus lässt er hinter sich und sucht - als Poet, Träumer und Wanderer - seine Identität.

Doch dafür ist die Traumfabrik nicht geschaffen. "Du brauchst weder Charakter noch Motivation. Alles, was du sein sollst, ist komisch", weist Dirk Hinzberg als Mack Sennett, Regisseur und Chef der Keystone Studios, ihn an. Hinzberg war unter anderem in der "Rocky Horror Show" auf der Luisenburg zu sehen. Den Charme, aus einem widrigen Leben eine brillante Komödie zu machen, bringen die Schauspieler und das Kreativteam mit Choreografen und Kostüm-Designerin professionell ins Scheinwerferlicht.

Charlie Chaplin, der bisweilen einsame, traurige Clown (Bas Timmers), heiratet dreimal unglücklich, wird als Künstler und Macher von Stummfilmen dagegen ein Weltstar. Das Musical zeigt auch Ausschnitte aus einigen seiner berühmten Filme. Am 15. Oktober 1940 etwa war die Uraufführung von "Der große Diktator", eine Satire auf Hitler und den deutschen Nationalsozialismus.

In dem Bühnenstück wird deutlich, wie die Karriere Charlie Chaplins in Hollywood in dem Augenblick kippt, als der Filmemacher öffentlich zu sprechen beginnt. In der Rede an das Volk, als Stimme der Hoffnung, spricht Chaplin für die Armen und Unterdrückten.

Großartig ist Marie-Louise van Kisfeld in der Rolle der Hedda Hopper, die in den 1930er-Jahren Schauspielerin und Kolumnistin war und Chaplin "unamerikanischer Umtriebe" bezichtigte. Schließlich lernt Chaplin seine vierte Ehefrau, Oona O’Neill (Lasarah Sattler), die große Liebe seines Lebens kennen. Während der langjährigen Ehe werden ihnen acht Kinder geboren.

Charlie Chaplin wird mit dem Friedenspreis des Weltfriedensrates, einem Ehren-Oscar und 1973 schließlich mit dem Oscar für die beste Filmmusik zu "Limelight" (Rampenlicht) ausgezeichnet. Zwölf Minuten Applaus soll er dafür vom Publikum erhalten haben - bis heute ein Rekord in der Filmgeschichte. 1975 wird er von der Queen in den Ritterstand erhoben.

Der Chaplin auf der Bühne im Rosenthal-Theater bleibt trotz des privaten Glücks in der Ehe ein Fragender und Suchender: "Wo sind all die Leute hin?" Der Junge aus dem Armenhaus, dessen Mutter in eine Anstalt für Geisteskranke gebracht wurde, stellt als erwachsener Mann, nach Ruhm und Reichtum in Hollywood und Ehrungen, fest: "Es war ein Fehler, ihn, den Charlie Chaplin, aufzugeben."

Kurz nach der Premiere bleibt für diese Produktion noch lange Zeit, den facettenreichen Träumer, Poeten und Wanderer auf den Bühnen in Deutschland, der Schweiz und in Luxemburg zum Leben zu erwecken; und seine Geschichte zu spielen, die berührt, nachdenklich macht, unterhält und begeistert. Das Publikum in Selb ließ sich mitreißen und dankte den Darstellern mit herzlichem Applaus.

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Silke Meier
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Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
17:22 Uhr

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Autor

Silke Meier

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Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
17:22 Uhr



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