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Kunst und Kultur

Operettenseligkeit im Schlaf

Mit "Ein Walzertraum" gastieren Orchester und Ensemble des Operettentheaters Wien auf der Luisenburg. Das Publikum feiert die Künstler mit lautstarkem Applaus.



Eine prima Ensemble-Leistung zeigten die Solisten der Operettenbühne Wien bei der "Walzertraum"-Premiere auf der Luisenburg (von links): Alexander M. Helmer, Elisabeth Hilinger, Stefan Reichmann, Ella Tyran, Jan Reimitz, Elfi Gubitzer und Viktor Schilowski. Foto: Uwe von Dorn
Eine prima Ensemble-Leistung zeigten die Solisten der Operettenbühne Wien bei der "Walzertraum"-Premiere auf der Luisenburg (von links): Alexander M. Helmer, Elisabeth Hilinger, Stefan Reichmann, Ella Tyran, Jan Reimitz, Elfi Gubitzer und Viktor Schilowski. Foto: Uwe von Dorn  

Wunsiedel - "Leise, ganz leise, klingt’s durch den Raum ..." Wenn die anderen Melodien aus Oscar Straus’ Operette von 1907 auch wenig bekannt sind - dieses wunderbar zarte Duett hat sich über das Werk hinaus durchgesetzt. Zumindest viele Besucher der Premiere gestern Nachmittag auf der Luisenburg, wo die Operettenbühne Wien mit dem selten gezeigten Werk heuer gastiert, konnten es mitsummen. Nicht, dass die anderen Lieder der Operette nicht ansprechend, temperamentvoll und witzig wären.

Und nächstes Jahr ...

Nach 20 Jahren Zusammenarbeit mit der Operettenbühne Wien hatte der Wunsiedler Stadtrat beschlossen, die Operette auf der Luisenburg in der Saison 2020 an einen anderen Veranstalter zu vergeben. Vor Beginn der gestrigen Premiere von "Ein Walzertraum" informierten Bürgermeister Karl-Willi Beck und die künstlerische Leiterin der Festspiele, Birgit Simmler, das Publikum, dass 2020 die Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauß, Sohn, zu erleben sein wird. Die musikalische Leitung wird, wie sie sagten, Professor Bernhard Steiner übernehmen, der als ausgewiesener Fachmann für die Wiener Operette gilt und weltweit gastiert. Seit Sommer 2008 ist Steiner als erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor am Theater Hagen tätig. 2011 wurde er Chefdirigent der Bayer-Philharmoniker in Leverkusen.

Als Oper erlebt das Publikum der Luisenburg in der kommenden Saison wieder einmal "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck, ein Werk, das wie gemacht scheint für die Felsenbühne. kst


Die Melodien von Oscar Straus (1870 bis 1954) - der übrigens mit den berühmten Wiener Sträußen weder verwandt noch verschwägert war - ebenso wie das Spiel des inspirierten Ensembles aus Wien begeisterte das Publikum. Es geizte nicht mit wiederholtem Szenenapplaus und feierte das Ensemble und seinen Chef und Regisseur Heinz Hellberg, am Ende minutenlang lautstark. Hellberg spielt diesmal zwar nicht mit, lässt es sich aber nicht nehmen, das beliebte "Fiakerlied" als Einlage zwischen den Akten zu singen.

Es ist eine wahre Operettenseligkeit, in die die Künstler ihre Zuschauer da auf einer schön, mit viel Blumen ausstaffierten Bühne entführen; wenn auch mit einer Mini-Rahmenhandlung aus dem 21. Jahrhundert: Niki, ein junger Mann fällt angetrunken ins Bett und träumt. Er träumt seinen Walzertraum. Darin wird er in der guten alten Zeit (Kostüme: Lucya Kerschbaumer) als Leutnant - bevor er weiß, wie ihm geschieht - mit einer Prinzessin verheiratet. Fern von seinem geliebten Wien. Dafür winkt ihm ein Orden, doch er selbst ist, als er "diese Gruft" kennenlernt, wenig begeistert und meint doppeldeutig: "Das große Kreuz ist mir sicher."

Zum Glück ist Niki (Stefan Reichmann: darstellerisch überzeugend, stimmlich versiert) nicht allein im Exil. Sein Freund Montschi, wie er einer, der anscheinend nicht erwachsen werden will, unterstützt ihn. Alexander M. Helmer muss in dieser Rolle übertrieben weanerisch agieren, überzeugt aber in den Duetten vor allem mit der Schlagzeugerin Fifi, der Vollblut-Sängerin Susanne Hellberg, die sehr zum Gaudium des Publikums nicht nur einmal das Hohelied des "Moispeis’ " singt.

Die Rolle der Prinzessin Helene, Nikis Braut, ist mit Ella Tyran gut besetzt: Mit sicherem Sopran und überzeugendem Spiel erkennt sie recht schnell, dass der Mann, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hat, nicht so glücklich ist wie sie. Schon in der Hochzeitsnacht stiehlt er sich davon in den Park, zu einer Wiener Damenkapelle, die eigens zu seiner Vermählung angereist ist, und umgarnt deren Kapellmeisterin Franzi (Elisabeth Hilinger: mit sicherem, temperamentvollem Sopran), ein fesches Wiener Madl.

Sein Schwiegervater, der Fürst von Flausenthurn (Viktor Schilowski, der das schöne Lied "Mein Herz, das ist ein Bilderbuch vom alten Wien" beisteuert) und dessen preußisch-zackiger Neffe Lothar (Jan Reimitz, der für viele Lacher sorgt und sich für eine Tanz- und Steppeinlage einen Extra-Applaus abholen darf) ertappen ihn.

Auch Helene kommt dazu in Begleitung der Oberhofmeisterin Friederike (Elfi Gubitzer: sehr witzig, vor allem, wenn sie eine Maß Bier auf ex trinkt, und mit angenehmem Gesang). Doch die Prinzessin erkennt, dass sie etwas verändern, sich und die "Gruft" entstauben muss ("Ein Schwipserl möcht ich haben"), und sie ist klug genug, ihren Niki nicht zu verdammen wie Vetter Lothar verlangt, sondern gibt ihn frei. Der allerdings hat sich längst verliebt: in die eigene Frau. So zeichnet sich auch in dieser Operette ein Happy End mit Hochzeitsreise nach Wien ab. Ein Happy End, aus dem Niki ganz am Schluss jäh erwacht.

Zusammengehalten wird die turbulente Handlung (Leutnant Niki: "ein Kaschperltheater mit lauter Operettenfiguren") vom Orchester unter Leitung von Laszlo Gyüker, das, wie auf der Luisenburg üblich, von der Seite agiert und für das Ballett (Choreografie: Enrico Juriano) mit der "Tritsch-Tratsch-Polka" sogar eine Anleihe bei Johann Strauß, Sohn, nimmt. Darüber hinaus dürfen diesmal - schließlich wird eine Wiener Damenkapelle gebraucht - einige Musikerinnen auf einem Felsen Platz nehmen, spielen von dort und verströmen musikalischen Wiener Charme.

—————

Weitere Vorstellungen von "Ein Walzertraum" auf der Luisenburg, für die es noch Karten gibt, sind heute, Freitag, 20 Uhr, und am Samstag, 20 Uhr, sowie Montag, Dienstag und Mittwoch, jeweils um 15 Uhr.

Autor

Kerstin Starke
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Veröffentlicht am:
22. 08. 2019
19:14 Uhr

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Autor

Kerstin Starke

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 08. 2019
19:14 Uhr



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