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Kunst und Kultur

Emotionen vom anderen Ende der Welt

Die Australierin Toby Beard eröffnet die Kulturwelten 2018. Sie begeistert in Helmbrechts mit gefühlvollen Geschichten.



Hocherfreut, wieder mal vor deutschem Publikum auftreten zu dürfen: Toby Beard aus Australien (links) mit Josse Sharrard (Percussion) und Caroline Kamp (Bass). Foto: Herdegen
Hocherfreut, wieder mal vor deutschem Publikum auftreten zu dürfen: Toby Beard aus Australien (links) mit Josse Sharrard (Percussion) und Caroline Kamp (Bass). Foto: Herdegen  

Helmbrechts - Die Kulturwelten 2018 beginnen mit Gänsehaut: Das A-cappella-Intro zu "Sunday Morning" ist dreistimmiger Satzgesang vom Feinsten. Die Australierin Toby Beard und ihre Mitmusiker haben sofort die volle Aufmerksamkeit des Publikums im ausverkauften Textilmuseum. Und so wird es über zwei Stunden bleiben. Beard fesselt ihre Zuhörer mit ihren Songs, mit den Geschichten, die sie erzählt.

"Ihr Deutschen versteht es, zuzuhören", sagt die Frau mit der kecken Kurzhaarfrisur. Deshalb spiele sie so gerne hier. Auch wenn der Weg auf deutsche Bühnen weit ist. Gut zwanzig Flugstunden sind Beard und ihre Gitarren am Dienstag angereist. In Holland hat sie ihre Mitmusiker getroffen, darunter den E-Gitarristen Thomas Renard aus Belgien, mit dem sie noch nie zuvor gespielt hatte. "Macht nichts", sagt die sympathische Australierin. "Wir hatten ja fast neun Stunden auf der Autobahn, um uns kennenzulernen."

Das Zusammenspiel der beiden klappt auf Anhieb. Beard legt auf ihrer akustischen Gitarre die Basis der Stücke, Renard darf darüber improvisieren, meist in wunderbar bluesgetränkten Soli. Die beiden Holländer an Bass und Schlagzeug kennt Beard schon länger. Caroline Kamp und Josse Sharrard bringen sich auch als Sänger ein, immer wieder wechseln sie die Positionen, je nachdem, was der Song verlangt. Und Toby Beard hüpft von einem zum anderen, strahlt übers ganze Gesicht, lacht die Mitglieder ihrer Band aufmunternd an. Kein Jetlag ist zu spüren, nur pure Begeisterung darüber, vor Publikum Musik machen zu dürfen.

Elf weitere Konzerte wird das spielfreudige Quartett in den nächsten zwei Wochen in Deutschland und in der Schweiz geben.

Toby Beards von Folk geprägte Songs sind sparsam instrumentierte Perlen, die Texte transportieren tiefe Gefühle. Etwa das Lied, das sie nach dem Tod ihres Großvaters geschrieben hat. Traurig und melancholisch hatte es werden sollen, doch herausgekommen ist eine flotte Uptempo-Nummer mit fröhlicher Pfeif-Einlage. Beards Erinnerung an ihren Opa war eben bestimmt von dessen stets gut gelauntem Lächeln. Der Song für ihn heißt "Smile".

"Slow down" dagegen ist eine musikalische Mahnung an ihren kleinen Sohn Angus, der seine Mom zu Hause in Perth offenbar ganz schön auf Trab hält. Toby Beard verarbeitet persönliche Erfahrungen in ihren Liedern so, dass sie sich die Zuhörer in ihrer Erlebenswelt zu eigen machen können. Ihre kraftvolle Stimme, die durchaus auch rockig röhren kann, nimmt sie meist gefühlvoll zurück. Sie singt von Liebe - frisch entflammter und längst verflossener. Ihre Melodien atmen die entspannende Weite Westaustraliens, in der alles einen Tick langsamer geht. Wie sollte auch Hektik aufkommen, wenn man weiß, dass man vom Tor des Anwesens am Highway bis zum Haupthaus noch zwei Stunden fahren muss?

"Wahre Geschichte", beteuert
Beard, als sie das erzählt, und selbst ihre Mitmusiker ungläubig die Stirn runzeln. "Und die Post wird mit einem kleinen Flugzeug gebracht." Trotzdem sind ihre Lieder kein Outback-Haudrauf-Country für Dosenbiertrinker, sondern fein ziseliertes urbanes Songwriting.

Heinz Königs ungewöhnliche Wahl für den Kulturwelten-Auftakt ist aufgegangen. Kein großer Name, der die Massen anzieht, sondern eine fast unbekannte Künstlerin vom anderen Ende der Welt. Aber jemand von exquisiter Qualität. Genau dafür stehen die Helmbrechtser Kulturwelten. Auch in diesem Jahr.

Autor

Andrea Herdegen
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Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
19:28 Uhr

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Andrea Herdegen

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Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
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