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Kunst und Kultur

Hingeklotzte Albträume

"Megacity" heißt eine Fotoausstellung, die im Großen Foyer der Freiheitshalle eröffnet hat. Zu sehen sind faszinierende und zugleich erschreckende Bilder.



Fotograf Christian Höhn vor einer seiner Großstadt-Landschaften.	Foto: asz
Fotograf Christian Höhn vor einer seiner Großstadt-Landschaften. Foto: asz   » zu den Bildern

Hof - Kulturamtsleiter Peter Nürmberger freute sich über einen Höhepunkt seiner Arbeit als Ausstellungsorganisator. In beiden Foyers der Freiheitshalle kann er mit der Ausstellung "Megacity" Bilder prominenter, als Künstler geltender Fotografen vorzeigen, und bei der Eröffnung der zweiten Schau war als Redner mit Hans-Michael Koetzle zudem ein von ihm hochgeschätzter Kurator zu Gast, der Bücher zur Geschichte und Ästhetik des Mediums geschrieben hat. Eines Mediums im Übrigen, das laut Nürmberger gut zu einer Industriestadt wie Hof passt, liegen doch seine Ursprünge in der sogenannten Gründerzeit.

Bild und Schild

Als die Ausstellung von Isolde Ohlbaum eröffnet wurde, sprach der Redner von einer "gymnastischen Herausforderung", weil die Schilder zu den Bildern auf dem Boden platziert sind. Dieses in der Freiheitshalle übliche Verfahren verteidigte Peter Nürmberger beim Start der "Megacity"-Schau. Es stelle sicher, dass der Besucher zuerst auf das Bild blicke.

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Bis 7. Februar, montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr (aber nicht am Donnerstag und Freitag dieser Woche und am 1., 8. und 15. November).

 

Der Fotograf und Fotodesigner, der nun im Großen Foyer nicht sehr viele, aber sehr große, geradezu physisch präsente Bilder ausstellt, heißt Christian Höhn, wurde 1968 in Bayreuth geboren und ist in Nürnberg zu Hause. In einem 1994 erschienenen Buch porträtierte er "Menschen in Franken", schon ein Jahr zuvor fotografierte er acht fränkische Städte, darunter auch Hof - eine Kommune, so sagte es Koetzle, aus deren Perspektive Berlin als Moloch erscheint, dabei ist die Hauptstadt unseres Landes nur ein Zwerg, vergleicht man sie mit den Megacitys in China. Das vielen Menschen namentlich kaum bekannte Chongqing erreicht mit allen Randbezirken die Größe Österreichs, dessen Einwohnerzahl es um das Dreieinhalbfache übertrifft.

 

Megacitys: Als solche werden Städte bezeichnet, die mehr als zehn Millionen Menschen eine Unterkunft geben. Christian Höhn beschäftigt sich mit ihnen seit fast 20 Jahren. Leicht hat er’s dabei nicht, wie Koetzle betonte, denn mühsam wie die Suche nach dem idealen Standort ist der Kampf mit Klima, Wetter und Behörden. Die entstehenden Bilder, zum Teil in Leuchtkästen präsentiert, nannte der Redner Traumwelten, Illusionen und Trugbilder, wobei er an jeden dieser Begriffe anfügte: "…die keine sind". Denn die Fotos bilden ein Stück Wirklichkeit ab, aber so, wie Besucher dieser Städte sie weder sehen und erleben können noch wollen. Auf Höhns Paris-Foto etwa muss man schon genau hinschauen, um hinten am Horizont gerade noch, verschleiert im Dunst, das Wahrzeichen, den Eiffelturm, zu erahnen.

Die von einem die Klaviatur des Mediums brillant beherrschenden Könner eingefangenen "Traumbilder" sind Albtraumbilder zugleich. Sie verbinden Kulinarisches mit Zivilisationskritik. Noch während man ihre Ästhetik genießt, drängt sich die Frage auf, wie man leben soll - und ob man das überhaupt kann - in diesen monströsen Betonwüsten, die nicht gewachsen sind, sondern hingeklotzt wurden als Reaktion auf Landflucht. Koetzle sagte, die Bilder zeigten "Schaltkreise einer futuristischen Existenz". Der Mensch, von dem und für den die Städte gebaut worden sind, fehlt auf Höhns Fotos komplett. Zumindest in der Form des einstigen Großstadt-Flaneurs, der beim Spazierengehen genüsslich den Blick schweifen ließ, kann es ihn wohl auch gar nicht mehr geben.

Autor

Ralf Sziegoleit
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:42 Uhr

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Autor

Ralf Sziegoleit

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:42 Uhr



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