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Mit Marmor, Stein und Da Da Da

Das Theater Hof bringt mit seiner Parodie "Hossa - die Hitparade" das Selber Publikum zum Toben. Die Zuschauer feiern Heck, Gildo, Truckstop und Co.



Mit Marmor, Stein und Da Da Da
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Selb - Die Zeit um drei, vier Jahrzehnte zurückdrehen, bequem im Sessel sitzen und - als Déjà-vu - die "Hitparade" mit Dieter Thomas Heck genießen. Mit seinem Schlagerabend hat das Theater Hof im sehr gut besuchten Rosenthal-Theater die Erinnerungen daran geweckt.

Leif Scheele in der Rolle von Heck parodiert "Mr. Hitparade" im grauen Anzug, mit schneller Zunge, Moderatorenkärtchen und Mikrofon. "Wir haben den Schallplattenhandel gefragt und die Musikboxaufsteller und Sie", sagt "Heck" und zeigt ins Publikum. Stimmzettel mit 13 Titeln werden am Eingang verteilt, dann erobern sie der Reihe nach die Bühne:

"Rex Gildo" (Oliver Hildebrandt) springt auf schwarzen Lack-Plateau-Stiefeln durch den Silber-Glitzer-Vorhang. "Hossa!" ruft er, die Arme weit ausgebreitet. Gildo klatscht in die Hände, macht Stimmung mit "Fiesta Mexicana", und der Titel zündet im Publikum. Dann schmachtet "Howard Carpendale" (Dominique Bals), einst Bodyguard der Rolling Stones, auf rotem Samthocker sein "Ti Amo" in den Saal.

Punk-Diva "Nina Hagen" (Anja Stange), die in der DDR aufgewachsen ist und früh und radikal gegen das Establishment rebellierte, turnt in weiß-roten Ringelstrümpfen mit Blüten im Haar über die Bühne. "Du hast den Farbfilm vergessen", singt sie, einen Titel aus der Zeit, als sie mit eigener Band durch die DDR tourte. Melancholisch, bauchfrei, in enger Hose, gestreiftem Strickpulli und hohen Sandalen betritt "Juliane Werding" (Marina Schmitz) die Bühne. Ihr Song "Am Tag, als Conny Kramer starb" war 1972 einem Freund gewidmet, mit dem Werding in der Essener Fußgängerzone Straßenmusik machte und der an einer Überdosis starb.

"Stephan Remmler" (Marco Stickel), lässt "Da Da Da" aufleben: Künstlerischer Minimalismus, wenig Text, kaum Instrumente, sparsame Töne charakterisieren den Sound, mit dem Remmler in kleinen norddeutschen Clubs vor drei bis dreißig Leuten spielte und im Jahr darauf beim Rockfestival auf der Loreley und dem Open Air in Verona. Blumen von einem Verehrer aus dem Publikum gibt es für "Marianne Rosenberg" (Susanna Mucha) und den Titel "Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür". Hinter Eleganz und Romantik, engem Kleid und Fönfrisur der 70er-Jahre, verbirgt sich eine Frau, die von der "heilen Welt" singt - und die andere Seite kennt. Ihr Vater überlebte den Holocaust in Auschwitz. Die tätowierte Nummer auf dem Arm prägte die Familie. Rosenberg, Kind einer Sinit-Künstlerfamilie, ging später in Schuhen mit hohen Absätzen gegen Rassismus und Atomkraft auf die Straße.

Das Gefühl aus dem "Wilden Westen, gleich hinter Hamburg" bringt "Truckstop" (Volker Ringe, Oliver Schmidt, Michael Falk, Harry Tröger und Ralf Wunschelmeier) auf die Bühnenbretter. Die ersten Konzerte spielten die Cowboys von der Wanterkant in den Musikclubs auf der Reeperbahn. Vollgas bei der Hitparade des Hofer Ensembles gibt "Markus" (Jörn Bregenzer) mit dem Titel "Ich will Spaß". Da läuft und hüpft der Junge in weißen Socken und Ledersandalen, kurzen Hosen, weißem Hemd und Sakko über die Bühnenbretter, wedelt mit Deutschlandfähnchen und streut Konfetti von der Bühne.

Der examinierte Opernsänger "Tony Marshall" (Ralf Hocke) soll vor der Aufnahme von "Schöne Maid" Chianti getrunken haben. Sein Traum als Opernsänger erfüllte sich 2005 als Tewje in "Anatevka" mit einer Absolventin der Musical School Frankfurt als Bühnentochter: Helene Fischer. Im Selber Rosenthal-Theater versucht "Marshall" eine Saal-Polonaise. Es bleibt beim Versuch, doch das Publikum klatscht begeistert. Vom Seiteneingang her kommt "Drafi Deutscher" (Andreas Bühring) ins Rosenthal-Theater und nimmt sofort Blickkontakt zum Publikum auf. Sein "Marmor, Stein und Eisen bricht" singt das Publikum mit.

Die Gewinner des Abends aber sind "Dschinghis Khan" (Cornelia Löhr, Florian Bänsch, Birgit Reutter, Peter Kampschulte, Thilo Andersson und Witali Damer). Ralf Siegel gründete die Gruppe für den Grand Prix Eurovision de la Chanson 1979. Ihr "Moskau" wurde international ein Hit. Im Schnelldurchlauf erleben die Zuschauer die Hitparade vor der Abstimmung noch einmal - und als Zugabe. Tosender Applaus begleitet die Künstler, die für 90 Minuten Parodie, Nostalgie, ganz viel Schlager und gute Laune in den Theatersaal brachten.

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Silke Meier
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Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
17:26 Uhr

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Silke Meier

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15. 03. 2019
17:26 Uhr



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