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Kunst und Kultur

Interview mit AnnenMayKantereit: „Unter Druck arbeiten wir effektiver“

AnnenMayKantereit, die Pop-Durchstarter der letzten Jahre, gehen bald auf Tour. Drummer Severin Kantereit spricht mit uns über das neue Album, politische Statements und Vorwürfe.



AnnenMayKantereit, die Pop-Durchstarter der letzten Jahre, gehen bald wieder auf Tour.   Foto: Martin Lamberty

Herr Kantereit, worin unterscheidet sich das neue Album „Schlagschatten“ von seinem Vorgänger am meisten?

Nun, es war das erste Mal, dass wir sozusagen auf Knopfdruck ein Album geschrieben haben. Beim ersten Album haben wir alle Lieder schon sehr lange vorher live gespielt. Diesmal hatten wir diese Vorbereitungszeit nicht. Letztes Jahr im September haben wir das letzte Festival gespielt. Dann haben wir uns entschlossen, ein neues Album zu machen. Wir haben uns eine Deadline gesetzt, dass wir zu einem bestimmten Zeitpunkt alle Lieder, die aufs Album kommen, fertig haben wollen. Das war für uns eine neue Herausforderung und hat viel Spaß gemacht. Denn dadurch sind sehr viele neue Sachen entstanden, sowohl inhaltlich als auch musikalisch.

 

Ein Album mit einer Deadline zu produzieren – das klingt nach sehr viel Druck.

Unter Druck arbeiten wir oft effektiver. Wenn man so einen Abgabetermin hat, dann weiß man, dass das Album genau da fertig sein muss. Natürlich ist es manchmal auch stressig, aber eine Deadline setzt einen ganz eigenen Prozess in Gang.

 

Euer Debütalbum „Allex nix Konkretes” stand in Deutschland auf Platz 1 der Charts. Dementsprechend haben viele Fans und Kritiker hohe Erwartungen an das neue Album. Wie geht man mit diesen Erwartungen um?

Das ist natürlich ein vielschichtiger Druck, der da entsteht. Zum einen der Druck, der von einem selber kommt. Man möchte ja Dinge besser machen und sich dabei auch noch weiter entwickeln. Zum anderen der Druck von außen. Das ist manchmal stressig, weil man weiß, das Album wird so viele Menschen erreichen. Anderseits kann dieser Druck sich positiv und anspornend auswirken.

 

Wie viel Wert legt ihr darauf,  wieder auf Platz 1 zu landen?

Wir sind gar nicht so drauf fixiert, Platz 1 zu belegen. Der Anspruch war viel höher, ein Album fertig zu kriegen, mit dem man absolut zufrieden und glücklich ist. Sagen zu können, dass das Album genauso geworden ist, wie man es sich lange vorgestellt hat, ist für mich persönlich viel wichtiger als Platz 1 in den Charts. Oder zu wissen, dass so viele Leute nach wie vor zu unseren Konzerten kommen wollen. Denn wir sind nach wie vor eine Live-Band und Konzerte zu geben, ist eine unserer größten Stärken.

 

Stichwort Liveband: Eure anstehende Tour 2019 ist jetzt schon fast komplett ausverkauft.

Ja, das ist echt krass! Dass so viele Leute nach wie vor Bock haben,  uns live zu sehen, wirkt sich befreiend auf unsere Arbeit aus. Wir ziehen daraus auch Selbstbewusstsein.

 

Ihr spielt dabei in kleinen Clubs, aber auch in großen Hallen. Wie wollt ihr es schaffen, die intime Atmosphäre da aufrecht zu erhalten?

Es ist natürlich eine Herausforderung, denn wir wollen, dass sich unsere Musik intim anfühlt. Nicht nur für die Leute in der letzten Reihe, sondern auch für uns. Es ist natürlich etwas anderes in einer großen Halle zu spielen als in einem kleinen Club. Das wäre jetzt ein zu heftiger Anspruch an sich selbst, das Konzert genauso machen zu wollen wie in einer kleinen Location. Aber ich denke, wir haben einen guten Weg gefunden, die richtige Atmosphäre auch in einer großen Halle transportieren zu können. Wir haben Spaß auf der Bühne und fühlen uns da besonders wohl. Ich glaube, das überträgt sich dann von alleine auch auf die Besucher. Selbst wenn sie 50 Meter weg von der Bühne stehen.

 

Euch wurde schon mal politische Verdrossenheit vorgeworfen und eine fehlende Positionierung. In eurer aktuellen Single „Weiße Wand“ zeigt ihr euch für eure Verhältnisse aber ziemlich politisch. Warum war es für euch wichtig, so ein Lied zu machen?

Wir haben uns hingesetzt und überlegt, welche Themen wir in unseren Liedern auf dem neuen Album behandeln wollen und so ist auch „Weiße Wand“ entstanden. Wir haben uns aber auch früher nie als unpolitisch empfunden. Wir sind alle politisch interessiert und sind mit vielen Dingen auch nicht einverstanden. Viele Bands profilieren sich aber mit einer politischen Attitüde, ohne dabei wirklich konsequent zu sein. Sich einfach hinter ein Slogan wie „Nazis raus“ zu stellen, ist uns zu einfach und zu plakativ. Lieber sollte man den Zeigefinger auf sich selbst richten. Beim Song „Weiße Wand“ wollten wir genau das machen: Zeigen, wo wir stehen auf eine selbstanklagende Weise.

 

Stimmt es eigentlich, dass ihr euch als Feministen bezeichnen würdet?

Ja, das stimmt. Das ist ein wichtiges Thema für uns und wir reden viel darüber. Auch wenn es schwierig ist, weil wir nie aus dem Betroffenheitsmoment heraus sprechen. Wir sind nun mal vier weiße, heterosexuelle Jungs. Bei manchen Dingen kennen wir uns also nicht so aus wie die Betroffenen, aber es hält uns nicht davon ab, darüber zu sprechen und einen Diskurs anzuregen. Mit der großen Reichweite, die wir mittlerweile haben, können wir Werte zum Beispiel auch über die sozialen Netzwerke vermitteln.

 

Ihr habt eine echt große Fanbase in Russland und in der Türkei. Wie kommt es dazu?

Wir wissen es tatsächlich nicht. Wir machen zwar ein paar Sachen auf Englisch, aber die meisten Lieder sind ja auf Deutsch. Deswegen war es für uns schon überraschend, zu sehen, wie viele Fans wir bereits in Russland und der Türkei haben. Das haben wir zuerst über Instagram mitgekriegt, wo man auswerten kann, woher unsere Follower kommen. Zu wissen, dass man uns auch im Ausland hört, hat uns dazu bewogen den deutschsprachigen Raum mal zu verlassen. Im Oktober haben wir uns spontan überlegt, einen Gig in Istanbul zu geben. Wir haben uns dort ein Konzert in einem ganz kleinen Laden organisiert. Eigentlich passen nur 100 Leute da rein. Und auf einmal standen 1500 Fans vor dem Club und wollten uns sehen. Das war eine krasse Erfahrung.                

Autor
Alina Juravel

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Veröffentlicht am:
07. 12. 2018
17:18 Uhr

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Alina Juravel

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07. 12. 2018
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