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Kunst und Kultur

Junge Filmfans sind gnadenlos ehrlich

Zum 30. Mal steigt am 1. und 2. Februar das Kinderfilmfest Hof. Die Macher erinnern sich an die Anfänge.



Sie können viel über Kinderfilme erzählen: Robert Sandig, Stefan Schmalfuß und Stefan Hofmann (von links). Foto: lk
Sie können viel über Kinderfilme erzählen: Robert Sandig, Stefan Schmalfuß und Stefan Hofmann (von links). Foto: lk  

Hof - Wenn Robert Sandig und Stefan Hofmann aufs Kinderfilmfest Hof zu sprechen kommen, leuchten ihre Augen. Kein Wunder: Haben sie doch vor 30 Jahren das inzwischen weit über die Region hinaus bekannte Festival mitbegründet. Es ist ihr "Baby", ihres und das einer Handvoll weiterer Hofer, denen Jugendarbeit und Filmkunst am Herzen liegen.

"Vor 1991 waren Kinder- und Jugendfilme nur in Jugendtreffs und Vereinen zu sehen", erinnert sich Sandig. Damals machten allerdings schon die Internationalen Hofer Filmtage von sich reden. Ein Filmfest für Kinder, das stellten sich Kreisjugendpfleger Robert Sandig und sein Kollege Franz Munzert vor.

Sie konnten mit ihrer Idee Stefan Hofmann und Carmen Günther von der kommunalen Jugendarbeit Hof begeistern, ebenso den damaligen Central-Geschäftsführer Rainer Lippert. Und so nahm alles seinen Anfang. Zum Team gehörten damals Jo Schörner, Hence Bauer-Härtel, Roland Spranger, Pia Schlegel, Gaby Weiß, Ramona Hepper und Jürgen Coler. Vor einem Jahr erst hat Robert Sandig die Leitung in die Hände von Pascal Najuch, Stefan Hofmann, Petra Schulz und Stefan Schmalfuß gelegt.

Viel haben die alten Macher zu erzählen. Heute kaum vorstellbar, dass man damals im Kino noch rauchen durfte - das Licht des Filmprojektors bahnte sich seinen Weg oft durch dicke Rauchschwaden. "Wir haben das Publikum gebeten, doch wenigstens vor dem Kinderfilmfest das Rauchen zu lassen", erinnert sich Sandig lächelnd. Zum ersten Filmfest am 23./24. Januar 1991 kamen 775 Jungen und Mädchen, zum Teil mit ihren Eltern. Gezeigt wurden acht Filme in vier Kinosälen. Schon damals präsentierten die Organisatoren ihrem jungen Publikum ein buntes Rahmenprogramm mit Malaktion, Schminkstation und Besichtigung des Vorführraums.

Das Programm

„Timm Thaler“, Spielfilm, Sa. und So., Kino 5, 11 Uhr. Ab 8.

„Die drei ???“, Spf., Sa., Kino 1, 10.15 Uhr. So., Kino 1, 15 Uhr. Ab 8.

„TKKG“, Spf., Sa und So. Kino 1, 12.30 Uhr. Ab 8.

„Die Drei !!!“, Spf., Sa., Kino 1, 15 Uhr. So., Kino 1, 10.15 Uhr. Ab 8.

„Mein Freund, die Giraffe“, Spf., Sa. und So., Kino 2, 10.15 Uhr. Ab 5.

„Mein Lotta-Leben“, Spf., Sa. und So., Kino 2, 12 Uhr. Ab 8.

„Rocca verändert die Welt“, Spf., Sa. und So., Kino 2, 14 Uhr. Ab 8.

„Der Mondbär“, Animationsfilm. Sa. und So., Kino 3, 11.15 Uhr. Ab 5.

„Der kleine Drache Kokosnuss“ Animationsfilm, Sa. und So., Kino 3, 13 Uhr. Ab 5.

„Pettersson und Findus“. Animationsfilm, Sa. und So, Kino 3, 15 Uhr. Ab 5.

„Alfons Zitterbacke“, Spf. Sa., Kino 4, 10.30 Uhr. So., Kino 4, 14.45 Uhr. Ab 6.

„Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar“, Spf., Sa. und So., Kino 4, 12.30 Uhr. Ab 9.

„Unheimlich perfekte Freunde“, Spf., Sa., Kino 4, 14.45 Uhr. So., Kino 4, 10.30 Uhr. Ab 8.

„Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess“, Spf., Sa. und So., Kino 5, 13.30 Uhr. Ab 8.

