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Kunst und Kultur

Kunst, die aus dem Rahmen fällt

Ungewöhnliches in der Galerie des Münchberger Bürgerzentrums: Ein aufmüpfiger Querdenker aus Helmbrechts und ein experimentierfreudiger Mittelfranke zeigen ihre Kunst.



Benjamin Zimmermann (links) und Heinz Wölfel zeigen im Bürgerzentrum ihre Kunst. Foto: asz
Benjamin Zimmermann (links) und Heinz Wölfel zeigen im Bürgerzentrum ihre Kunst. Foto: asz  

Münchberg - Geplant war eine Drei-Generationen-Ausstellung. Aber der Älteste im Künstlertrio, das in einer Rehaklinik entstanden war, ist mit 95 Jahren gestorben. Er war, wie es heißt, ein begnadeter Fotograf. In der Galerie im Bürgerzentrum bleiben nun die beiden anderen unter sich. Zu sehen sind Materialcollagen von Heinz Wölfel, 66, aus Helmbrechts sowie Bilder und Videos von Benjamin Zimmermann, 36, aus Fürth.

Zimmermann, der in Erlangen geboren wurde, schloss sein Kunststudium an der Nürnberger Akademie als Meisterschüler ab. Weil sich drei Jahre im freien Künstlerleben als problematisch erwiesen, ist er heute froh, auch das Examen im Fach Kunstpädagogik bestanden zu haben. Dank einer Anstellung als Lehrer am Gymnasium ist er finanziell abgesichert. Gleichwohl bleibt das Kunstschaffen ein wichtiger Teil in Zimmermanns Leben. Aktuell beschäftigt er sich mit gezeichneten, zum Teil auch computergestützten Animationsfilmen, die geometrische Konstruktionen in Bewegung bringen; eines der abstrakten Gebilde ("Box in a box in a box") entfaltet sich nach Art einer Blüte. Um vier seiner Videos in der Ausstellung zeigen zu können, wurden Wahlkabinen aus städtischem Besitz einfallsreich zweckentfremdet. Auch ältere Bilder und Wandobjekte des Künstlers stehen konkreter Kunst beziehungsweise der aus ihr hervorgegangenen Op-Art nahe. Auffallend sind ihr Minimalismus ("Quader mit schwarzem Pinselstrich") und die Verwendung "armer" Materialien wie Hasendraht, Trinkhalme und Verpackungsfolie. Sie verleihen den Arbeiten einen humoristischen Aspekt. Und weil Zimmermann für Ausstellungen auch gern vor Ort tätig wird, machte er das Foto eines Münchberger Galeriefensters durch ergänzende Zeichnung zum kleinen, aber feinen Endlos-Film. Das Gesamtbild zeichnet sich durch Überraschungseffekte, Frische und Leichtigkeit aus. Übrigens nutzt der Künstler als Spielfeld für seine Videos mit Erfolg auch das Internet. "Viele haben da meine Sachen gesehen", sagt er. Und auf Verkäufe ist er zum Glück ja nicht angewiesen.

Bei Heinz Wölfel, der den größeren Teil der Zwei-Generationen-Ausstellung bestückt, bleibt einem Werktitel zufolge "alles im Rahmen". Wahr ist jedoch: Fast alles fällt aus demselben. Denn der Helmbrechtser, der einst Textildesign studierte, ist ein Querdenker und Quertreiber der Kunst. Bei ihm kann es passieren, dass ein üppiger Rahmen nach Vierteilung zum eigentlichen Zentrum des Bildes wird. Das hat, wie auch ein Stück "Popo-Art", mit schwarzem Humor und mit Verarschung zu tun. "Ich pfeif drauf", teilt Wölfel, der sich nicht Künstler, sondern Bildermacher nennt, auf einer seiner Arbeiten mit. Die Attacke gilt so ziemlich der ganzen Welt inklusive des Kunstbusiness. Der Begriff "Art" (Kunst) kommt in einer Collage vor, in der sich Hammer auf Jammer reimt. Überhaupt pflegt Wölfel reichlich Text einzubauen. Als Bildzitate verwendet er "alles, was mir gefällt", wobei erst recht nicht zu kurz kommt, was sein Missfallen erregt. Denn Kritik an dem, was zwischen Erde und Himmel geschieht, ist der Hauptimpuls seines Schaffens.

Früher hat er recht hübsch gezeichnet. Heute genügt’s ihm, bewiesen zu haben, dass er das kann, und er setzt sein Bildermacher-Handwerk eher drastisch und respektlos als feinsinnig fort. Eine ausgediente Matratze, über der zwei Krücken ein Kreuz schlagen, hängt als Mahnmal für "Harte Zeiten" an der Wand. Und in gewisser Weise kehrt diese bemerkenswert andere Kunstausstellung so zu ihrem Reha-Ursprung zurück.

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Bis zum 4. August; Dienstag bis Freitag, 17 bis 19, sonntags von 15 bis 18 Uhr.

Autor

Ralf Sziegoleit
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
18:38 Uhr

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Ralf Sziegoleit

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Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
18:38 Uhr



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