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Kunst und Kultur

Harmonie im Wappensaal

Das Brander Schloss ist Schauplatz für den Zyklus "Dichterliebe" nach Versen von Heinrich Heine. Doch nur wenige Besucher geben sich dem abendlichen Kunstgenuss hin.



Sie harmonierten im Brander Schloss: Pianist Frank Oidtmann (links) und Tenor Volker Bengl. Foto: Matthias Kuhn
Sie harmonierten im Brander Schloss: Pianist Frank Oidtmann (links) und Tenor Volker Bengl. Foto: Matthias Kuhn  

Brand bei Marktredwitz - "Dichterliebe", ein Liedzyklus, den Robert Schumann nach Gedichten von Heinrich Heine geschaffen hat, war jüngst im Wappensaal des Schlosses in Brand zu hören. Joachim Rohrer, Vorsitzender des Markgräflichen Collegium Historie und Nachbarschlossherr aus Höchstädt, begrüßte die leider nur wenigen Gäste im Brander Schloss. Er wies noch einmal auf den wunderbaren Flügel hin, der dank der großzügigen Spende von Heidelore Scherdel zur Verfügung stehe. Außerdem erläuterte er, dass die Hohltäfelung an der Decke und der Parkettboden die Akustik des Saales begünstigen. Somit fanden Volker Bengl, Tenor, begleitet von Frank Oidtmann am Flügel hervorragende Bedingungen vor.

Sanft begann es mit "Im wunderschönen Monat Mai". Die Abendsonne suchte sich verstohlen ihren Weg durch die Seitenfenster. Der Saal war in ein wundervolles, warmes, weiches Licht gehüllt. Die Melodien flossen durch den Raum und bewegten das Publikum. Das Opus 48 von Robert Schumann besteht aus 16 Liedern. Da heißt es "Aus meinen Tränen sprießen", "Die Rose, die Lilie" und der Dichter schildert seine Wonne, "Wenn ich deine Augen seh‘". "Ich will meine Seele tauchen" sind die Verse überschrieben und "Im Rhein, im heiligen Strome" sowie "Ich grolle nicht".

"Am leuchtenden Sommermorgen" stellte sich heraus: "Ich hab im Traum geweinet". Dieses Lied bestach durch den hervorragenden Vortrag, bei dem sich Gesang und Klavier abwechselten, nur selten miteinander erklangen. Der klare, kraftvolle Tenor von Volker Bengl und das einfühlsame Spiel von Frank Oidtmann sowie die gefühlvolle Zusammenarbeit der beiden waren wunderbar anzuhören. Überhaupt war das Wechselspiel zwischen Gesang und Piano ein wahrer Genuss. Bengl und Oidtmann waren hervorragend aufeinander eingespielt.

Ob in den ganz sanften, leisen Passagen oder wenn der ganze Saal von Musik erfüllt war: Immer stimmte das Verhältnis zwischen Stimme und Klavier, immer passten Melodie und Begleitung zusammen, in Lautstärke und Dynamik. "Allnächtlich im Traume", "Aus alten Märchen" und "Die alten, bösen Lieder" beendeten den ersten Teil des Abends.

Zur Pause wurden die beiden Künstler mit langanhaltendem und herzlichem Applaus belohnt. Im zweiten Teil erklangen ausgewählte Lieder. Den Anschluss bildet wiederum eine Heinedichtung aus dem Zyklus "Die Heimkehr": "Du bist wie eine Blume". Dem folgte "Die Lotusblume", bevor Julius Mosen zu Wort kam, der darüber dichtete, was "Der Nussbaum" in ihm bewegte.

Wem genau die "Widmung" von Friedrich Rückert gilt, blieb an diesem Abend noch unausgesprochen und wer mit dem fröhlichen "Wanderlied" nach einem Text von Justinus Kerner seinen Weg in die Welt suchte, der hatte ja noch Zeit, darüber nachzusinnen. Zum Abschluss erklang wiederum ein Zyklus mit drei Liedern nach Heinrich Heine. "Der Hans und die Grete tanzen herum", "In meiner Brust, da sitzt ein Weh" und "Der arme Peter wankt vorbei" schilderten auf kuriose Weise eine Hochzeitsgesellschaft mit Tanz, Weh und Ach sowie einem unsicheren, bitteren Ende. Der Wappensaal des Schlosses hallte noch einmal wider von dem begeisterten Applaus des Publikums und empfahl sich für weitere Kunstgenüsse dieser Qualität, vielleicht beim nächsten Mal mit mehr Zuspruch. Es lohnt sich.

Autor

Matthias Kuhn
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Veröffentlicht am:
20. 05. 2019
18:38 Uhr

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20. 05. 2019
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