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Kunst und Kultur

Eine Generation on the road

Die Fotografin Annie Leibovitz begleitete für den "Rolling Stone" Künstler in den frühen 1970er-Jahren. Ein Buch zeigt die Bilder dieser bewegenden Zeit.



Foto: Taschen Verlag
Foto: Taschen Verlag  

Annie Leibovitz gehört zweifellos zu den Ikonen der zeitgenössischen Fotografie. Ihre Bilder, vornehmlich Porträts der Wohlbekannten aus Politik, Kunst, Mode, Film und Musik, sind im Stil unverwechselbare Inszenierungen. Sie prägt mit ihrer Art, die Aufnahmen zu gestalten, die Szene noch heute; für die Porträtierten ist es eine Ehre, von ihr fotografiert zu werden. Ihr Talent und ihre Fähigkeit, hinter die Fassade des schönen Scheins zu schauen, sind legendär.

So legendär wie eines ihrer ersten Bilder, aufgenommen 1968 an der Half Moon Bay in Kalifornien: Ein Blick durch ein Autofenster auf den Strand. Wenig spektakulär. Doch beim genauen Hinsehen spürt man bereits die Dichte und die visuelle Neugier in der Komposition - die Konzentration auf die Kernaussage: das nahe Meer, die Schaumkronen und der melancholische Himmel. Annie Leibovitz sagt selbst über dieses Bild, es sei das erste gewesen, bei dem sie dachte, sie habe ein Talent für die Fotografie. Zu dieser Zeit studierte die 19-Jährige Malerei am San Francisco Art Institute. Noch - denn schon wenig später wechselte sie in die fotografische Abteilung und begann 1970 im ebenfalls legendären Musikmagazin "Rolling Stone" zu veröffentlichen.

Dieser Zeit widmet sich das Buch "Annie Leibovitz - The early years 1970-1983", erschienen im Taschen-Verlag. Der Band ist die aufbereitete Zusammenstellung der gleichnamigen Ausstellung der Luma-Stiftung, die 2017 das komplette Archiv Leibovitz‘ aufgekauft hat. Luma, ein Projekt der Schweizer Milliardärin Maja Hoffmann, baut derzeit im südfranzösischen Arles ein Kulturzentrum, in das bereits mehr als 150 Millionen Euro investiert wurden.

Die frühen Jahre von Leibovitz sind ein
Roadmovie - sie begleitete zahllose Stars mit der Kamera bei Konzertreisen durch die USA. Die Bilder, die sie aufnahm, erschienen allesamt im "Rolling Stone", dessen wichtigste Fotografin sie in den frühen 1970er-Jahren war. Stets zeigen die Fotografien einen journalistischen Blick auf ihre Sujets. Die Kamera bleibt nicht verborgen, wie es andere Fotografen jener Zeit postulierten - nur die versteckte Kamera nehme wahre Bilder auf. Leibovitz arbeitete immer frontal und offen, lebte tagelang bei und mit den Künstlern, und so verloren sie ihre Scheu und öffneten sich. Dadurch werden intime Szenen möglich, die die Künstler in den stillen Minuten vor dem Konzert zeigen, im Tourneebus, bei Proben oder alltäglich beim Spiel mit den Kindern. Immer entstehen intensive, persönliche Bilder, die einen vertrauten und vertraulichen, stets ehrlichen und offenen Charakter haben. Bilder von Menschen und Situationen, die greifbar werden.

Schonungslose Ehrlichkeit

Durch das frühe Werk von Annie Leibovitz ziehen sich wie ein roter Faden die Reisen durch die Staaten, im Auto und im Bus, und eine schonungslose Ehrlichkeit, die die USA in den verwirrenden 1970er-Jahren porträtiert. Auch Klassiker der modernen Fotografie finden sich in dem Buch: das weltberühmte Foto von John Lennon und Yoko Ono, aufgenommen wenige Stunden vor dem Mord an Lennon am 8. Dezember 1980; Porträts von Andy Warhol, Patti Smith, Bruce Springsteen, Roman Polanski. Mehr als nur ein Bilder-Buch vermittelt der Band einen tiefen Einblick in die USA zwischen dem Summer of Love 1968, Woodstock, der Nixon-Ära bis hin zur Wende in die Computerzeit.

Fazit: Fotografie und Zeitgeschichte in einem, ist der Band vor allem auch ein optischer Genuss. Unbedingt empfehlenswert.

—————

"Annie Leibovitz - The early years, 1970-1983", Taschen Verlag, 40 Euro.

Autor

Maximilian Busl
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
02. 01. 2019
18:24 Uhr

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02. 01. 2019
18:24 Uhr



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