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Kunst und Kultur

Russischer Klangteppich zum Advent

Slawische Stimmen erwecken beim Selber Publikum vorweihnachtliches Hochgefühl. Der Moskauer Kathedralchor bietet ein beachtliches Hörerlebnis.



Mit seinem Konzert zauberte der Moskauer Kathedralchor sowohl innige Gottesverehrung als auch fröhliche Weihnachtsstimmung ins Rosenthal-Theater.	Foto: Jürgen Henkel
Mit seinem Konzert zauberte der Moskauer Kathedralchor sowohl innige Gottesverehrung als auch fröhliche Weihnachtsstimmung ins Rosenthal-Theater. Foto: Jürgen Henkel  

Selb - Das sind Stimmen! Mit einem beeindruckenden Konzert unter dem schlichten Titel "Russische Weihnacht" haben 38 Sängerinnen und Sänger des "Moskauer Kathedralchors" unter der Leitung von Nikolay Azarov im Selber Rosenthal-Theater die Herzen ihrer knapp 300 Zuhörer im Sturm erobert. Die slawischen Sänger schafften es mühelos, von fröhlichen und heiteren Volksliedern bis zu ehrwürdigen sakralen Gesängen ein breites Spektrum russischer Klangkunst auf die Bühne zu zaubern.

Feine und zarte, aber auch schmetternde Gesänge der russisch-orthodoxen Liturgie sowie geistliche Stücke bestimmten den ersten Teil des Abends. Diese Werke zielen direkt in Herz und Seele der Zuhörer. Auch wenn alle Stücke auf Russisch gesungen wurden, konnte das Publikum schon an den deutschen Titeln im Programm die Innigkeit dieser klingenden Gottesverehrung aus den Melodien und ihrer Interpretation nachvollziehen.

Von herzergreifender Erbaulichkeit bis zu gravitätischem Gotteslob reichte die Bandbreite der Stücke, die dynamisch sehr abwechslungsreich zwischen Piano und Forte wechselten. Darunter waren sehr bekannte Stücke und Werke von Komponisten wie Dmitrij Bortnjanskij, Sergei Rachmaninow und Vassili Sinowjew.

Es war große Sangeskunst, die der Moskauer Kathedralchor hier vorführte. Die Sängerinnen und Sänger sind in ihren Stimmen hervorragend aufgestellt und auch insgesamt perfekt harmonisch aufeinander eingestimmt.

Und aus ihren Reihen traten immer wieder Solisten nach vorne. Der Chor besteht aus zahlreichen Mitgliedern, die selbst Solistenqualität haben. Am Ende des Konzerts verbeugten sich 16 Sängerinnen und Sänger vor dem Publikum, die Soli hatten - fast die Hälfte des Chores.

Es sind Ausnahmetalente, die da im Chor wie auch als Solisten zu hören waren, etwa der tiefe Bass bei dem Fürbittgebet der Ektenie, bei dem der Chor immer wieder kraftvoll und klanggewaltig den Bittruf "Gospodi pomiluj" - "Herr erbarme dich" - zur Antwort gab.

Dieses gemischte Vokalensemble gibt nicht nur einfach perfekt Lieder und Stücke wieder, sondern es erzeugt höchst ausdrucksvoll Stimmungen, es malt Klangteppiche in den Raum. Die Töne für die einzelnen Stimmgruppen vor den Stücken summte jeweils eine junge Sängerin aus dem Chor an. Das machte sie ohne Stimmgabel, was nur bei einem vollkommenen musikalischen Gehör möglich ist.

Der Moskauer Kathedralchor ist eines von sieben Chorensembles der 1991 gegründeten Moskauer Chorhochschule, die heute nach ihrem Gründer "Viktor-Popov-Chorkunstakademie" heißt. Doch wenn ein Chor solche Leistungen bringen kann, ist das immer auch die Leistung eines Dirigenten. Und auch der ist ein Erlebnis: Seit 2015 ist Nikolay Azarov der künstlerische Leiter und Chefdirigent des Kathedralchors. Er wuchs in einer Musikerfamilie in Kasachstan auf, absolvierte das staatliche Konservatorium "Tschaikowsky" in Moskau und lehrt seit 1989 an der Chorschule. Dank seines Engagements erhalten die Studierenden eine umfassende internationale Konzertpraxis, wovon sich auch das Selber Publikum überzeugen konnte.

Azarov agierte souverän, dabei völlig emotionslos, trocken und in sich ruhend, selbst wenn die Handbewegungen manchmal wild wurden. Gelegentlich stahl sich nach einer wieder einmal blitzsauberen Leistung seines Chores und dem entsprechenden Applaus ein mildes Lächeln auf sein Gesicht, aber das hielt nicht lange an. Wohl selten ist ein derart cooler Dirigent zu erleben - die Lässigkeit in Person.

Die Qualität und das Temperament des Chors zeigten sich auch im zweiten Teil des Konzerts, der Volksliedern und volkstümlichen Weihnachtsliedern gewidmet war. Der Chor wechselte auch bei diesen vertrauten Liedern zwischen atemberaubend rasantem Tempo und elegisch-feinen Takten, zwischen kräftigem Tutti und zartem Flüstern, und das raumfüllend bis in die leisesten Töne. Dazwischen waren immer wieder auch regelrechter Sprechgesang und musikalische Lautmalerei zu hören, etwa bei der Interpretation einer "Geschwätzigen Elster" oder von Kirchenglocken.

Bei einem Potpourri internationaler Weihnachtslieder waren schließlich auch Klassiker wie "Stille Nacht", "Jingle Bells", "Santa Claus Is Coming To Town" und "We Wish You A Merry Christmas" zu hören. Zuletzt - und als Zugabe für das begeisterte Publikum - sang der Chor noch "O du fröhliche". Dabei animierte Dirigent Azarov das Publikum kurzerhand zum Mitsingen und dirigierte auch gleich noch das Publikum. Danach hielt es die Zuhörer nicht mehr auf ihren Plätzen: Sie applaudierten stehend.

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Jürgen Henkel
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Veröffentlicht am:
08. 12. 2019
16:00 Uhr

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Jürgen Henkel

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Veröffentlicht am:
08. 12. 2019
16:00 Uhr



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