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Kunst und Kultur

Junge Frau mit Liebreiz ganz eigener Art

Die Theaterfreunde zeichnen Susanna Mucha mit ihrem 18. Theaterpreis aus. Die Schauspielerin glänzt seit fünf Jahren in Hof in unterschiedlichsten Charakteren.



"In der ersten Riege der unentbehrlichen Hofer Akteure": Susanna Mucha (links) bei der Preisverleihung mit der Vorsitzenden der Theaterfreunde Hof, Hofer-Symphoniker-Intendantin Ingrid Schrader. Fotos: Harald Dietz
"In der ersten Riege der unentbehrlichen Hofer Akteure": Susanna Mucha (links) bei der Preisverleihung mit der Vorsitzenden der Theaterfreunde Hof, Hofer-Symphoniker-Intendantin Ingrid Schrader. Fotos: Harald Dietz   » zu den Bildern

Hof - Zum 18. Mal haben die Theaterfreunde Hof ihren Theaterpreis verliehen: Die große Vase mit personalisierter Platin-Inschrift - das Unikat stellt jedes Jahr die Rosenthal GmbH für den Verein her - ging diesmal an Susanna Mucha, die dem Schauspiel-Ensemble seit September 2012 angehört. Die Prägung auf dem Porzellanobjekt erinnert an ihre, wie sie selbst sagt, Hofer Lieblingsrolle: die Titelrolle in "Ich denke oft an Pirschoka". Den Preis überreichte Ingrid Schrader, die Intendantin der Hofer Symphoniker, in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der Theaterfreunde.

Wie vielseitig und beeindruckend Susanne Mucha auf der Bühne ist, führte Michael Thumser, der Kritiker der Frankenpost, in seiner Laudatio aus. Es gehöre zum Charme der jungen Dame, begann er, "dass wir sie kaum als ,Dame' wahrnehmen". Der Kern ihrer Ausstrahlung liege "in einer Anmut, einem Lieb- und Sinnenreiz" von ganz eigener Art: in einer Jugendlichkeit, die sie auf der Bühne beunruhigend verlockend und gleichzeitig unberührbar erscheinen lasse. Das sei von ihrer ersten Rolle an so gewesen: Als "ADHS-Mädel" Pippi Langstrumpf im Familienstück 2012. "Es war, als spielte sie unbezähmbar lebenslustig einen Teil ihres Selbst."

Der Laudator weiter: "In Frau Muchas Laufbahn ging es steil bergauf, in die erste Riege der unentbehrlichen Hofer Akteure." Ihr Weg verlaufe ohne Umwege und Rückschritte, aber mit allerhand Wendungen: "Alle erdenklichen theatralischen Bezirke hat sie auf ihm durchquert." Thumser erinnerte an die Rolle Muchas in einem Musical über Hildegard Knef; an Auftritte als Juliska in der Operette "Maske in Blau", in der Farce "Demut vor deinen Taten, Baby" oder im Musical "Non(n)sens" als Schwester Maria Amnesia: "Solche ,schrecklichen Mädchen' scheinen der Künstlerin zu liegen; aber die weichen auch - die ,kunstseidenen Mädchen' wie im Jahr 2014."

Vielfältig abschattiert zeige sie ihre Kunst in ihren beißenden und ernsten Rollen, sagte Thumser. Etwa 2013 als Putzi in Edward Albees "Wer hat Angst vor Viginia Woolf", als sie "irritierend zeigte, wie sich ein piepsendes Prollmäuschen sadistisch am Foltern, Rädern, Vierteilen unter Kultur- und Geistesmenschen delektiert"; oder als einfältig-fromme Erika in "Der Bus": "Eine der facettenreichsten, fragilsten, ehrfurchtsvollsten Darstellungen Muchas in unserer Stadt: dünnhäutig, natürlich, tiefenscharf." Noch empfindlicher, noch intensiver habe das Publikum sie 2014 in einer noch wichtigeren Rolle erlebt: als Tochter eines NSU-Mordopfers in "Schmerzliche Heimat".

Susanna Mucha verstehe bestürzend, die Tugend des Schauspielers zu pflegen, in aller Öffentlichkeit sein Innerstes nach außen zu kehren, ohne sich selbst eine Blöße zu geben. Und sie verfüge wie zuletzt in "Mein Kampf" über einen Mut, den nicht alle Schauspieler aufbringen: "Dem Publikum sogar ihre Blöße zu zeigen, unverhüllt die nackte Haut."

Ein ungemein lustiges Bild wiederum habe das Publikum im November letzten Jahres mit nach Hause genommen: "Da half Susanna Mucha das Slapstick-Chaos rund um den ,Mord auf Schloss Haversham' zu entfesseln und gab als Möchtegern-Femme-fatale sozusagen die Schöne und das Biest in einer Person. Bewusstlos musste sie sich von ihren Mitspielern knochenverbiegend und hautzerrend durch ein Fenster ziehen und quetschen lassen." Michael Thumsers Fazit: "Susanna Mucha setzt dem Haus Glanz auf."

"Ich bin total überwältigt", reagierte die 33-jährige Preisträgerin auf die Ehrung. "Ich bin dem Haus und dem Intendanten Reinhardt Friese sehr dankbar: Danke, dass du mich mit hierher genommen hast, und für dein Vertrauen." Sie sei froh, dass sie sich am Theater Hof in so vielen unterschiedlichen Rollen ausprobieren dürfe. Susanna Mucha dankte auch ihren Eltern, "dass ich meine Leidenschaft und mein Hobby zum Beruf machen konnte; und dass ich darin immer machen darf, was ich will."

Die Preisverleihung war eingebettet in eine Gala, bei der Stefanie Rhaue, Cornelia Löhr, Thilo Andersson, Andreas Bühring und der Dauergast bei den Hofer Musicals, Chris Murray, sowie Opernchor und Ballett die Zuschauer in die Welt der Musicals mitnahmen. Intendant Reinhardt Friese hatte eingangs "Perlen" versprochen, und die bekam das Publikum. Zur Musik der Hofer Symphoniker unter Leitung von Michael Falk sangen die Künstler selten gehörte Ausschnitte aus noch seltener gezeigten Werken wie "Some enchanted Evening" aus "South Pacific" oder "Stranger in Paradise" aus "Kismet". Das Programm, in dessen Verlauf Pro-Hof-Vorsitzender Michael Maurer einen Scheck über 5000 Euro überreichte, bot aber auch immer wieder gern Gehörtes wie "Summertime" aus "Porgy and Bess", Ausschnitte aus "Cabaret", "Don't cry for me, Argentina" aus "Evita" oder Ausschnitte aus "Kiss me Kate", "Das Phantom der Oper" und "Annie get your gun". Und wer "You'll never walk alone" bisher nur aus Fußballstadien in Liverpool und Dortmund kannte, war überrascht, bei dieser Gelegenheit die Originalfassung aus "Caroussell" zu hören. Das berührende Finale mit dem "Lied des Volkes" aus "Les Misérables" schließlich rief bei so manchem Zuhörer wehmütige Erinnerungen an die Spielzeit 2006/2007 hervor - und Gänsehaut.

Autor

Kerstin Starke
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Veröffentlicht am:
24. 09. 2017
18:33 Uhr

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Kerstin Starke

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24. 09. 2017
18:33 Uhr



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