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Kunst und Kultur

Gropius, Rosenthal und das Glas

Bauhaus-Design, ein legendärer Unternehmer aus Selb und ein Stück Sozialgeschichte: Wie das alles zusammenhängt, erfahren Besucher einer Ausstellung in Amberg.



Eleganz ohne Schnörkel: die mundgeblasenen Studio-Line-Gläser, die Museums-Mitarbeiter Alexander Schossig in die Regale räumt. Foto: Petra Hartl
Eleganz ohne Schnörkel: die mundgeblasenen Studio-Line-Gläser, die Museums-Mitarbeiter Alexander Schossig in die Regale räumt. Foto: Petra Hartl  

Amberg - Was im Amberger Glaswerk produziert wurde, ging in die ganze Welt. Mit der Ausstellung "Gropius, Bauhaus und Rosenthal in Amberg" rückt das Stadtmuseum in Amberg nicht nur die Architektur und das Design von Walter Gropius in den Mittelpunkt, sondern beleuchtet auch die Amberger Arbeits- und Sozialgeschichte. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen dabei vor allem die Produkte, die mit dem Namen der Firma Rosenthal weltweit in den Wohnzimmerregalen der wohlhabenden Oberschicht standen: Glaskaraffen, kunstvoll handgeblasene Sektgläser, bunte Vasen und exquisite Wand-Teller.

Phillip Rosenthal legte Wert auf besonderes Design: Er verpflichtete international bekannte Künstler - von Dali bis Björn Wiinblad, von Michael Böhm bis Paul Wunderlich. In Zusammenarbeit schufen sie Kunstwerke aus Glas; aber nicht ausschließlich. Auch Porzellan, Besteck, Möbel und Lampen wurden von der Firma "Rosenthal Einrichtung" in Espelkamp (Nordrhein-Westfalen) und Neusorg (Kreis Tirschenreuth) hergestellt. Unkonventionell sollten sie sein, die Möbel. Genauso die Gläser: Keine Schnörkel, keine barocken Verzierungen - sondern ein strenger Rahmen, klassische Formen.

"Über die Design-Schiene wollen wir auch junge Menschen ansprechen - denn noch immer sind Bauhaus-Formen in", sagt Museumsleiterin Judith von Rauchbauer. Für die Ausstellung hat sie dafür sogar extra einige Beweise gesammelt. Ein Jahr lang war sie auf der Suche nach Objekten, die in Amberg produziert wurden - denn bis dato gab es im Museum kein einziges Glas aus dem Amberger Werk. Die Leiterin sprach unter anderem mit Sammlern, Kennern und sogar mit dem ehemaligen Glasmacher der Firma Rosenthal, Xaver Hofmeister. Für die Ausstellung überließ er dem Museum Werkzeug zur Herstellung von Hohlglas.

"Phillip Rosenthal hatte viele außergewöhnliche Ideen, was das Design betrifft - eines seiner Standbeine aber war auch die traditionelle Produktion", sagt die Kuratorin. Zum Beispiel die "Classic Rose"-Collection oder "Mon Bijou" mit vielen Blümchen und Schnörkeln - in traditionellen Formen, aber maschinengefertigt. Direkt gegenüber zeigt die Ausstellung das komplette Gegenteil, die mundgeblasenen Gläser der "Studio-Line" in ihren exklusiven Regalen: streng, kubisch, modern. Ein Lieblingsstück der Museumsleiterin ist der Wandteller "Hummer" aus dem Jahr 1983. Der Entwurf von Paul Wunderlich zeigt einen Hummer, filigran und modern, mit goldenen Details. "Limitiert auf 1000 Stück, kostete ein solcher Wandschmuck damals 1250 D-Mark - also äußerst elitär", erklärt von Rauchbauer.

Die Ausstellung geht zurück zu den Ursprüngen der Glasproduktion in Amberg: die Grenzlandhütte, in der viele böhmische Vertriebene Arbeit fanden. Jene wurde 1948 gebaut, 1963 an Rosenthal verpachtet, 1966 kaufte er sie. "Phillip Rosenthal war ein guter Arbeitgeber", sagt von Rauchbauer. "Ein SPD-Mann, der sehr auf das Wohl seiner Arbeiter bedacht war." Deswegen sollte der Neubau der Hütte nicht nur schön anzusehen sein, sondern auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen schaffen. Bis zu 1300 Grad heiß war das Glas, das verarbeitet wurde, in den Räumen staute sich enorme Hitze.

Gropius konstruierte für Rosenthal ein Be- und Entlüftungssystem im Dach der Halle. Durch die Fenster an der Seitenfront kam kalte Frischluft herein, während die heiße, abgestandene Luft in den Giebel zog und dort ins Freie abgelassen wurde. Die flachen Seiten beherbergten Büroräume, das hohe, langgezogene Mittelschiff die Glasfertigung. Die Museumsleiterin erklärt: "Jene Form verleitete die Amberger auch zu den Bezeichnungen Glaskathedrale oder Kathedrale der Arbeit." 1967 begann die Planung, 1968 startete der Bau. Die Einweihung der Glaskathedrale 1970 erlebte Gropius nicht mehr, er starb am 5. Juli 1969.

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Maria Oberleitner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 10. 2018
21:24 Uhr

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10. 10. 2018
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