„Die Wolf-Gäng“, Spf., Sa. und So., Kino 5, 15.30 Uhr. Ab 8.

„Zu weit weg“, Spf., Sa. und So., Kino 6, 10.45 Uhr, Ab 9.

„Nicht ohne uns“, Dokumentation, Sa. und So., Kino 6, 13 Uhr. Ab 10.

„Das Geheimnis des grünen Hügels“, Spf., Sa. und So., Kino 6, 15 Uhr. Ab 9.

Sonderprogramm „Das erste Mal im Kino“: Animationsfilme „Krake“, „Der kleine Vogel und das Eichhörnchen“, „Hüpffrosch“.

 

Von einem "verheißungsvollen Start" berichtete am Tag danach die Frankenpost. "Das hat uns bestärkt, ein richtiges Filmfestival für die Kleinen zu installieren", erinnert sich Sandig. Mit dabei war von Anfang an Regisseur Rolf Losansky aus Potsdam, der zum Mentor des Festivals wurde und ihm bis zu seinem Tod 2016 verbunden blieb. Inzwischen waren ja die Grenzen zur DDR geöffnet, und Losansky vermittelte Kontakte zu Filmschaffenden aus Ostdeutschland und Tschechien, wo der Kinderfilm lange Tradition hat. Doch auch bei ihren Touren durch das Hofer Land holten sich Sandig und Munzert Anregungen, was Jungen und Mädchen gerne sehen.

"Im Grunde hat sich an den Vorlieben wenig geändert, viel aber an der Machart der Filme", meint Sandig. Kinder lieben seiner Erfahrung nach spannende und lustige Geschichten. Auch ernst darf es dabei mal zugehen, doch braucht es dann mehr Erklärung - und auf jeden Fall ein Happy End. Damals wie heute interessieren die Themen Freundschaft, Familie und Umwelt - und natürlich immer wieder Tiere.

Die Filme aber sind "schneller" geworden. "Sie haben sich dem Tempo angepasst, in dem unsere Gesellschaft funktioniert", erklärt Stefan Schmalfuß, Geschäftsführer des Central-Kinos. Zwar seien auch die ersten US-Trickfilme wie "Micky Maus" und "Donald Duck" reich an Tempo gewesen, doch seien die ursprünglich zur Unterhaltung junger Erwachsener konzipiert gewesen. Auch die Disney-Blockbuster zielten auf das große Familien-Publikum, seien nicht wirklich Kinderfilme.

Im Film erkennt man, wie sich die Welt verändert. Verständigen sich in Erich Kästners "Emil und die Detektive" die Kinder noch mit Hilfe von Trillerpfeife, Hupe, Parole und Uralt-Telefon, käme man in einer Neuverfilmung wohl am Smartphone nicht vorbei. Welches Kind von heute kennt noch eine Telefonzelle oder ein Telefon mit Wählscheibe?

Solche Dinge sind es, die Jungen und Mädchen hinterfragen, wenn sie Filmemacher und Schauspieler befragen können wie beim Kinderfilmfest Hof. Nicht umsonst suchen Filmschaffende den Kontakt zu ihren jungen Zuschauern, setzen sich mit ins Publikum, um die Reaktionen zu studieren. Beim Kinderfilmfest stimmen die Besucher über jeden Film ab - mit einer Beteiligungsquote von 90 Prozent. "Die Kinder sind da gnadenlos ehrlich", weiß Stefan Hofmann.

Bekannte Schauspieler wie Matthias Schweighöfer, Dana Vavrova, Fritzi und Floriane Eichhorn sowie "DDR-Winnetou" Gojko Mitic haben die Kinder in Hof begeistert. Auch Regisseure wie Johanna Held ( "Lotta"), Vaclav Vorlicek ("Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"), Isabel Kleefeld ("Das Gespenst von Canterville") waren schon zu Gast.

Stefan Schmalfuß hat die Erfahrung gemacht, dass Filme, die beim Festival auf großes Interesse stoßen, im normalen Kinoprogramm oft ignoriert werden. Meist seien es die Eltern, die ihre Kinder ausbremsen, weil sie andere Prioritäten setzen. Es brauche eine gute Mischung: bekannte Filme und solche, die es neu zu entdecken gilt. Glücklicherweise gebe es eine große Vielfalt an guten deutschen Kinderfilmen. Das beweist auch das 30. Kinderfilmfest Hof am 1. und 2. Februar.

Autor

Lisbeth Kaupenjohann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
23. 01. 2020
19:00 Uhr

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Lisbeth Kaupenjohann

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Veröffentlicht am:
23. 01. 2020
19:00 Uhr



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