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Kunst und Kultur

Glorreiche Ruhestörung

Eine Supershow auf der Luisenburg: The Magnets aus London reißen mit ihrem A-cappella-Pop mehr als 600 Besucher von den Sitzen.



Das Londoner Quintett vor vielköpfiger Kulisse: Nick und Jimmy, Callum, Mike und Spitzen-Beatboxer Zani (rechts) mit dem Kammerchor des Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums, dem Gospelchor Wunsiedel und Mitgliedern des Betriebschors der Scherdel GmbH. Foto: Florian Miedl
Das Londoner Quintett vor vielköpfiger Kulisse: Nick und Jimmy, Callum, Mike und Spitzen-Beatboxer Zani (rechts) mit dem Kammerchor des Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums, dem Gospelchor Wunsiedel und Mitgliedern des Betriebschors der Scherdel GmbH. Foto: Florian Miedl  

Wunsiedel - Die Mitte ist der richtige Weg, jedenfalls in diesem Fall. Wenn The Magnets in voller Stärke singen, sind sie zu sechst; es gibt die A-cappella-Truppe aber auch als "The M4gnets", vierköpfig für Gigs im kleinen Rahmen. In Wunsiedel, wo die riesige Naturbühne der Luisenburg denkbar viel Platz bietet, schlugen sie am Montag in mittlerer Besetzung auf, zu fünft: Nick und Jimmy, Callum und Mike - und Zani, ein Weltklassekünstler in Sachen Mundartistik.

Freilich treten die Londoner A-cappella-Virtuosen auch als Quintett "in voller Stärke" auf, was stimmlichen Glanz, rhythmische Zündkraft und gute Laune betrifft. Kaum sind sie lachend und leger auf die Bühne geschlendert, brandet unter den gut 600 Zuschauerinnen und Zuschauern gellender Begrüßungsjubel auf. "Let me entertain you": Da müssen die fünf nicht lang bitten. Geradezu verzückt, wenn nicht gar fiebernd vor freudiger Erregung, lassen sich Junge wie Ältere unterhalten mit oft stürmischen, auch schon mal poetischen, durchweg dynamischen Pop-Arrangements. Bandmitglied Nick schuf sie aus Steilvorlagen von Cab Calloway ("Minnie the Moocher") oder Survivor ("Eye of the Tiger") oder Bryan Adams ("I do it for you") - auch aus "Ain’t Nobody" von Chaka Khan: "And now we’re flyin’ through the stars, I hope this night will last forever".

Das Publikum, außer Rand und Band, hofft wirklich, die Nacht werde "ewig dauern": Drei Zugaben erkreischt und erklatscht es. Auch während der Lieder schlagen die Besucher rhythmisch in die Hände, als hörten sie volkstümliche Blasmusik. Einiges entgeht dem gespitzten Ohr aus diesem Grund von der Virtuosität der kräftigen, auch schon mal kraftmeiernden, doch nie ermüdenden Jung-Männerstimmen. Die finden, auf gelegentlich schwankendem Bassfundament, vom hellen Tenor zielgenau bis in die Höhen des Diskants. Durchtrainiert klingt es aus den geölten Kehlen, doch nicht überzüchtet, nicht einmal beim wüsten Hip-Hop von Run-D.M.C.

Zum "Flug durch die Sterne" reizt der Abend, schon weil’s am klaren Sommernachthimmel funkelt. Auf der Bühne strahlt, blitzt und schimmert es erst recht, gleichwohl gemäßigt. Denn viel Aufputz braucht die Supershow dort nicht: ein paar Klappstühle, bunte Scheinwerfer, zwei Säulen potenter Lautsprecher.

"Lost in Music" von Sister Sledge singen die Magnets, doch "verloren" fühlen sie sich keinen Augenblick: Gemeinsam wissen sie sich bombenfest daheim in der Musik, und während der Soli findet jeder seinen komfortablen Platz in ihr. "Let’s dance", skandiert die Band - da steht auch, wer bis jetzt nicht stand, vom Sitz auf, tanzt und winkt, singt mit. Beim rasanten Medley mit Hits aus den Achtzigern kennen viele junge Leute, auch wenn sie da noch nicht geboren waren, jedes Lied. Die jüngsten Sänger kommen sogar auf die Bühne: Entflammt lässt der Kammerchor des Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums mit der "Bohemian Rhapsody" aufhorchen; gegen Ende gesellen sich der Gospelchor Wunsiedel und Mitglieder des Betriebschors der Scherdel GmbH dazu und greifen verdient ihren Anteil am Riesenbeifall ab.

Ausgelassen wollen die Leute sein und nicht so sehr die Ohren spitzen. Emphatisch ist die Stimmung, die Musik, die Show erstklassig, die Welt ist gut und heil. Brav und bieder ist sie nicht. Schon gar nicht, wenn Zani ein gefühlt zehnteiliges Drumset zur Ruhestörung der glorreichen Art aufbietet - mit nichts als mit dem Mund.

Unter den Beatboxern sucht der vokale Haudrauf seinesgleichen und hat es zum englischen Meister seines Fachs gebracht. Mal hört er sich wie das Scratching auf dem Plattenspieler eines DJs an, mal mischt er Melismen und Fetzen ekstatischen Gesangs hinein, oder E-Gitarren-Sound und scheinbar elektronische Effekte. Schließlich erschüttert er mit Technobeats und Bassgewummer Bühne, Sitzreihen und die Körper der Zuhörer. Der Mann für sich ist ein Ereignis.

Prince zum Schluss, "Purple Rain". Nicht in "violettem Regen", dafür in weiß-blauem Kunstlicht singen die Magnets, und ihre Fans stehen, wiegen sich und leuchten mit den Handys. "It’s such a shame our friendship had to end", heißt es in dem Lied: eine Schande, dass unsere Freundschaft enden musste. Wer das Publikum erlebt, das nicht genug bekommen kann, der spürt: Davon kann nicht die Rede sein.

Autor
Michael Thumser

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Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
18:44 Uhr

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Michael Thumser

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23. 07. 2019
18:44 Uhr



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