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Kunst und Kultur

"Es ist alles halb so wild"

Wunsiedel - Hannes Ringlstetter ist auf "Fürchtet Euch nicht!"-Tour.



Interview: mit Hannes Ringlstetter
Interview: mit Hannes Ringlstetter  

Wunsiedel - Hannes Ringlstetter ist auf "Fürchtet Euch nicht!"-Tour. Am Samstag um 20 Uhr gastiert der Kabarettist, Moderator und Sänger mit seiner Band in der Fichtelgebirgshalle Wunsiedel. Im Interview berichtet der 49-Jährige über buddhistische Grundhaltung, die Angst an sich und warum er nachts vom Rappen träumt.

Herr Ringlstetter, das Album "Fürchtet Euch nicht!" ist nun fast ein Jahr alt. Wie ist es dazu gekommen? Als Reaktion auf unsere Zeit?

Ja, genau deswegen. Ich habe festgestellt, dass in unserer Gesellschaft die Angstmacherei so gut funktioniert. Keine Angst zu haben, geht auch nicht, das gehört ja dazu. Aber dieses künstliche Aufbauschen finde ich seltsam. Einer meiner Politikprofessoren an der Uni hat mal gesagt, wenn es in einer Demokratie das eine gibt, dann muss es auch das andere geben. Dann hab ich mir gedacht, wenn jetzt alle so nach Angst schreien, dann schreibe ich einfach auf ein Plakat "Fürchtet Euch nicht!".

In einer Zeit, in der es zum guten Ton gehört, Quellen anzuzweifeln, verlassen Sie sich ausgerechnet auf eine 2000 Jahre alte.

Sagen wir so: Die funktioniert wenigstens. Die hat sich bewährt. Außerdem spiele ich, als in Niederbayern aufgewachsener Mensch, immer gerne mit kirchlichen Zitaten.

Sind Sie denn Kirchgänger?

Ich war Ministrant und habe meine gesamte Freizeit der katholischen Kirche gewidmet. Mit 20 habe ich beschlossen, das nicht weiter zu tun.

Gibt’s überhaupt einen Grund, sich heute vor irgendetwas zu fürchten?

Natürlich kann man sich fürchten. Mein Vater ist vor Kurzem 90 geworden, und er hat gesagt, dass er sich an die Zeit vor dem Dritten Reich erinnert fühlt, weil die Welt so verrückt und durcheinander ist. Das finde ich krass, dass er das so wahrnimmt. Natürlich kann man sich davor fürchten, aber es bringt halt nichts. Angst lähmt und macht ein Scheiß-Gefühl. Genauso wie man im Privaten aus der Angst rauskommen muss, muss man das auch gesellschaftlich tun. Die Welt ändert sich, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen versuchen, das zu gestalten.

Andererseits führt die Angstmacherei dazu, dass sich zum Beispiel die Jugend politisiert.

Genau. Ich finde es zum Beispiel auch gar nicht so schrecklich, dass die AfD im Bundestag ist. Ich denke, so ist es besser, als wenn das Spektrum in der Nichtwählerschaft verschwindet und irgendwann zum bedrohlichen Szenario wird. Das Gute an der Demokratie ist, wenn alles da ist und man sich streiten kann. Und dann ist es Gott sei Dank so, dass aufgrund der seltsamen Politik in den vergangenen Jahren die Jugend jetzt auf ihre Rechte pocht. In Zeiten, wo es extrem negative Dinge gibt, kommt auch viel Positives. Zynisch finde ich aber, dass man zehn Jahre lang dieser Jugend vorgeworfen hat, dass sie sich nichts scheißt. Dann tut sie es und es passt wieder nicht. Das ist doch absurd.

Im Lied "Fürchtet Euch nicht!", geht es doch auch weniger

ums Fürchten als um eine Art bayerisches Laisser-faire ...

Was man mit einem Leck-mich-Gefühl umschreiben könnte.

Oder mit der Liberalitas Bavariae. Das bayerische Lebensgefühl hat was Tolles in sich: Was man nicht ändern kann, nimmt man mit einer fast schon buddhistischen Haltung zur Kenntnis, und wo man etwas ändern kann, da macht man das dann auch. Im Song sagt jeder Rapper, was ihm Angst macht, und ich, der ja 15 Jahre älter ist, kann die Funktion des Vaters einnehmen. Der Papa sagt, dass eben alles halb so wild ist.

Gehen wir mal davon aus, dass die Rap-Allstars in Wunsiedel nicht dabei sind. Wer rappt denn dann?

Ja, wer glauben Sie wohl? Ich halt. Ich habe mir das draufgeschafft und das war echt nicht easy. Ich glaube nämlich, dass der Text von der Rap-Nummer genau soviel Text ist wie der Rest von der Platte. Aber ich hab es geschafft, und ich muss gestehen, dass ich mir da jeden Abend den Fame dafür abhole, weil da keiner damit rechnet. Ich träume sogar nachts von einzelnen Strophen.

Und mit "Tennessee Whiskey" haben Sie auch ein Cover eines Country-Hits im Programm.

Ich möchte auf jeder Platte einen Cover von einem Song, der der Band gerade etwas bedeutet. Bei dem Lied war’s so. Ich habe es 2015 das erste Mal gehört und fand den Song unglaublich, so haben wir den aufgenommen. Aber live ist es der Wahnsinn, obwohl die meisten das Lied gar nicht kennen. Hätten wir gar nicht sagen brauchen, dass das ein Cover ist, dann wär’s noch besser. Aber dann würden sich die Leute fragen, warum singt der jetzt englisch?

Ein letztes Wort an alle, die sich noch nicht so recht trauen, eine Karte zu kaufen: Warum sollten sie nach Wunsiedel kommen?

Es ist einfach ein wahnsinnig kurzweiliger Abend. Es bleibt musikalisch nicht in einem Stil, es geht von Country über Rock und Pop zu Balladen. Das Gespräch führte Gerd Pöhlmann

Foto: Ingo Pertramer

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Veröffentlicht am:
24. 07. 2019
18:48 Uhr

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Veröffentlicht am:
24. 07. 2019
18:48 Uhr



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