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Kunst und Kultur

Herzog zeigt in Hof Family Romance

Als er zum ersten Mal nach Hof kam, im Mai 1968 mit dem Kurzfilm "Letzte Worte", war er 25 Jahre alt.



Werner Herzog nahm immer wieder am Hofer Festival teil. Zum letzten Mal im Jahr 2016. Damals zeigte er seinen Film "Salt and Fire", in dem auch Veronica Ferres mitspielte und ebenfalls Gast auf den Hofer Filmtagen war.   Foto: Hendrik Ertel

 

Danach nahm er immer wieder am Festival teil, unter anderem 1974 mit "Jeder für sich und Gott gegen alle", und natürlich war er auch da, als die Filmtage ihre 50. Auflage erlebten. Jetzt, drei Jahre später, bringt Werner Herzog eine in Japan entstandene Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm nach Hof. Die Produktion trägt den Titel "Family Romance", erlebte ihre Weltpremiere in Cannes und wird nun in deutscher Erstaufführung gezeigt.

Es ist wieder mal ein ganz besonderer Film. Die Hauptrolle spielt der Japaner Yushi Ishii, die Handlung dreht sich um ein von ihm erfundenes Geschäftsmodell. Seine Firma - sie heißt Family Romance, genau wie Herzogs Film - bietet an, fehlende Familienmitglieder zu ersetzen. Ishii selbst springt beim Besuch eines Vergnügungsparks für den Vater der pubertierenden Tochter einer alleinerziehenden Mutter ein, bei einer Hochzeitsfeier vertritt er den alkoholkranken Vater der Braut. Auch für andere Personen, die ersetzt werden müssen, hat er Darsteller bei der Hand. Sein Geschäft floriert, weil er eine begehrte "Ware" verkauft - Zuneigung und Imagepflege.

Nach Ansicht Herzogs ist die neuartige japanische Firma ein Zeugnis dafür, dass Einsamkeit in der Gesellschaft dramatisch zunimmt. Es handle sich, sagt er, nicht um etwas Exotisches, sondern um ein Phänomen, das in ähnlicher Form auch bei uns zu beobachten sei. Viele Menschen seien stolz darauf, bei Facebook einige tausend "Freunde" zu haben, aber kein Einziger sei ihnen persönlich bekannt. Mit einem derartigen Ersatz für echte Gefühle fange es an, und ein Ende sei nicht in Sicht. An Ishiis Firma soll auch der Produzent und Regisseur Steven Spielberg sehr interessiert gewesen sein. Doch bevor seine Hollywood-Firma in die Gänge kam, hatte Herzog schon alles im Kasten. Und das ohne Drehgenehmigung und ohne Filmcrew. Zwar werden im Abspann des Films alle möglichen Mitarbeiter genannt, doch die sind frei erfunden. "Ich war ganz allein", sagt der Münchner.

Für "Family Romance" setzte der Regisseur, wie schon oft in seinem Künstlerleben, wieder einmal alles auf eine Karte. Wegen fehlender japanischer Sprachkenntnisse machte er sich keine Sorgen - zu Recht, wie sich bei dem Film zeigt. Foto: Archiv

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Ralf Sziegoleit
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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
18:12 Uhr

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Ralf Sziegoleit

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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
18:12 Uhr



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