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Kunst und Kultur

Erinnerung an zwei ganz Große

Im Rosenthal-Theater widmet sich eine Ausstellung dem Wirken des Malers Josef Hendel und des Bauhaus-Gründers Walter Gropius. Deren Schaffen wirkt bis heute nach.



Bei der Eröffnung der Ausstellung "100 Jahre Bauhaus - Zeitgeschichten (von links): Künstler Detlev Bertram, der in einem der Hendel-Häuser in Hranice bei Asch wohnt, Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, Pavel Klepácek, zweiter Bürgermeister der Stadt Asch, Daniel Mašlár, Bürgermeister von Hranice, Kunsthistorikerin Dr. Ute Ewering, Ernst und Annett Ruben, persönliche Freunde von Josef Hendel, Kuratorin Beate Roth, Pablo Schindelmann, Geschäftsführer von "Selb2023", und Janis Große-Wöstmann, Kulturbeauftragter der Gemeinde Neuenkirchen im Münsterland.
Bei der Eröffnung der Ausstellung "100 Jahre Bauhaus - Zeitgeschichten (von links): Künstler Detlev Bertram, der in einem der Hendel-Häuser in Hranice bei Asch wohnt, Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, Pavel Klepácek, zweiter Bürgermeister der Stadt Asch, Daniel Mašlár, Bürgermeister von Hranice, Kunsthistorikerin Dr. Ute Ewering, Ernst und Annett Ruben, persönliche Freunde von Josef Hendel, Kuratorin Beate Roth, Pablo Schindelmann, Geschäftsführer von "Selb2023", und Janis Große-Wöstmann, Kulturbeauftragter der Gemeinde Neuenkirchen im Münsterland.   » zu den Bildern

Selb - Nein, diesen Pullunder hätte Walter Gropius wahrscheinlich nicht getragen. Zur ungewöhnlichen Ausstellung mit Werken von Josef Hendel und in Erinnerung an Walter Gropius, den Gründer des Bauhauses, stimmte die Theater-Gruppe des Selber Walter-Gropius-Gymnasiums mit einem Anspiel auf die Ausstellung "100 Jahre Bauhaus-Zeitgeschichten" ein, die am Freitag im Rosenthal-Theater eröffnet wurde.

So saß Tabea-Stephanie Amtmann, die Leiterin des WGG, quasi als Ausstellungsbesucherin im Foyer, als Josef Hendel, dargestellt von Wolfgang Eschenbeck, mit dem Fahrrad und gepackten Satteltaschen hereinfuhr. Ob er denn im Walter-Gropius-Gymnasium sei, fragte er verdutzt und erfuhr von der Ausstellung, die just im Moment eröffnet werde.

Josef Hendel, der einsame Ernste, der unbeirrbar seinen Weg ging, wog seine Glücksbilanz auf. "Ich bin zufrieden", sagte er und deutete auf den liebevoll von Ehefrau Maria handgearbeiteten Pullunder: "Den hätte Gropius nicht getragen."

Gropius, Reformer der Architektur und der Kunst, wurde nach nur zwei Semestern Architekturstudium Leiter des Bauhauses. Willensstärke und Improvisationstalent zeichneten ihn aus, so gaben es die Akteure der Schauspiel-AG wieder. Zu Gropius’ Stärken zählten Offenheit und Neugier, und er galt als Erfinder cleverer Lösungen.

Beate Roth, Kuratorin der Ausstellung, stellte die Bedeutung des in Hranice (Roßbach) geborenen Künstlers Josef Hendel heraus. Auf der Spurensuche nach weiteren Werken in der Region und motiviert durch den Wunsch, Josef Hendels Leben und Schaffen mehr Bekanntheit zu verschaffen, wurde Roth klar: "Der Künstler und sein Werk müssen in das Licht der Öffentlichkeit."

Detailliert erläuterte Kunsthistorikerin Dr. Ute Ewering den fast vergessenen Künstler und suchte nach Gemeinsamkeiten mit Gropius. "Bei beiden stand der Mensch im Mittelpunkt", stellte Ewering fest. Für die Arbeitswelt, das Wohnen und für die Ästhetik im alltäglichen Leben schuf Gropius geordnete Formen. Hendel habe das Agieren des Menschen und das Innere in Strukturen bringen wollen.

Seine vielschichtigen Malereien erweckten Anstoß. Von der Familie wurde Hendel enterbt. Er lavierte durch das Leben, feierte aber schon als Student Erfolge. Neben Großen wie Wassily Kandinsky und Paul Klee stellte er in der Galerie Goltz in München frühe Holzschnitte aus. Josef und Maria Hendel unternahmen Auslandstouren mit dem Fahrrad in einer Zeit, als das Auto in Mode kam. Die Hendels stellten Kleidung selbst her und ernährten sich bewusst und alternativ nach Hildegard von Bingen. "Sie waren die Hipster ihrer Zeit", betonte Ewering.

Die Ausstellung im Rosenthal-Theater zeigt einen Querschnitt von Hendels Schaffens: Holzschnitte, Ölgemälde und Federzeichnungen. Die Werke lassen Fantasie und Esprit und eine kritische Betrachtungsweise der damaligen politischen Situation erkennen. Die Metaphysik der Malereien fordere vom Betrachter, die geistig hintergründigen Sinnschichten zu entdecken. In seinem Schaffen verarbeitete Josef Hendel aktuelles Zeitgeschehen, Ereignisse und Erinnerungen.

Seine Werke gingen nach seinem Tod in den Besitz der Gemeinde Neuenkirchen über. Hendel lebte nach Flucht und Vertreibung bis zu seinem Lebensende im Münsterland.

Pablo Schindelmann, Geschäftsführer von "Selb 2023", dankte bei der Eröffnung Ernst und Annett Ruben. Ruben war persönlich mit Josef Hendel befreundet und hob zahlreiche Briefe des Künstlers auf.

Während der Ausstellung ist das Modell zu Gropius-Stadtentwicklungsplan im Theater Foyer aufgebaut. Gropius gestaltete das Werk der Firma Rosenthal am Rothbühl und kam 1966 nach Selb, um den ersten Tunnelofen in Betrieb zu nehmen. Im Austausch mit dem damaligen Oberbürgermeister Christian Höfer entstand eine Stadt- und Verkehrsplanung für Selb. "Diese ist bis heute noch attraktiv und zeitgemäß", hob Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch hervor und dankte der Firma Rosenthal, die das Modell aufbewahrte, sowie Bauamtsleiter Helmut Resch, der es gegenwärtig verstehe, zu tun, was für die Stadt Selb gut sei. "Der Plan von Gropius ist ein Fundament, auf das wir aufbauen können, damit wir auch in Zukunft Selb zu etwas Besonderem machen", sagte Pötzsch.

—————

Die Ausstellung "100 Jahre Bauhaus - Zeitgeschichten" ist bis zum 25. Oktober im Rosenthal-Theater in Selb zu sehen.

Autor

Silke Meier
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Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
17:08 Uhr

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Silke Meier

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29. 09. 2019
17:08 Uhr



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